Wie ein Artenspürhund Urlauber ins Schwitzen bringt

28.06.2015 - 08:23 0 Kommentare

Um den Handel mit geschützten Tieren und Pflanzen besser zu bekämpfen, hat der Zoll eine Handvoll Spürhunde gezielt ausgebildet. Die Übeltäter sind meistens gedankenlose Touristen.

Spürhund-Einsatz am BER - © © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH - Günter Wicker

Spürhund-Einsatz am BER © Flughafen Berlin Brandenburg GmbH /Günter Wicker

Rauschgift interessiert Spürhund Uno nicht, Sprengstoff oder Bargeld lassen ihn völlig kalt. Was den zehnjährigen Labrador aber in höchste Verzückung versetzt, ist der Geruch von Reptilien, Tierfellen oder Federn. Zwei Jahre lang wurde Uno zum Artenspürhund ausgebildet. Eine Handvoll davon hat der Zoll inzwischen bundesweit im Einsatz.

In der Abflughalle des Düsseldorfer Flughafens wird der Zollhund von den Reisenden neugierig bestaunt. In wenigen Sekunden hat Uno eine Reihe Koffer abgeschnuppert und treffsicher bei einem blauen Exemplar angeschlagen. Er jault, bellt und beißt in das Gepäckstück. Wäre die Demonstration nicht in der Abflughalle, sondern im Ankunftsbereich des Airports, würde der eine oder andere Reisende ins Schwitzen geraten.

450 echte Treffer hat der Hund bereits erzielt

"Das ist natürlich peinlich, wenn man dann den Koffer öffnen muss und es fällt etwas heraus", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die Uno ebenfalls zuschaut. Ein Zollbeamter zieht eine Schlangenhaut aus dem Koffer. In der Realität hat Uno bereits 450 echte Treffer auf dem Konto.

Sein spektakulärster Riecher sei eine Ladung Schildkröteneier gewesen. "Die konnten in Frankfurt ausgebrütet und als Baby-Schildkröten zurück auf die Seychellen gebracht werden", berichtet Hundeführer Guido Nickel. "Das war besonders schön, weil dadurch Tiere unmittelbar gerettet werden konnten."

© TSA, Lesen Sie auch: Mit dem Sprengsatz durch den Nacktscanner

Unos Einsatz soll Wilderern, Händlern und Käufern das Geschäft verderben. Für den vorsätzlichen, gewerblichen Schmuggel mit geschützten Arten drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. "Weltweit nehmen Wilderei und der illegale Handel mit geschützten Arten zu", sagt die Ministerin.

Manchmal wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Urlauber kommen als ahnungslose Ersttäter mit einer Verwarnung davon - sind ihr Souvenir aber los und werden registriert. Beim Verdacht auf illegalen Handel wird immer die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

In 90 Prozent der Fälle seien aber Urlauber die Missetäter. Dass Geldbörsen und Taschen aus artengeschützten Tierhäuten produziert sind, fällt oft erst dem Zoll auf. Auch Strandfunde wie Korallen und besondere Muscheln stehen zur regelmäßigen Überraschung der Heimkehrer auf den Artenschutz-Listen. Auf ihnen sind 5000 Tier- und 29.000 Pflanzenarten unter Schutz gestellt.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Die Einfuhr dieser Güter ist verboten

Der Zoll präsentiert in der Abflughalle ein Gruselkabinett an Geschmacklosigkeiten: Ein Elefanten-Fuß als Schirmständer, ein Kaiman als Aschenbecher, eine Kobra in Alkohol. Weniger abstoßend wirken die Geldbörsen aus besonders weichem Baby-Kaimanleder und die Handtaschen aus Waran-Haut.

Allein im letzten Jahr hat der Zoll bei etwa 1000 Beschlagnahmen über 70.000 geschützte Gegenstände sichergestellt. Bei Naturmedizin und Samen können sogar aufmerksame Urlauber in die Falle tappen, wenn ihr Koffer ein Fall für Uno wird. Hendricks rät: "Am besten gar keine Naturprodukte mitbringen."

Spürhund Uno beim Einsatz in Frankfurt:

Von: dpa
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