Wien will Plätze bei Austrian für Niki-Passagiere chartern

14.12.2017 - 09:29 0 Kommentare

Niki geht pleite und stellt den Betrieb sofort ein, rund 5000 Passagiere sind nach Regierungsangaben "gestrandet". Diese können nun auf eine Rückholaktion hoffen. Indes wird Lucas Flöther zum Insolvenzverwalter bestellt.

Niki-Flüge sind gecancelt: Rund 10.000 Passagiere gestrandet. - © © dpa - Paul Zinken

Niki-Flüge sind gecancelt: Rund 10.000 Passagiere gestrandet. © dpa /Paul Zinken

Nach der Insolvenz der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki sieht der dortige Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) auch Lufthansa-Tochter Austrian Airlines in der Pflicht. Im "Ö1-Frühjournal" kündigte er an, dass sich Wien um die rund 5000 gestrandeten Fluggäste, die von der Pleite des Ferienfliegers betroffen sein, kümmern werde.

"Hier müssen wir auch mit der Aua über Möglichkeiten sprechen", so Leichtfried. Aus dem Regierungsumfeld erfuhr airliners.de, dass sich die österreichische Regierung vorstellen könne, dass zu dem Zweck Kapazitäten bei Austrian gechartert werden könnten.

Offiziell heißt es nur: "Mehrere Fluggesellschaften" bereiteten derzeit einen Ersatz-Flugplan "auf Stand-By-Basis gegen ein geringes Entgelt aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz" vor, teilte Niki mit. Medienberichten zufolge sind rund 800.000 bereits verkaufte Tickets nun wertlos.

Hilfe von anderen Airlines

Im Ausland gestrandete Niki-Passagiere erhalten Unterstützung von verschiedenen Airlines. Beispielsweise Condor und Tuifly haben extra Flüge angekündigt. Auch Eurowings, Germania und Co. bieten betroffen Passagieren 50 Prozent Rabatt, wenn die Flüge zwischen dem 14. und 31. Dezember liegen. Kunden sollen die Tickets zum Normalpreis buchen und anschließend inklusive ihrer Niki-Buchungsbestätigung einreichen. Pauschalreisende werden gebeten sich an ihren Reiseveranstalter zu wenden. (br)

Indes übt der Generalbevollmächtigte von Air Berlin, Frank Kebekus, scharfe Kritik an der EU-Kommission. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte er: "Die Position der Europäischen Kommission ist nicht nachvollziehbar." Er warf der Kommission vor, sie erreiche mit dem "unkontrollierten Zusammenbruch" der Airline "das genaue Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt".

Vollständige Kredit-Rückzahlung "unwahrscheinlich"

Aktuell sei er in Gesprächen mit potenziellen Käufern, doch sowohl IAG als auch Thomas Cook hätten bislang keine "tragfähigen Übernahmekonzepte vorgelegt". Schon in der vergangenen Woche warnte Kebekus in einem Interview vor einem Scheitern der Übernahme von Niki durch die Lufthansa: "Den Konkurs-Antrag für Niki habe ich schon vorbereitet, er liegt auf der Fensterbank."

Kebekus betonte, dass eine vollständige Rückzahlung des KfW-Kredits in Höhe von 150 Millionen Euro "unwahrscheinlicher geworden" sei. Ähnlich äußerte sich am Mittwochabend die Bundesregierung.

Niki stellte am Mittwochabend einen Insolvenzantrag, nachdem Lufthansa erklärt hatte, die Übernahme der Air-Berlin-Tochter werde wohl nicht in Phase eins von der EU-Kommission genehmigt werden. Zur Stunde beraten nach airliners.de-Informationen Betriebsräte von Niki mit Vertretern der Gewerkschaft GPA in Wien. Bei Niki stehen nun rund 1000 Mitarbeiter vor dem Jobverlust.

© AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Niki meldet Insolvenz an

Der vom Gericht auch als Insolvenzverwalter der Niki bestellte Rechtsanwalt Lucas Flöther kündigte an, er versuche, den Geschäftsbetrieb von Niki "durch einen Schnellverkauf doch noch zu retten" - einen sogenannten Fire Sale. "Ich werde umgehend Gespräche mit infrage kommenden Investoren aufnehmen, um einen möglichst großen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten."

Ein Verkauf würde nun laut Flöther nicht mehr über die "Veräußerung der 'NIKI Luftfahrt GmbH' (Share Deal) vollzogen, sondern über den Verkauf des Geschäftsbetriebs beziehungsweise von Teilen des Geschäftsbetriebs (Asset Deal)". Dies habe laut Flöther für einen potenziellen Käufer einen klaren Vorteil, da dieser weniger Risiken tragen müsse.

Kapazitäten ab Österreich
Angaben in Prozent
Austrian Airlines 42.2
Eurowings 11.4
Easyjet 5.5
Lufthansa 4.9
British Airways 2.9
Transavia 2.8
Niki 2.5
Turkish Airlines 2.0
Weitere Airlines 25.8

Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten auf Flügen ab österreichischen Airpots im laufenden Winterflugplan bis Ende März inklusive der insolventen Niki. "Weitere Airlines" sind jene mit weniger als zwei Prozent Anteilen. Angaben gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand: 14. Dezember 2017

Von: cs
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