Interview

"Wir investieren 50 Millionen in mehr Pünktlichkeit"

25.02.2019 - 14:00 0 Kommentare

Eurowings-Stationsleiter Florian Egner spricht im airliners.de-Interview darüber, mit welchen Maßnahmen die Airline für stabile Operations sorgen will, damit sich eine Situation wie 2018 nicht wiederholt.

Flugzeuge der Eurowings am Airport Düsseldorf. - © © Eurowings -

Flugzeuge der Eurowings am Airport Düsseldorf. © Eurowings

Eurowings will verhindern, dass die Operations-Probleme aus dem vergangenen Sommer auch in diesem Jahr wieder auftreten. Daher hat die Lufthansa-Tochter eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um einen pünktlichen und stabilen Flugbetrieb gewährleisten zu können. Im airliners.de-Interview erläutert Florian Egner, Base Manager an Eurowings wichtigstem Standort Düsseldorf, welche Anpassungen jetzt schon greifen, was genau für den Sommer geplant ist und warum es dennoch auch 2019 zu Engpässen kommen könnte.

airliners.de: Herr Egner, der Flugverkehr ist in die aufkommensschwachen Wintermonate abgetaucht - Zeit um Prozesse zu entwerfen, damit sich im Sommer das Chaos aus dem vergangenen Jahr nicht wiederholt. Wie will Eurowings das erreichen?
Florian Enger: Wir sind definitiv nicht im Winterschlaf oder laufen hier auf Sparflamme. Unser Angebot hier in Düsseldorf ist nach wie vor groß. Wir haben im aktuellen Winterflugplan sogar Spitzentage mit bis zu 138 Abflügen. Das übertrifft manchmal sogar den durchschnittlichen Sommertag mit 130 Abflügen aus DUS. Insgesamt führt Eurowings jeden Tag über 700 Flüge durch. Wir sind mit der Produktion hier in Düsseldorf im Winter also nicht runtergefahren, sondern haben so viele Flüge, wie wir von Köln und Hamburg aus zusammen anbieten. Gleichzeitig machen wir uns fit für den Sommer – wir unternehmen derzeit alle Anstrengungen, um unseren Kunden einen pünktlichen und stabilen Flugbetrieb zu gewährleisten. Nur so können wir unser Qualitätsversprechen einhalten und damit die Kundenzufriedenheit deutlich steigern.

Allerdings hat es im Sommer 2018 auch in Düsseldorf bei Eurowings gehakt - wie an jedem Standort. Die Frage bleibt: Wie wird die Operations zuverlässiger?
Ganz eindeutig: Wir selbst konnten mit dem Sommer 2018 nicht zufrieden sein. Unser klarer Anspruch ist es, unsere Gäste sicher, pünktlich und zuverlässig zu fliegen. Aus diesem Grund haben wir unser Programm "Scope" aufgelegt, das alle operativen Prozesse am Boden und in der Luft unter die Lupe nimmt. Dabei haben wir ein umfangreiches Maßnahmenpaket erarbeitet und schon in Teilen umgesetzt. Schwerpunkte sind Planung, Wartung, Verbesserungen im Flugbetrieb und der Umgang mit Unregelmäßigkeiten. Die Arbeit im Team ist dabei dynamisch und vor allem schnell: Wir entwickeln laufend neue Ideen und stellen sie wöchentlich der Geschäftsführung vor. Diese entscheidet dann sofort, bei welcher Maßnahme sie einen Vorteil sieht oder welche Idee vielleicht auch einfach nicht zur Marke Eurowings passt. Anschließend setzen wir das Neue direkt um. Wir entwickeln "Scope" also laufend weiter.

© Lufthansa Group, Lesen Sie auch: Eurowings kämpft mit "Scope" gegen Verspätungen

Natürlich wissen wir, dass viele Engpässe weiter bleiben werden und wir als Airline nur bei etwa einem Drittel der Themen selbst direkten Einfluss nehmen können: Aber unsere Passagiere erwarten mit Recht von uns, dass wir alles tun, um unsere Performance auszubauen und auch im Sommerflugplan zu den Besten der Branche zu gehören. Die ersten Ergebnisse von "Scope" sind ermutigend: Wir haben im Winter trotz schwieriger Wetterbedingungen und Streiks eine Pünktlichkeit von mehr als 80 Prozent und eine Zuverlässigkeit von über 99 Prozent. Mit anderen Worten: Damit gehören wir wieder zu den pünktlichsten Airlines in Europa.

