Interview

"Wir rechnen in Düsseldorf 2019 mit über 25 Millionen Passagieren"

18.01.2019 - 07:04 0 Kommentare

Düsseldorf-Chef Schnalke skizziert im Interview, wie die NRW-Flughäfen in Zukunft zusammenarbeiten können. Er spricht über die Lücke, die Air Berlin hinterlassen hat - und gibt eine Prognose für das laufende Jahr ab.

Thomas Schnalke:

Thomas Schnalke: "Die Unterscheidung nach Low-Cost oder nicht ist Nineties und damit aus der Zeit gefallen." © Flughafen Düsseldorf

Der Flughafen Düsseldorf hatte im vergangenen Jahr weniger unter langen Schlangen an den Passagierkontrollen zu leiden als viele andere deutsche Airports. Horrende Wartezeiten gab es am NRW-Flughafen bereits 2017 - seit dem habe sich viel getan, sagt Airportchef Thomas Schnalke im Gespräch mit unserer Redaktion. Dafür war 2018 vom Wegfall des ehemaligen Homecarriers Air Berlin geprägt. Aber auch dieses Minus habe man in den vergangenen zwölf Monaten ausgebügelt und blicke nun wieder Richtung Wachstum.

airliners.de: Herr Schnalke, wie sehr beunruhigt Sie die finanzielle Situation der Germania?
Thomas Schnalke: Die Germania hat im vergangenen Jahr in Düsseldorf eine tolle Entwicklung genommen. Die Informationen, die seit einiger Zeit im Umlauf sind, klingen zwar erst einmal nicht so gut. Gleichzeitig höre ich aber, dass die Gespräche mit Investoren offenbar positiv zu verlaufen scheinen. Wir sind daher hoffnungsvoll, dass Karsten Balke die Situation zusammen mit seinem Team lösen kann.

Womit wir dann auch bei 2018 wären und der Frage, wie das Jahr in Düseldorf lief. Das war ein völlig außergewöhnliches Jahr. Nicht viele Unternehmen beginnen ihr Geschäftsjahr damit, dass ihnen erst einmal ein Drittel des Geschäfts weggebrochen ist. Und noch weniger Unternehmen können nach zwölf Monaten melden, dass sie diese Delle überwunden haben. Das verkünde ich mit Freude. Das Angebot ist wieder hergestellt und das Niveau von vor der Air-Berlin-Pleite ist wieder erreicht. Das ist auch bei der Summe der Langstreckenverbindungen der Fall. Hinzu kommt, dass im kontinentalen Verkehr alles wieder da ist, was wir 2017 verloren haben. Unterm Strich freuen wir uns sehr über 24,3 Millionen Passagiere - gerade einmal 300.000 weniger als 2017. Und für dieses Jahr rechnen wir mit mehr als 25 Millionen Fluggästen.

Zum Interviewpartner

Thomas Schnalke leitet seit 2016 zusammen mit Michael Hanné und Martin Kirchner-Anzinger den Flughafen Düsseldorf. Daneben ist er stellvertretender Präsident des Airportverbands ADV. Seit 2001 ist der gelernte Diplom-Kaufmann beim Airport im oberen Management tätig.

Hinzu kommt, dass sich Düsseldorf nach Air Berlin zu einem Flughafen mit einem hohen Low-Cost-Anteil verändert hat ...
Nur was ist Low-Cost? Inzwischen muss man beinahe den gesamten Europaverkehr als Low-Cost bezeichnen. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren massiv gewandelt. Das hat nichts mit dem Aus der Air Berlin zu tun. Die Airlines unterscheiden sich nur noch marginal voneinander. Meiner Meinung nach sollten wir keine künstliche Unterscheidung mehr machen, die zudem noch überholt ist. Alle Airlines fliegen und bieten ihr Produkt möglichst günstig an - das unterscheidet sich meist nur noch an der Frage, ob sie interkontinental fliegen oder nicht. Die Unterscheidung nach Low-Cost oder nicht ist Nineties und damit aus der Zeit gefallen.

Das ist sehr aus der Passagiersicht gedacht ...
Der Passagier steht doch nun mal im Mittelpunkt. Nicht unerheblich ist da auch die Frage, wie ich zu dem Flughafen komme. Hier wollen wir in Zukunft mit einem deutlich ausgeweiteten Regionalbahn-Angebot sowie mit einer U-Bahnanbindung punkten.

... auf die Sie noch warten ... Und Sie warten nach wie vor auf die Kapazitätserweiterung - sprich 60 statt 47 Flugbewegungen pro Stunde. Vor einem Jahr sagten Sie, die Freigabe käme bald - nun sind wir ein Jahr weiter und stellen fest, dass Ihre Definition von "bald" sehr dehnbar ist. Wann kommt die Erweiterung?
Der Antrag wird im NRW-Verkehrsministerium nach Recht und Gesetz bearbeitet. Wir sind im engen Dialog zu nachgefragten Details. Natürlich hoffen wir auf eine zeitnahe und positive Entscheidung. Wann das sein wird, müssen wir alle miteinander abwarten.

Und auch im "Dellenjahr" 2018 hätten Sie die Erweiterung gebraucht?
Natürlich. Bei der Slotkoordination zeigt sich jedes Jahr aus Neue, dass wir mehr Kapazitäten brauchen, um die Nachfrage der Airlines hier am Standort bedienen zu können. Auch trotz der freigewordenen Air-Berlin-Slots wurde von den Airlines mehr Start- und Landefenster nachgefragt als wir anbieten konnten.

Und die Infrastruktur des Flughafens würde auch mehr Slots verkraften?
Definitiv. Die Vorfelder, Wartungshallen, die Verkehrswege und auch das Terminal sind für deutlich mehr Verkehr ausgelegt. Im Falle einer neuen Betriebsgenehmigung müssten wir lediglich acht Abstellpositionen für Nightstopper einrichten.

Damit sind wir beim Blick in die Zukunft und auch der Frage, ob Düsseldorf nicht auch über eine Zusammenarbeit mit Dortmund oder Weeze wachsen könnte, indem man die Verkehre aufteilt?
Luftverkehr lässt sich nicht lenken. Das wissen alle, die in unserer Branche arbeiten. Es hängt immer davon ab, wo die Airlines für sich ihr größtes Erfolgspotenzial sehen. Und das hängt nun mal vor allem am Catchment und der geografischen Lage. In diesem Punkt sind wir offensichtlich in einer privilegierten Situation, die sich in der beschriebenen Nachfrage der Airlines ausdrückt. Nichtsdestotrotz brauchen wir in NRW ein gemeinsames Auftreten aller sechs Flughäfen - beispielsweise gegenüber der Öffentlichkeit und der Politik.

Inwiefern?
Wir repräsentieren zusammen 42 Millionen Passagiere; fast so viele wie München. Aber unser politisches Gewicht - etwa in Berlin - ist deutlich kleiner. Da haben wir ganz erheblichen Nachholbedarf. Gleichzeitig denke ich, dass wir auch bei Innovationen, etwa in den Bereichen Mobilität und Digitalisierung, die Möglichkeit haben, zusammenzurücken, indem wir Produkte gemeinsam entwickeln. Die Airports sind unterschiedlich groß und haben dadurch auch einen unterschiedlichen Ressourcenbedarf. Da ist es flexibler und einfacher, enger zusammen zu arbeiten.

Herr Schnalke, vielen Dank für das Gespräch.

Von: cs
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