Wie Lufthansa die "Königin der Lüfte" in Tegel abfertigt

15.11.2017 - 08:02 0 Kommentare

Eine Boeing 747-400 ist eigentlich eine Maschine, die in Berlin-Tegel nichts zu suchen hat. Zu groß ist die "Queen of the Skies". Dennoch fliegt Lufthansa nach dem Aus von Air Berlin mit dem Jumbo zwischen Berlin und Frankfurt.

Boeing 747 der Lufthansa am Berliner Airport Tegel. - © © dpa - Wolfgang Kumm

Boeing 747 der Lufthansa am Berliner Airport Tegel. © dpa /Wolfgang Kumm

Es ist schon ein seltsamer Anblick, die "Queen of the Skies", die "Königin der Lüfte" auf dem Weg zum Terminal C des Flughafen Berlin Tegel zu sehen. Eine der größten Maschinen der zivilen Luftfahrt steht leicht deplaziert vor dem Air-Berlin-Terminal. Zu groß wirkt die Boeing 747-400 für den billig zusammengebauten und ziemlich kleinen ehemaligen Air-Berlin-Wellblechterminal.

Und trotzdem muss das Flugzeug Passagiere von und nach Frankfurt am Main bringen, weil sonst nach dem Aus für Air Berlin mit ihren zahlreichen Europa- und Langstreckenverbindungen in Tegel die Kapazitäten auf dem kurzen Hüpfer zwischen Berlin und dem Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt am Main nicht reichen. Die 747 wird dabei in ihren Pausen zwischen Interkontinentalflügen auf den kurzen Abstecher nach Berlin geschickt.

Wie nötig das ist zeigte sich sehr schnell. Der Flieger war fast voll. Die Lufthansa selbst vermarktete den Flug der Boeing 747-400 auf der Webseite als Airbus A321. Aber über entsprechende Portale wird das korrekte Flugzeug genannt. Vielleicht will die Lufthansa nicht allzu viel Aufmerksamkeit anziehen. Auf jeden Fall wurde es spannend. Die Art und Weise des Handlings des gesamten Fluges aus Passagiersicht unterscheidete sich deutlich von den anderen typischen Pendel-Maschinen.

Im fast leeren Air-Berlin-Terminal ist Platz genug

Die erste Eigenart ist die Parkposition. Zwischen dem Terminal A und C steht die Maschine. Abgefertigt wird in Terminal C, dem ehemaligen Air-Berlin-Anbau. Das Gepäck muss aber im Terminal B abgegeben werden, dort wo normalerweise der Vorabend-Checkin abgewickelt wird. Nach der Gepäckabgabe müssen die Lufthansa-Fluggäste tatsächlich zum Terminal C laufen. Dort ist mittlerweile fast gar nichts mehr los.

Die Schalter in der Halle sind weitestgehend unbesetzt und die Sicherheitskontrolle im Terminal nur zur Hälfte. Ein seltsames Gefühl im Vergleich zu früher, als hier eigentlich immer Passagierstau war. Aber Air Berlin ist nicht mehr.

© dpa, Ralf Hirschberger Lesen Sie auch: Das sind die Air-Berlin-Lücken im Flugplan

Die Lufthansa hat das Gate C40 zugewiesen bekommen, vor dem sich eine beachtliche Traube sammelt. So groß, dass das benachbarte Air-Baltic-Gate ebenfalls mit Lufthansa-Fluggästen befüllt ist. Hier zeigt sich eindeutig: Tegel ist für diesen Flugzeugtyp nicht vorbereitet. Aber da das ehemalige Air-Berlin-Terminal ziemlich leer ist, reicht der Platz dennoch.

Das zeigt sich dann auch beim Boarding: Es ist kein Platz dafür, die Statusgruppen zu separieren. Also drängeln sich die Business-Class-Kunden durch die Economy-Massen, aber stressig wird es nicht. Es hat den Anschein, dass alle eher fasziniert von der Ausnahmesituation sind. Und der ein oder andere kann es kaum erwarten in Tegel eine Boeing 747-400 zu betreten.

