Die Born-Ansage (70) ( Gastautor werden )

Wie vor 224 Jahren

12.10.2017 - 09:19 0 Kommentare

Das Aus von Monarch und Air Berlin zeigt interessante historische Parallelen, entdeckt Karl Born. Am Ende der Luftfahrt-Revolution leiden die Mitarbeiter - aber die machen immerhin einen engagierten Eindruck.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Kurz vor seiner Hinrichtung am 31. Oktober 1793 soll der französische Revolutionär Pierre Vergniaud gesagt haben: "Die Revolution frisst ihre Kinder." Fast auf den Tag genau 224 Jahre später ist der Satz passend wie nie für die europäische Luftfahrtbranche. Eine Billigairline nach der anderen geht in Konkurs. Jetzt auch aktuell Monarch.

Wer bei Google "Monarch Airlines" eingibt, findet immer noch ziemlich am Anfang die Anzeige „Cheap flights offers“. Aus und vorbei. Die einen wollen Preise unterbieten, egal ob sie es sich von der Kostenstruktur leisten können, bei den anderen ist das Geschäftsmodell nicht zukunftsfähig (siehe Air Berlin). So geht es nun mal schief.

Mitarbeiter-Ausbeutung brachte Ryanair ins Aus

Interessant auch die unterschiedliche Behandlung von Air Berlin und Monarch durch die jeweiligen Regierungen. Während die deutsche Regierung keine Bilder von gestrandeten Urlaubern in der Presse sehen wollte und sofort 150 Millionen Euro Überbrückungskredit gewährte (Aufschrei - das liebe Steuergeld), verhielt sich die britische Regierung mal wieder marktwirtschaftlich puristisch und lehnte jede Hilfe ab (vielleicht auch, weil dort keine Wahlen anstanden …).

Für die Rückholung der gestrandeten Monarch-Urlauber muss die Regierung nun umgerechnet rund 68 Millionen Euro bezahlen. Kleiner Unterschied: Die 68 Millionen sind futsch, während es gute Chancen gibt, dass der 150-Millionen-Kredit (zu stattlichen Zinsen) zurück in die Bundeskasse gezahlt werden wird.

Fliegen oder nicht fliegen – das ist hier die Frage

Wer gedacht hat, in diese Lücke würde jetzt mit Freuden Ryanair springen, ist aktuell etwas überrascht. Ryanair laufen die Piloten weg. Vielleicht merkt Zampano Michael O'Leary jetzt, dass man Piloten zwar ausbeuten aber ohne sie eben auch nicht fliegen kann. Innerhalb kürzester Zeit wurden fast 20.000 Flüge mit 400.000 betroffenen Fluggästen gestrichen. Für die Rückholung dieser Fluggäste, war natürlich keine Regierung zuständig.

Im Februar dieses Jahres fragte ich: "Muss Fliegen wirklich noch billiger werden?" Damals beschwor ich eine kontroverse Debatte herauf. Denn: Am Ende von "noch billiger fliegen", steht dann "überhaupt nicht fliegen" …

Condor macht es wie Air Berlin

Sehr interessant auch die Entwicklung von Condor und deren Subchartern. Wer Condor gebucht hat, fliegt unter Umständen plötzlich mit der litauischen Avion Express, der lettischen Air Baltic, der bulgarischen Bul Air oder der zypriotischen Cobalt Air. So kann man sich auch sein Image verderben und Kunden vergraulen. Zwangsläufig fällt mir da der misslungene Versuch von Air Berlin ein, sich sein neues Business-Class-Konzept mit dem Subcharter „Hi Fly“ auf der Strecke Düsseldorf-Abu Dhabi auf zu polieren.

Etwas hat mich in dieser Woche dann aber doch richtig berührt: Air Berlin veranstaltete für seine Boden-Mitarbeiter (die sich alle selbst um den nächsten Job kümmern müssen) eine Job-Messe und lud dazu Berliner Firmen ein, die offene Stellen zu bieten haben. Die anbietenden Firmen waren überrascht und sagten das auch in den Interviews: Welch engagierten Eindruck die Mitarbeiter machten. Ja, die Air Berliner sind auch nicht für den Untergang des Unternehmens verantwortlich.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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