Winkelmann: Air Berlin "litt" unter vielen AOCs

19.11.2018 - 09:54 0 Kommentare

Sechs AOCs habe Air Berlin zwischenzeitlich betrieben, berichtet der scheidende Chef Winkelmann und konstatiert: Das entfachte jahrelange Konflikte bei unterschiedlichen Arbeitsverträgen.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. - © © dpa - Paul Zinken

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. © dpa /Paul Zinken

Vielen AOCs haben die inzwischen vom Markt verschwundene Air Berlin am Ende zusätzlich belastet. Dies sagte der scheidende Airline-Chef Thomas Winkelmann laut "Flightglobal" jüngst vor Analysten. "Ich bin kein großer Fan von zu vielen AOCs in einem Unternehmen", sagt er und verweist auf "jahrelangen Konflikt" bei unterschiedlichen Arbeitsverträgen.

So habe Air Berlin zwischenzeitlich mit sechs AOCs operiert, erklärt der Manager und geht nicht weiter ins Detail. Allerdings: "Wenn ich weiß, dass Sie zehn Prozent mehr verdienen als ich, beginnt sofort der Konkurrenzkampf", so der Manager. Einige Arbeitsverträge seien "sehr wettbewerbsfähig, andere nicht". Unter solchen Bedingungen stehe man als Unternehmen "Jahre und Jahre in Arbeitsverhandlungen". Darunter habe Air Berlin "gelitten".

"Perfekter Fall für Chapter 11"

Beobachter verweisen darauf, dass auch die Lufthansa-Billigtochter Eurowings mit mehreren AOCS operiert. Nach wie vor gibt es in der Eurowings Group unterschiedliche Tarifbedingungen:

Quelle: Gewerkschaftsangaben, Darstellung: airliners.de

Die Gründe für die Insolvenz im August vergangenen Jahres seien seiner Meinung nach vielfältig gewesen: "Es gab eine Kombination aus zu hohen Kosten, nicht vorhandenen IT-Systemen, die nicht wussten, wie das Revenue Management durchgeführt wird, und Aktionären, die ihre Strategien änderten." Hinzu kam ein milliardenhoher Schuldenberg, für den fortlaufend Zinszahlungen anfielen - "das ist nicht nachhaltig".

All diese Aspekte hätten im regulatorischen Umfeld Europas zur Insolvenz von Air Berlin geführt. Er verweist darauf, dass der Fall der Airline "der perfekte" für "Chapter 11" gewesen wäre. Darunter wird in den USA eine Restrukturierung durch Umschuldung zusammengefasst.

Gründe für die Insolvenz vielfältig

Winkelmann kam im Februar 2017 zu Air Berlin - gut ein halbes Jahr vor der Insolvenzanmeldung im August. "Warum bin ich dorthin gegangen? Weil der Mehrheitsaktionär (Etihad) einen Plan hatte: Das Unternehmen zu verkaufen."

Denn für Etihad erwies sich Air Berlin als sprichwörtliches Fass ohne Boden. 2011 stiegen die Araber beim Berliner Carrier ein - sie erhofften sich mehr Zubringerflüge, um ihr Drehkreuz in Abu Dhabi anzustoßen. Doch dieser Plan, für den Etihad-Chef James Hogan eine Allianz mehrerer Airlines (unter anderem auch Alitalia) schmiedete, scheiterte. Etihad stellte im Sommer vergangenen Jahres die Zahlungen an Air Berlin ein.

"Ich kann das verkaufen"

Winkelmann sieht bei seinem Anfang die starke Position von Air Berlin in Berlin-Tegel und Düsseldorf und ist sich sicher: "Ich kann das verkaufen." Dies sollte "bestenfalls zwei bis drei Jahre dauern".

Schon bevor Winkelmann Chef bei Air Berlin wurde, plante diese die Restrukturierung: Zum einen war da ein Wet-Lease-Geschäft mit 38 A320-Jets für Lufthansa, zum anderen sollten alle touristischen Aktivitäten bei der Tochter Niki gebündelt. Der österreichische Carrier sollte unter der Regie Etihads in ein Joint-Venture mit Tuifly eingebracht werden.

Der Niki/Tuifly-Plan scheiterte im Frühjahr 2017. Winkelmann konstatiert heute: Die finanzielle Lage des Unternehmens habe sich "in einem bisher nicht gekannten Tempo verschlechtert".

Vertrag vorzeitig aufgelöst

Winkelmann verlässt Ende des Jahres Air Berlin. Im September lösten Winkelmann und Insolvenzverwalter Lucas Flöther in beidseitigem Einvernehmen den Vertrag zum 31. Dezember auf. Ein Ersatz ist nicht nötig. Die Entscheidungsgewalt liegt seit der Insolvenz rechtlich gesehen komplett bei Verwalter Flöther.

Nun könne er sich ab kommendem Jahr neuen beruflichen Aufgaben widmen, erklärte Noch-Airline-Chef Winkelmann. Unter anderem sitzt er im Aufsichtsrat der US-Airline Westjet und im Berat der Berliner Logistikgruppe Zeitfracht. Laut Kontrakt hätte Winkelmann bis 2021 im Amt bleiben sollen.

Von: cs
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