Mal konkret gefragt: Wo setzen Sie dabei genau an?
Ein Beispiel: Wir sorgen dafür, dass wir mehr Puffer in den Flugplan reinbekommen. In Düsseldorf beispielsweise lassen wir künftig mehr Abstand zum Ende der Betriebszeit des Flughafens um 23 Uhr und planen die letzte Landung auf 22.15 Uhr - die letzte Dreiviertelstunde ist nur noch da, eventuelle Verspätungen auszugleichen. Andersherum arbeiten wir verstärkt daran, dass unsere Flugzeuge morgens auch pünktlich rausgehen. Denn nur wenn die erste Welle gut läuft, läuft der ganze Tag gut. Da gibt es wirklich eine Korrelation. Das kostet uns zwar alles Kraft und oft auch viel Geld, aber unser Flugbetrieb wird so deutlich stabiler. Für DUS ganz wichtig: Die Umsteigeprozesse von Passagieren der Langstrecke auf die Kurzstrecke oder umgekehrt – das schauen wir uns ebenfalls genau an.

Zum Interviewpartner

Foto: © Eurowings

Florian Egner ist seit November 2017 Stationsleiter von Eurowings in Düsseldorf. Er ist für die sichere und pünktliche Abfertigung der Eurowings- Flüge verantwortlich. Dazu gehört beispielsweise das Management von teilweise bis zu 15 Dienstleistern und Parteien, die bei einem einzelnen Flug involviert sind.

Gleichzeitig wollen wir auch bei der Kommunikation besser werden: Wie erreichen wir bestimmte Passagiergruppen schneller im Falle Verspätungen? Wie automatisieren wir das Umbuchen bei Flugstreichungen? Wo richten wir dezidierte Touch Points ein? Mit solchen Fragen beschäftigen wir uns intensiv und spielen alle Szenarien durch. Dabei ist es von Vorteil, dass alle Kompetenzen und Fachbereiche im "Scope"-Team vertreten sind. Und im Gegensatz zu anderen Programmen hat "Scope" bewusst ein definiertes Ende: Der Beginn des Sommerflugplans – das spornt uns nochmals an.

Im Sommer wurden auch immer die langen Schlangen an den Kontrollstrecken als Ursache für Delays der Airlines ausgemacht - warum?
Das Thema Security hat sich in Düsseldorf zum Glück entspannt – dank der intensiven Zusammenarbeit aller Beteiligten. Aber es gibt zahlreiche andere Herausforderungen: Wenn beispielsweise ein Passagier nicht kommt, müssen wir sein Gepäck wieder ausladen. Denn es darf aus Sicherheitsgründen nicht unbegleitet reisen. Die Verspätung, die entsteht, wenn wir kurz vor Abflug noch mal im Bauch der Maschine rumhantieren, geht aber auf uns. Dieses ungeplante Ereignis belastet natürlich unsere Planung sowie die Planung unseres Handling – Partners. In der Regel wird eine Ausladung relativ zeitnah zum OFF – Block – Ereignis angestoßen, wenn der Gast nicht da ist. Wir haben den Prozess inzwischen sehr genau analysiert und entschlackt, um dem jeweiligen Gate-Agenten bestmögliche Handlungsoptionen zu geben; vielleicht geht es ja um einen Passagier, der nur Handgepäck hat und wir vermeiden eine zeitintensive Ausladung. Deshalb nutzen wir ganz bewusst das Fingerspitzengefühl und die Erfahrung der Mitarbeiter, die direkt vor Ort sind.

Ihr Chef, Carsten Spohr, fordert gar eine Wachstumsbremse am Himmel, sodass die Infrastruktur an den Flughäfen sich angleichen kann. Ist das für Düsseldorf auch sinnvoll?
Die wichtigste Schlussfolgerung nach dem Sommer 2018 ist – und das gilt für Düsseldorf sicherlich genauso wie für andere Standorte: Wir müssen Stabilität und Produktivität in eine neue Balance bringen. Wenn zum Beispiel absehbar ist, dass Europas Flugsicherungen auch 2019 nicht in der Lage sein werden, den wachsenden Verkehr flüssig zu kontrollieren, bleibt uns nichts anderes übrig als unsere Prozesse anzupassen und zu entzerren – und genau das haben wir in DUS getan. Wir brauchen weiterhin Wachstum, um Anschluss zu halten und Kundenerwartungen zu erfüllen. Aber dieses Wachstum darf nicht zu Lasten der Qualität gehen. Auch das ist ein klares Learning aus 2018. Wir sprechen derzeit in vielen zuständigen Gremien über die angemessene Dimensionierung unseres Luftverkehrssystems. Qualitatives Wachstum muss künftig der Dreh- und Angelpunkt dieses Systems sein. Deshalb werden wir 2019 insgesamt 50 Millionen Euro in einen bestmöglich laufenden Flugbetrieb investieren – soviel wie nie zuvor.

