Hintergrund

Wie Airbus die A380 retten will

20.06.2017 - 09:25 0 Kommentare

Die doppelstöckige A380 fasziniert, doch kaufen will sie seit einiger Zeit kaum noch jemand. Um das Ruder herumzureißen, soll das größte Passagierflugzeug der Welt sparsamer werden - und das ohne zu große Investitionen.

A380plus auf der Paris Air Show 2017 - © © dpa - Sebastian Kunigkeit

A380plus auf der Paris Air Show 2017 © dpa /Sebastian Kunigkeit

Die blauen Aufsätze an den Flügeln des weltgrößten Passagierflugzeugs sind nur Attrappen, und doch eine je 4,70 Meter lange Überraschung. Auf der Pariser Luftfahrtmesse "Le Bourget" zeigt der europäische Flugzeugbauer Airbus, wie er seinen Ladenhüter A380 retten will. Die deutlich vergrößerten, abgeknickten Flügelenden ("Winglets") sollen den Spritverbrauch senken und den Riesenflieger so für Airlines attraktiver machen - damit endlich wieder Bestellungen eintrudeln.

Seit Jahren beschwören die Airbus-Verantwortlichen eine goldene Zukunft für den Doppelstock-Flieger. Die Argumentation ist simpel: Wenn der Luftverkehr weiterwächst und der Platz an den Flughäfen knapp wird, ist ein Großraumflugzeug die Antwort.

Größter Kunde fordert A380neo

Doch die Fluggesellschaften zeigen dem Schwergewicht seit Jahren die kalte Schulter. Gerade mal 14 A380 hat etwa die Lufthansa in Betrieb, und bei der Frage nach Neubestellungen schon lange abgewinkt. Kein Wunder, dass Airbus und Triebwerksbauer Rolls-Royce nicht der Forderung der A380-Großkundin Emirates nachgeben, sparsamere Antriebe für eine Neuauflage A380neo zu entwickeln. Zu unsicher scheint, ob sich die milliardenschweren Investitionen jemals auszahlen würden.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Emirates bestellt wohl 20 neue A380

Statt einer A380neo soll nun also die A380plus kommen - eine Neuauflage light. Mit dem neuen Namen samt der Winglet-Attrappen lässt der Hersteller wenig Zweifel, dass er es ernst meint. Frank Vermeire, zuständig für das Marketing des Jets, nennt sogar einen möglichen Termin für den ersten Linienflug: "Indienststellung 2020", sagt er und erklärt Verbesserungen an der Aerodynamik und in der Kabine.

Durch letztere sollen 80 Fluggäste mehr in den Flieger passen - was in einer typischen Drei-Klassen-Bestuhlung Platz für über 600 Menschen bedeutet. "Das ist eine 13-prozentige Senkung der laufenden Betriebskosten pro Sitz", sagt Vermeire. "Wir sprechen mit sehr vielen Fluggesellschaften, einschließlich Emirates."

Noch ist unklar, ob die A380plus wirklich kommt

"Das ist im Prinzip ein cleverer Schachzug von Airbus", sagt Nils Machemehl, Analyst bei der Landesbank NordLB. "Sie kommen Emirates bei der Effizienz entgegen." Und vor allem könnten mit dem neuen Kabinen-Design auch Flugzeuge nachgerüstet werden, die an Leasinggesellschaften zurückfallen, wenn Verträge mit Airlines auslaufen. "Airbus wird ein großes Interesse haben, dass die nicht gleich in die Wüste abgestellt werden."

Noch will sich Airbus aber zu nichts verpflichten. "Wir glauben, dass wir es tun werden", sagt Verkehrsflugzeugchef Fabrice Brégier. "Aber wir werden es an einen Auftrag knüpfen."

© dpa, Markus Scholz Lesen Sie auch: Airbus denkt über weitere Kürzung bei A380-Produktion nach

Auch Konkurrent Boeing hat Probleme mit seinem größten Flugzeug, der 747. Die Neuauflage Boeing 747-8 sollte der A380 Paroli bieten, wird inzwischen aber höchstens noch als Frachter bestellt. Boeing musste die Produktion auf sechs Jets pro Jahr zurückfahren. Da liegt Airbus bei der A380 mit der geplanten Kürzung auf zwölf Auslieferungen jährlich ab 2018 noch fast gut im Rennen.

Allerdings drohen den Europäern weiter die Aufträge für die A380 auszugehen: Viele Fluggesellschaften setzen lieber auf Langstreckenflieger wie die A350 oder die Boeing 787 "Dreamliner". "Also ich gehe jetzt nicht davon aus, dass da eine große Order kommt", meint Analyst Machemehl mit Blick auf das A380plus-Konzept. "Die wirklichen Megacities mit Kapazitätsproblemen sind weniger, als Airbus sich wünscht." Bei Airbus dagegen hofft man weiter, dass die goldene Zeit der A380 noch kommt - wenn nur der eigene Atem lang genug ist.

Von: Steffen Weyer, dpa-AFX, ch
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