Per Pedes zum Riesen

Und dann gibt es sogleich die nächste Eigenart. Das Boarding geschieht nicht über die Passagierbrücken sondern wir wandern zu Fuß zur Maschine. Ein beeindruckender Anblick der nicht nur Flugbegeisterte - nun - begeistert. Und so war die Anzahl der Passagiere, die die seltene Gelegenheit zu schätzen wusste, ziemlich hoch. Da wird das Smartphone gezückt und die Schönheit in der dunklen Nacht von Berlin abgelichtet. Nur ein paar Anzugträger konnten es nicht erwarten, die Maschine zu besteigen.

Auch das Boarding über die Treppe ist ungewöhnlich. Insbesondere bei diesem Maschinentyp. Wie bei solchen Situationen üblich wird vorne und hinten eine Treppe angeschoben. Um 17:45 ging das Boarding los mit einem geplanten Abflugzeitpunkt um 18:15. Sportlich und eigentlich nicht machbar. Dieser Verdacht bestätigte sich dann auch, denn erst um 18:30 konnten die Türen geschlossen werden.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Lufthansa kann Nachfrage nicht abdecken

Trotzdem: das Ergebnis ist beeindruckend. Unter den widrigen Bedingungen eine derart große Maschine so schnell zu befüllen ist eine gute Leistung. Jahreslanges Training gab es nämlich nicht. Lufthansa schummelt aber auch ein bisschen. Das Oberdeck wird nicht mit Fluggästen befüllt. Zudem kommt die 747 bereits für den Rückflug betankt aus Frankfurt nach Berlin.

Stress für die Flugbegleiter

In der Kabine stellt sich dann schnell Hektik ein. Die Kabinenchefin schafft es mit Mühe einen vorne sitzenden Fluggast mit hohem Status zu begrüßen und erwähnt nebenbei, dass es durchaus möglich ist, dass noch im Dezember die 747 zwischen Berlin und Frankfurt fliegt. Aber auch die Einmaligkeit dieses Fluges wird hervorgehoben. Das Catering ist dann eine sportliche Meisterleistung, denn der Flug ist äußerst kurz. Abgehoben wird in Richtung Westen und gelandet wird ebenfalls mit Flugrichtung Westen. Das Kabinenpersonal wäre sicherlich froh über eine Kurve mehr gewesen, doch dieses Mal ging es ohne Umweg nach Frankfurt.

Die Landung zeigte sich dann auch von seiner besonders schnellen Seite. Gelandet wurde nämlich auf dem 4.000 Meter langem Runway 25C - und zwar fünf Minuten zu früh. Normalerweise landen die Maschinen aus Berlin auf der neuen, nur 2.800 Meter kurzen Landebahn 25R, was in Landerichtung West sehr langes Taxiing bedeutet. Nicht so die 747, die auch noch überraschend schnell zu stehen kommt.

Ein bisschen Rumrollen war zwar trotzdem notwendig, denn die Maschine musste zu den Passagierbrücken im C-Bereich des Terminal 1. Doch die Passagierbrücken wurden nicht genutzt. Stattdessen wurden auch hier Treppen bereitgestellt und es ging fix zum Terminal A mit dem Bus. Eine gute Entscheidung, denn die meisten Fluggäste werden dort ihren Anschlussflug haben und wollen nicht durch das halbe Terminal rennen.

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Auf jeden Fall war dieser Flug schon ein interessantes Erlebnis und zeigt, wie flexibel Fluggesellschaften und Flughäfen sein können, wenn sie denn nur wollen. Und es zeigt auch, dass Tegel ab und an auch eine große Maschine verkraften kann. Neben der 747 der Lufthansa landet dort aktuell auch regelmäßig die ebenfalls sehr große 777-300 von Qatar Airways. Auch diese wird auf einer Außenposition mit Fahrgästen beladen. Allerdings über das überforderte Terminal B. Das mag allerdings auch den Grenzkontrollen geschuldet sein. Von dort werden die Fluggäste mit Bussen auf die Westseite des Flughafens gebracht. Manchmal steht die Qatar 777 aber auch vor dem Air-Berlin-Terminal.

Von: as
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