Klingt nicht so, als wenn Sie ein Fan der vom Flughafen anvisierten Kapazitätserweiterung wären?
Es muss alles schrittweise wachsen. Was bringen mehr Slots, wenn man keine Abfertiger hat und die Passagiere eine Stunde auf ihr Gepäck warten? Wir haben schon jetzt im Sommer häufig Verspätung, weil es so voll ist und die Maschinen auf Außenpositionen parken müssen, die Busse aber nicht rechtzeitig da sind. Erst muss die Qualität da sein, dann das Wachstum. Aber genau zu diesen Themen setzen wir uns mit allen Partnern hier in Düsseldorf an einen Tisch und überlegen, was wir ändern können, um das System zu entlasten. Da bin ich sehr zuversichtlich, dass wir da gemeinsam noch viel erreichen können.

Und Sie sind auch überzeugt, dass an dem Tisch Lösungen entstehen?
Oh ja. Das zeigt unter anderem das Beispiel Abfertigung von USA-Langstrecken. Da gibt es bei den Sicherheitskontrollen ganz besondere Anforderungen. Nicht ohne Grund hat Air Berlin im Sommer 2017 zuerst diese eingestellt. Denn kurz danach kamen neue Sicherheitsbestimmungen, die vorsahen, dass beispielsweise Passagiere vor- und nachkontrolliert werden, dass jede Maschinen vor jedem Abflug intensiv überprüft und durchsucht werden muss - beispielsweise werden alle Sitzpolster kontrolliert, Toiletten und Stauräume. Auch der Passagier durchläuft spezielle sicherheitsrelevante Prozesse abweichend von einem innerdeutschen Flug. Dafür braucht es spezielle Verträge mit den Dienstleistern, und das macht die USA-Abfertigung im Regelbetrieb sehr zeit- und kostenintensiv. Darauf haben Flughafen, Airlines und Behörde gemeinsam reagiert: So werden alle USA-Flüge ab März in einer eigenen zweistöckigen Prozessfläche im Flugsteig A abgefertigt. So wird die vorhandene Infrastruktur des Flughafens optimal genutzt.

Eine Überlegung mit dem Flughafen ist dann auch, dass man innerdeutsche Strecken vom sonstigen Verkehr abkapselt?
Das ist eine Idee, die wir auf Grundlage unserer Arbeit zur Verbesserung der Pünktlichkeit entwickelt haben. Die Flugsicherung prognostiziert, dass die Steuerung des europäischen Luftverkehrs im Sommer 2019 noch angespannter sein wird wie im Vorjahr. Durch zum Beispiel Streiks der Fluglotsen in Südeuropa oder durch Unwetter verschieben sich ATC-Slots, die unsere Planung kaputt machen und uns Verspätungen einbringen. Um deshalb Negativeffekte für unsere vielbeflogenen innerdeutschen Strecken zu vermeiden, entkoppeln wir diese mit einer eigenen Flotte vom Europaverkehr. So schützen wir unsere sogenannten "Heavy Trunks" - ab Düsseldorf sind das beispielsweise die Flüge nach Berlin und Hamburg.

Sprich Sie können garantieren, dass die Situation innerdeutsch im Sommer besser wird, aber innereuropäisch nicht?
So würde ich es pauschal nicht sagen, denn wir wissen ja bereits heute, dass wir auch im Sommer 2019 insgesamt mit Engpässen am Himmel rechnen müssen. Aber der Kunde erwartet natürlich zu Recht, dass wir ihn sicher, zuverlässig und pünktlich fliegen. Dafür setzen wir alle Hebel in Bewegung. Das heißt aber auch, dass ebenso alle beteiligten Partner ihre Hausaufgaben erledigen müssen – im Sinne aller Kunden.

Herr Egner, vielen Dank für das Gespräch.

Von: airliners.de
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Ryanair feiert die Eröffnung neuer Strecken ab Berlin-Schönefeld. Berlin ist Minusgeschäft für Ryanair

    Berlin wächst mit Billigflug-Angeboten. Genau wie Easyjet muss auch Ryanair dabei draufzahlen. Im Konkurrenzkampf mit der Lufthansa-Group geht es in der Hauptstadt um Slots und Marktanteile.

    Vom 22.05.2019
  • Flugzeug der Lufthansa-Tochter Eurowings stehen auf dem Flughafen Düsseldorf. Eurowings bereitet sich auf A321-Einflottung vor

    Eurowings betreibt demnächst erstmals Flugzeuge vom Typ Airbus A321. Die ehemaligen Air-Berlin-Maschinen gehören Konzern-Mutter Lufthansa und waren vorher im Wet-Lease von Ryanair-Tochter Lauda unterwegs.

    Vom 24.04.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus