Interview

"Wir wollen mit Tarom nach Tegel"

19.06.2018 - 14:49 0 Kommentare

Stuttgart wird die vierte deutsche Destination im Tarom-Streckennetz. Im Interview mit airliners.de spricht Airline-CEO Wolff über großes Potenzial, den Flottenausbau und warum Tarom Berlin-Tegel ins Visier nimmt.

Wilhelm Werner Wolff ist seit Dezember 2017 CEO und Genaral Manager bei Tarom. - © © Tarom SA -

Wilhelm Werner Wolff ist seit Dezember 2017 CEO und Genaral Manager bei Tarom. © Tarom SA

Rumäniens staatliche Airline Tarom hat turbulente Zeiten hinter sich. Im vergangenen Jahr erlebte die Airline vier Führungswechsel. Seit Dezember 2017 steht jetzt Werner Wilhelm Wolff an der Spitze der Airline. Im Gespräch mit airliners.de spricht der ehemalige BMW-Manager unter anderem über Potenziale für den deutschen Markt, den Konkurrenzkampf mit der Lufthansa und wann die Airline mit neuen Maschinen wieder in die Gewinnzone fliegen will.

airliners.de: Tarom ist in Deutschland ja wenig bekannt …
Werner-Wilhelm Wolff: Wir müssen Tarom bekannt machen. Das ist klar. Wir sind zwar nicht Lufthansa, aber wir können mit der Lufthansa mithalten. Es wird ja immer gesagt, dass nur zwei bis drei Fluggesellschaften den Markt kontrollieren - dem ist nicht so. Wir sehen großes Potenzial für Tarom.

Sie wollen ab Mitte Juli Stuttgart in Ihr Streckennetz aufnehmen. Warum gerade Stuttgart?
Stuttgart als wirtschaftlich starke Region bietet viele Möglichkeiten, das hat auch unsere Potenzial-Analyse ergeben. Die Regionen im Westen und der Mitte Rumäniens sind wirtschaftlich stark und stehen im direkten Austausch mit der Stuttgarter Region. Deswegen haben wir uns entscheiden ab dem 15. Juli dreimal die Woche von Hermannstadt (Sibiu) und Temeschburg (Timișoara) nach Stuttgart zu fliegen. Hinzu kommt natürlich noch, dass in der Region viele Rumänen oder rumänisch Stämmige leben, übrigens auch in Bayern und Hessen.

Der Manager

Wilhelm Werner Wolff ist in Rumänien geboren und mit 16 Jahren nach Deutschland gegangen. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft an der Goethe Universität in Frankfurt, folgten Stationen bei BMW in Deutschland und Rumänien. Zuletzt war er General Manager bei BMW Romania. Seit Dezember 2017 ist er CEO and Genaral Manager der staatlichen Arline Tarom.

Werden Sie die beiden frisch eingeflotteten Boeing-737-Maschinen einsetzen, die von den Leasinggebern Nomura Babcock & Brown und Fly Leasing kommen?
Nein, wir starten erst einmal mit einem Jet vom Typ Airbus A318, um die Verbindungen aufzubauen. Später wollen wir aber größere Maschinen einsetzen.

Aktuell fliegt Tarom mit Frankfurt, München, Hamburg drei deutsche Airports an. Stuttgart wird die vierte deutsche Destination. Planen Sie die Aufnahme weiterer Strecken?
Wir planen, auch Berlin in den Fokus zunehmen. Berlin ist die deutsche Hauptstadt und ich finde es schade, dass es bisher noch keiner gewagt hat, Berlin an Bukarest anzubinden. Das muss auf jeden Fall geschehen. Auch da ist der Bedarf schon relativ hoch und das Potenzial groß.

… aber es gibt doch schon eine Berlin-Bukarest-Verbindung.
Das schon, aber letzten Endes mit einem Low-Coster und nicht auf dem Hauptflughafen. Wir wollen nach Berlin-Tegel.

Marktanteile Rumänien-Deutschland
0
Lufthansa 42
Wizz Air 28.6
Tarom 12
Übrige Airlines 17.4

Die Grafik zeigt die Marktanteile der drei größten Airlines auf den Verbindungen zwischen Deutschland und Rumänien. Quelle: ch-aviation.com

Das sind die Pläne für die Strecken. Um Routen zu fliegen, brauchen Sie Fluggerät. Was macht die Planung an der Front?
Wir müssen die Flotte austauschen und vergrößern. Sehen Sie, wir haben eine Vielzahl an ATR-Regionalmaschinen und die passen einfach nicht mehr in die heutige Zeit; da benötigen wir neues Fluggerät. Wir hätten gerne eine Einheitsflotte, aber auf einigen Strecken haben wir nicht die Nachfrage mit 189 Plätzen zu fliegen. Daher brauchen wir da kleinere Jets.

Gibt es schon eine Alternative, die Sie ins Auge gefasst haben?
Ich habe schon Planungen, aber wir müssen auch die staatlichen Forderungen einhalten. Das heißt wir müssen allen die Chance geben und wer da gewinnt wir dementsprechend auch unser Lieferant werden. Ich kann da leider keine Namen nennen.

Können Sie uns denn einen Zeitkorridor nennen?
In den nächsten vier Jahren auf jeden Fall. Die rumänische Regierung hat vorgegeben, dass wir die Flotte bis 2020 erneuern. Wir werden natürlich versuchen, diesen Termin einzuhalten. Das ist gerade besonders schwierig, da der Markt die Flugzeuge nicht hergibt. Es gibt nur ältere Flugzeuge - ab acht Jahren aufwärts. Neue Flugzeuge gibt es bei den großen Herstellern nicht und auch nicht bei den Kleinen - auch das macht es schwierig, aber man kann immer hier und da mal ein paar Flugzeuge abgreifen.

Die Flotte

Tarom betreibt aktuell 22 Maschinen der folgenden Muster:
Airbus A318-100 (4x), Boeing 737-300 (3x), Boeing 737-700 (4x), Boeing 737-800 (2x), ATR42-500 (7x), ATR72-500 (2x)
Quelle: ch-aviation

Wie wollen Sie das finanzieren? Tarom schreibt ja seit Jahren tiefrote Zahlen.
Das stimmt, die vergangenen Jahre waren ein reines Minusgeschäft. Wir planen aber Ende dieses Jahres wieder in die Gewinnzone zu fliegen. Wir konnten schon Millionen an Kosten einsparen. Wir müssen uns einfach effizienter aufstellen, das muss nicht zwingend zum Stellenabbau führen. Wir werden beispielsweise unsere IT-Plattform moderner aufstellen und ein ganz normales Management etablieren. Die Zeiten in denen verschiedenste Stellen mitgemischt haben, müssen vorbei sein.

Gibt es den Ideen, ähnlich wie bei Lauda Motion Anteile zu verkaufen? In der Vergangenheit sollen ja Ryanair und Wizz Air Interesse gezeigt haben.
Tarom ist und bleibt eine rumänische Fluggesellschaft und wird auch keine Anteile verkaufen. Eigentümer ist und bleibt zu 100 Prozent der rumänische Staat.

Noch eine Frage zur Streckenplanung. In der Vergangenheit hat Tarom auch Langstreckenverbindungen angeboten. Gibt es diesbezüglich Planungen?
Wir wollen wieder Langstrecken anbieten, aber noch nicht in diesem, sondern im nächsten Jahr. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf Europa. Wenn wir dann wieder Langstrecken anbieten werden, konzentrieren wir uns auf den asiatischen Markt.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wolff.

Von: br
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