Digital Passenger (19) ( Gastautor werden )

Wenn ein Selfie aus dem Flugzeug fünf Dollar kostet

17.10.2017 - 08:05 0 Kommentare

Instagram und Facebook überfordern die Onlineangebote im Flugzeug. Jetzt gibt es einen "günstigen" Tarif für gerade einmal fünf Euro, freut sich Digital Passenger Andreas Sebayang. Doch für mehr als den Upload eines Selfies reicht der wohl kaum.

Internet-Nutzung an Bord. Foto: © Air Berlin, Peter Luchs

Premium-Internet für 45 Dollar aber nur mit 50 Megabyte? Oder der Schnäppchentarif für fünf Dollar mit satten 14 Megabyte? Solche Internettarife gibt es heute tatsächlich noch in Flugzeugen. Und sie sind vor allem eins: völlig unrealistisch.

Diese beiden Beispiele, von der portugisischen Fluggesellschaft TAP, sind an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Bei dem 15-Dollar-Tarif für ein Gerät handelt es sich um einen Basic-Tarif, der ausreichen soll für Social Media, E-Mail und Chat. Letzteres mag noch gehen. Aber wenn ich meine E-Mails abrufe, reicht das nicht mal für den Spam-Ordner. Allein der tägliche Fußnagelpilz-Spam und die gefälschten Rechnungen von Flugverkehrskontrollen füllen das lächerliche Volumen schon fast.

Tarif nur bei hoher Disziplin nutzbar

Zu Zeiten von Smartphones mit HSCSD-Modem mag das noch in Ordnung gewesen sein. Heute kann man mit so einem Tarif nur etwas anfangen, wenn man hohe Disziplin walten lässt. Das gilt auch für TAPs Premium-Tarif für stolze 45 Dollar. Der soll sich für "intensive Internet-Nutzung" eignen. Was immer das heißen mag - bei gerade einmal 50 Megabyte Datenvolumen.

Der Premium-Tarif von TAP kann selbst Grundbedürfnisse nicht abdecken. Foto: TAP Portugal,

Mit so einem Tarif sollte man lieber nicht Facebook oder Instagram öffnen. Instagram und Facebook sind reinste Datenschleudern und verbraten in einer Session gut und gerne zehn Megabyte. Nicht zu vergessen, dass selbst schlanke Handy-Betriebssysteme ein paar Megabyte für den Erstkontakt zur Außenwelt brauchen.

Und wer jetzt glaubt, solche Tarife liegen an altem Equipment, der irrt. Letztens flog mir ein neues Internet-Angebot zu. Für schlappe fünf Dollar könnte ich mit dem neuen Sitaonair-Angebot den Social Plan buchen. Was es dafür gibt? 20 Megabyte Datenvolumen bei maximal 20 Minuten Internetzugang. Das soll reichen für ein bisschen Chatten und den Upload eines Selfies.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
( Gastautor werden )
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Apple Passbook mit Bordkarten der Lufthansa und Air Berlin auf einem iPhone. Warum ich Airlines keine Software-Fehler mehr melde

    Digital Passenger (20) Unserem "Digital Passenger" Andreas Sebayang reicht es. Er meldet Fluggesellschaften keine Fehler mehr. Airlines scheinen kein Interesse daran zu haben, dass ihre Systeme einwandfrei laufen. Das ist in anderen Branchen anders.

    Vom 31.10.2017
  • Die auf dem elektronischen Datenmodul des "Rimowa Electronic Tag" angezeigten Gepäckdaten entsprechen in Größe und Aussehen den heutigen Papieranhängern. Kein smarter Koffer unter dieser Nummer

    Digital Passenger (21) Die Digitalisierung soll das Reisen vereinfachen. Wenn die Airline einen smarten Koffer verliert, kann es aber durchaus kompliziert werden, wie unser Digital Passenger Andreas Sebayang jetzt erfahren musste.

    Vom 14.11.2017
  • Smartphone mit aktiviertem WLAN im Flugmodus. So werden Internet und WLAN im Flugzeug verteilt

    Hintergrund WLAN, Wigig oder sogar Licht? Zum Verteilen von Daten innerhalb eines Flugzeuges gibt es verschiedene technische Lösungen. Doch zur effizienten Nutzung braucht es nicht nur auf Seiten der Fluggesellschaften moderne Gerätschaften.

    Vom 14.08.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus