Gedankenflug

Wie die Faust aufs Auge

08.06.2017 - 17:30 0 Kommentare

Niki soll nun doch bei Air Berlin bleiben. Nur wie ist das einzuordnen, fragt sich airliners.de-Herausgeber David Haße. Steht die Air-Berlin-Restrukturierung jetzt vor einem Scherbenhaufen? Oder im Gegenteil?

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings am Flughafen Düsseldorf. - © © AirTeamImages.com - Alun Morris Jones

Flugzeuge von Air Berlin und Eurowings am Flughafen Düsseldorf. © AirTeamImages.com /Alun Morris Jones

Etihad bläst den gemeinsamen Ferienflieger mit Tui ab. Das wirft viele Fragen auf. Klar scheint nur eins: Die bislang geplante Tui/Niki-Airline ist in Österreich ist nicht an der behördlichen Genehmigung gescheitert, wie viele zuletzt schon befürchtet hatten.

Vielmehr scheint Etihad jetzt einfach eine neue Idee für ihren Ferienflieger gefunden zu haben. Aber was genau ist die "Perspektive für das Gesamtunternehmen Air Berlin/Niki", die der Air-Berlin-Großaktionär nun plötzlich sieht?

Der neue Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte jüngst verlauten lassen, er wolle noch in diesem Jahr einen neuen Partner für Air Berlin finden - dabei nannte er seinen früheren Arbeitgeber Lufthansa.

Aber was will Lufthansa eigentlich mit einer zu Mini-Netzwerk-Airline geschrumpften Air Berlin, die jeden Tag über drei Millionen Euro Minus einfliegt? Sicher, die Langstreckenflieger könnten für Eurowings abheben, der Rest irgendwo anders im Wet-Leasing durch Europa fliegen.

Mit Niki ist Air Berlin viel interessanter

Nur wäre nicht Niki am Ende sogar viel interessanter für die Lufthansa Group? Immerhin ist sie mit Eurowings Europe ohnehin schon im Punkt-zu-Punkt-Verkehr und zu österreichischen Konditionen unterwegs. Das Ziel: Marktführer auf Mallorca, der ehemaligen Air-Berlin-Hochburg.

Der aktuelle Primus auf der Baleareninsel heißt übrigens Niki. Immerhin hat die neue/alte Air-Berlin-Tochter mittlerweile die vielen touristischen Routen ihrer neuen/alten Mutter übernommen und bedient das Programm recht profitabel, wie man hört. Und so schließt sich der Kreis.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Eurowings baut Mallorca-Engagement aus

Passt hier also etwas wie die Faust aufs Auge, nur dass es zuerst niemand so richtig gesehen hat? Immerhin war Winkelmann lange Zeit Germanwings-Chef. Dass Feriendestinationen gut ins Konzept einer aufstrebenden Eurowings passen, dürfte ihm sicher nicht entgangen sein. Der Ferienflugbetrieb wird so vom Teil des Problems zum Teil der Lösung. Ein Scherbenhaufen sieht erstmal anders aus.

Eine Faust aufs Auge im anderen Sinne ist die Joit-Venture-Absage also wohl vor allem für Tuifly. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Tui seine Airline lieber heute als morgen abstoßen würde. Aber wie es jetzt weitergeht, steht in den Sternen. Schon machen Gerüchte die Runde: Tui und Thomas Cook - Tuifly und Condor?

Die Konsolidierung im Luftverkehr bleibt also spannend.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 wagte er mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de den Schritt in die Selbständigkeit.
Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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