Interview

"Wir fliegen bei Yourways ohne Flugbegleiter"

08.06.2018 - 17:44 0 Kommentare

Zwei ehemalige Air-Berlin-Piloten gründen die Insel-Airline Yourways. Ende Juni starten die ersten Linienflüge zwischen Hamburg und Sylt. Im Interview spricht Gründer Götze über die Vorteile einer kleinen Airline und warum sie sich nicht mit Eurowings vergleichen.

Die Quest Kodiac der Yourways. - © © yourways Luftverkehrsgesellschaft mbH -

Die Quest Kodiac der Yourways. © yourways Luftverkehrsgesellschaft mbH

Noch vor dem Ende der Air Berlin sind zwei ehemalige Piloten beim Krisen-Carrier ausgestiegen, um mit einer eigenen Airline durchzustarten. Dabei wollen die beiden Gründer nicht Fluggesellschaften wie Eurowings oder Easyjet Konkurrenz machen - das könne man einfach nicht leisten, betont Benjamin Götze im Gespräch mit airliners.de. Den Anfang macht Yourways auf kleiner Strecke mit kleinem Fluggerät - und deutlichen Pluspunkten.

airliners.de: Der erste Flug von Hamburg nach Sylt sollte am 1. Juni abheben. Das mussten Sie leider verschieben. Wann geht es jetzt los?
Benjamin Götze: Leider sind wir nicht ganz im Timing. Die Zulassung der Caravan dauert länger. Das Ganze ging schon bei der Herstellung der Maschine los. Jetzt haben wir einen Interimsflugplan verabschiedet, den wir erstmal komplett mit der Kodiak fliegen. Der beinhaltet auch schon Flüge zwischen Hamburg und Sylt. Wir gehen davon aus, dass wir die Caravan Ende Juni einsetzen können.

Entschieden haben Sie sich für die Inselfliegerei. Wie kam es dazu?
Die Inselfliegerei bietet viele Vorteile. Man kann schnell anfangen, wenn man das entsprechende Material - sprich Flugzeuge - besitzt. Mit der Cessna Caravan und der Quest Kodiak haben wir dann auch die richtigen Flugzeuge. Außerdem haben wir beobachtet, dass die Nordseeinseln gerade unglaubliche Zuwächse erleben. Der letzte Grund ist ganz praktisch - wir leben beide in Norddeutschland. Hauptsitz unserer Firma ist in der Nähe von Cuxhaven.

© Yourways

Der Interviewpartner: Benjamin Götze ist ausgebildeter Verkehrspilot und war bei verschiedenen Airlines tätig, bis er 2007 zu Air Berlin kam. Götze war Kapitän und Ausbilder für die A320-Familie sowie stellvertretender Flugbetriebsleiter bei der Berliner Airline. Im Dezember 2015 kündigte er seine Management-Funktion. Im Oktober 2016 gründete er zusammen mit Tim Haferl, ex Accountable Manager der Air Berlin, Insel-Airline Privateways.

Wollen Sie erstmal nur im Sommer Linenflüge anbieten, oder ganzjährig?
Unser Plan ist es, durchzufliegen. Von Bremen, Hamburg und Wilhelmshaven wollen wir Sylt durchfliegen. Die weiteren Verbindungen nach Juist und Norderney wollen wir hingegen nicht ganzjährig bedienen.

Sylt ist die wichtigste Destination. Gibt es andere Ziele, die Sie angehen wollen?
Helgoland ist ein Thema, an dem wir wirklich dran sind. Um nach Helgoland zu fliegen, haben wir uns ja auch für die Kodiak entschieden. Denn das geniale an diesem Flieger sind die kurzen Start- und Landeeigenschaften. Man kann mit einer vollbesetzten Maschine dieses Typs auf 450 Metern landen.

Also starten Sie bald nach Helgoland?
Ganz so einfach ist es nicht. Wenn man gewerbliche Flüge nach Helgoland anbieten möchte, gibt es eine Sonderregel die besagt, dass gewerbliche Flüge mit einmotorigen Maschinen nicht zulässig sind. Diese Regel ist allerdings schon sehr alt und eine lokale Eigenheit. Wir sind jetzt der zweite Operator in Deutschland mit einer Genehmigung für gewerbliche Flüge nach Instrumentenflugregeln, auch weil unsere Kodiak mit einem zuverlässigen Triebwerk ausgestattet ist. Wir sind gerade dabei, den Betrieb der Kodiak nach Helgoland mit der Landesluftfahrbehörde Schleswig-Holstein zu zertifizieren. Wenn der Prozess abgeschlossen ist, können und wollen wir Helgoland aufnehmen.

