Digital Passenger (18)

Seitenlange Werbung am Boardingpass - das muss nicht sein

03.10.2017 - 08:05 0 Kommentare

Manchmal hört der Drucker gar nicht mehr auf, dabei sollte er nur die Bordkarte drucken. Das ärgert unseren "Digital Passenger" Andreas Sebayang ungemein. Fluggesellschaften sollten mehr Verantwortung zeigen - für die Umwelt und die Kosten beim Kunden.

Screenshots von ausdruckbaren Airline-Bordingpasses. - © © Komposition: airliners.de -

Screenshots von ausdruckbaren Airline-Bordingpasses. © Komposition: airliners.de

Schon einmal einen Boardingspass ausgedruckt? Dann liegt leider oft Absatzweise, manchmal sogar seitenweise hochqualitative Werbung mit im Drucker. Mit Qualität ist dabei nicht unbedingt der Inhalt gemeint, sondern die Grafiken und Fotos, die mit der Bordkarte kommen.

Genau das widerspricht aber dem Versuch der Airlines, sich als besonders verantwortungsvolle Branche im Bereich der Umwelt darzustellen. Nicht wenige heizen im Büro ihren 600-Watt-Laserdrucker vor, damit eine Seite gedruckt werden kann. Sei es die E-Ticket-Bestätigung als Reserve oder auch der Boardingpass selbst.

Stromverschwendung, Papierverschwendung und hohe Druckkosten

Wer das Zuhause macht, ist sogar noch schlimmer dran. Dann wird zwar weniger elektrische Leistung aufgenommen, dafür aber eine der wertvollsten Flüssigkeiten vergeudet, die der Handel so bieten kann: Farbtinte für den Tintenstrahldrucker, denn die stehen meist in privaten Haushalten.

Druckt der Anwender dann noch in Farbe, kann so ein Ausdruck auch arg teuer werden. Dazu kommt die eine gewaltige Papierverschwendung. Drei Seiten für ein E-Ticket mit Werbung oder eine Seite für den Boardingpass mit Vollflächenwerbung sind viel zu viel.

© airliners.de, PlaceIt by Breezi Lesen Sie auch: Der Check-in gehört komplett abgeschafft Gedankenflug

Das muss aufhören. Dabei kann der angehende Passagier zwar eigentlich auch einiges selber machen, etwa das E-Ticket doppelseitig drucken oder nur die relevante Seite, doch in der Hektik vergisst man das schon einmal. Wichtig ist zumindest bei Tintenstrahlern der Schwarzweißdruck. Und wer ein Smartphone hat, der kann mit mobilen, witzigerweise werbefreien Boardingpässen und PDF-E-Tickets arbeiten. Im Zweifel reicht ohnehin der Personalausweis oder der Reisepass als Backup.

Und selbst der Ausdruck am Flughafen dürfte oft effizienter sein. Dort arbeiten Profidrucker und es wird nur wenig, wenn auch recht schweres Papier verwendet. Am besten wäre es aber, wenn die Fluggesellschaften mehr Verantwortung zeigen.

Werbung auf der Webseite zum Ausdrucken des Boardingpasses? Gerne, schließlich müssen sich gerade Billigflieger irgendwie finanzieren, wenn die Flüge weniger kosten als so manche Taxifahrt. Aber in den PDF-Dokumenten hat Vollfarbwerbung nichts zu suchen. Und wenn wirklich freier Platz da ist: Wie wäre es mit Text-Anzeigen und ASCII-Art? Das fällt sowieso mehr auf.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: as
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