Sylt Air bietet die Route Hamburg-Sylt ebenfalls an. Wie wollen Sie gegen Ihre Konkurrenz bestehen - bieten Sie Snacks und Getränke?
Nein, wir fliegen ohne Flugbegleiter. Wir sind so klein bei uns gibt es nur den Piloten. Der bei uns aber eine größere Rolle einnimmt. Wir können uns vorstellen, dass er, je nach Workload den Gästen während des Flugs was über die Strecke erzählt. Dafür wollen wir perspektivisch Kopfhörer anschaffen.

Von Privateways zu Yourways

Das Unternehmen firmierte bei der Gründung 2016 unter Privateways als Business-Carrier. Später kam Yourways als Marke für Linienflugverbindungen hinzu. Im April 2018 ließen die beiden Gründer die Firmierung ändern und machten Yourways zur Dachmarke. Auch das AOC wurde auf Yourways übertragen. Privateways ist seitdem eine Marke der Yourways mit Konzentration auf den Business- und Charter-Verkehr. Die Flotte besteht aus drei Business-Jets.

Das klingt schon nach einer anderen Größenordnung als bei einem Linienflug mit einem großen Carrier - inwieweit unterscheiden Sie sich denn noch von Airlines mit vielen Umläufen pro Tag?
Nehmen wir einfach mal die Strecke Hamburg-Sylt. Die ist einfach komplett anders als Hamburg-Mallorca. Wir starten an allen Flughäfen nicht am Terminal, sondern am General Aviation Terminal (GAT). Das hat natürlich auch den Vorteil der kurzen Wege. In Sylt beispielsweise kann man vor dem GAT sein Auto parken. Aber auch im GAT sind alle Wege kurz, sei es durch die Sicherheit oder den Weg zum Flugzeug.

Flotte und Routen

Flotte Derzeit ist die Airline mit einem Flugzeug, einer Quest Kodiak unterwegs. Für den 9-Sitzer hat die Airline als erste in Europa, eine Easa-Zulassung erhalten. Im Sommer kommt noch eine Cessna Caravan hinzu.

Die Quest Kodiak der YourwaysFoto: © Yourways

Routen:
Sylt (Wilhelmshaven, Hamburg (ab Ende Juni), Bremen (ab Juli); Wilhelmshaven (Juist, Norderney, St. Peter-Ording, Sylt)

Das sind die Vorteile einer kleinen Airline …
Wir wollen und fokussiert wachsen. Von Anfang war klar, dass wir nicht über Hochglanzpapiere Kapital einsammeln und dann gucken, ob unser Plan funktioniert. Wir wollten was zum Anfassen machen. Also haben wir alles eigenfinanziert. Wir wollten zeigen, dass wird es hinkriegen. Nun sind wir auf der Suche nach Investoren. Und ich bin von diesem Weg überzeugt.

Dennoch sprachen Sie eben das Wachstum an - wie kann das gelingen?
Wir wollen organisch wachsen und perspektivisch zurück in die größere Fliegerei. Als erstes bauen wir die diversen Vertriebskanäle auf. Aktuell bemühen wir uns um GDS und OTA-Anschlüsse. Agentur-Partnerschaften bieten wie bereits an. Für Codeshare-Partnerschaften sind wir allerdings noch zu klein. Wir sind ein Start-Up und nicht vergleichbar mit einer Eurowings. Dennoch suchen wir heute schon Partner, die Interesse haben mit uns zusammen zu arbeiten. Wenn andere Airlines Interesse haben, ihre Gäste mit uns weiter nach Sylt fliegen zu lassen, finden wir das super. Wir freuen uns wirklich über jeden Partner!

Gibt es schon konkrete Partnerschaften?
Es gibt eine Kooperation, an der wir arbeiten, die ich aber noch nicht bekannt geben kann. Generell geht der Trend ja eh in die Richtung, dass die Leute sich ihre Flüge zusammenshoppen. Sollte das jemand für Hamburg buchen, werden wir den Passagier vom Terminal zum GAT bringen. Wir kümmern uns um unsere Umsteiger.

Herr Götze, vielen Dank für das Gespräch.

© Flughafen Sylt, Lesen Sie auch: "Nach Air Berlin befindet sich Sylt gerade im Wiederaufbau" Interview mit Sylt-Geschäftsführer Peter Douven

Von: br
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