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Wenn die digitale Bordkarte nicht will

05.09.2017 - 08:05 0 Kommentare

Gefühlt jede Airline geht anders mit Bordkarten um: Bei einigen bekommt man sie in digitaler Form, bei einigen noch ganz oldschool auf Papier ausgedruckt. Unser Digital Passenger Andreas Sebayang skizziert das Chaos.

Boarding mit der Papier-Version. Foto: © dpa, Christian Charisius

Schon einmal mit einem mobilen Boardingpass am Gate abgewiesen worden? Das ist mir in letzter Zeit oft passiert. Die Probleme, die es mit der am Flughafen ausgedruckten Karte eigentlich nicht gibt, sind eine Spezialität der mobilen Bordkarten.

Diese mobilen Bordkarten sind nämlich aus mehreren Gründen unzuverlässig. Wenn sie denn überhaupt ausgestellt werden. Denn an vielen Flughäfen bekommt sie der Fluggast gar nicht. Sei es wegen des fehlenden Passabgleichs, das Fehlen des für einige Länder notwendigen Beweises, dass man ein Rückflugticket hat, oder das simple Problem eines Codesharing-Fluges.

In der App kommt man nicht weiter

Oft muss man auch den Airline-eigenen Weg zum mobilen Boardingpass kennen. Ich kenne Apps, wie etwa die von Thai Airways, die keinen Ausstellen. Über die mobile Webseite funktioniert es dann aber. Immerhin ...

Bekommt man dann doch die digitale Bordkarte, heißt das noch lange nicht, dass diese nutzbar ist. Ein Problem ist die oft fehlende Aktualisierung. Nicht allen Fluggesellschaften gelingt es, einen Gate Change oder Sitzplatzwechsel auf das Mobiltelefon zu schicken.

Zuletzt passierte mir das bei Brussels Airlines. In einem für mich noch unbekannten Sukhoi Superjet wurde mir der Fensterplatz genommen und ich durfte am Gang sitzen. Der Fensterplatz neben mir war aber frei.

Als Resultat konnte ich erst einmal nicht einsteigen - ich hielt peinlicherweise hinter mir den ganzen Betrieb auf. Ich hatte zwar aus Gründen des Sammelns auch die Papierbordkarten irgendwo im Rucksack, aber weder nannte man mir den Sitzplatzwechsel bei der Gepäckaufgabe, noch schaute ich auf mein Papier-Backup. Ich verließ mich darauf, dass die Airline einfach die digitale Version aktualisiert.

Qatar Airways sperrt Apples Wallet aus

Mit Qatar Airways gab es ähnliche Probleme. Der Carrier ist, laut Aussage des Bodenpersonals, nicht in der Lage Boardingpässe in Apples Wallet zu verarbeiten. Weder in Berlin-Tegel oder Doha noch in Bangkok-Suvarnabhumi konnte ich meine digitale Karte nutzen.

Das Personal ist aber darauf vorbereitet und druckt ruckzuck die Papierkarten aus, wenn man als Passagier keine hat. Das sorgte dafür, dass ich bis zu drei Papierkarten je Flug hatte, weil ich es mir nicht verkneifen konnte, den Service mehrfach aus zu probieren.

Ausdrucken zum Abreißen

Im Osten Asiens kommt ein weiteres Problem hinzu. Dort rechnet das Bodenpersonal manchmal nicht mit mobilen Bordkarten, was dann sichtbar Stress auslösen kann. In Japan und Korea ist es den Mitarbeitern äußerst peinlich, wenn ein Service nicht klappt, den die Fluggesellschaft eigentlich anbietet.

Zudem ist in der weitergehenden Region die Abreiß-Methode immer noch ziemlich geläufig. Malaysia Airlines verfährt etwa noch so. Dann wird auch routiniert ausgedruckt, um die Papierbordkarte anschließend einfach nur zerreißen zu können.

Das alles hat sich in den vergangenen Jahren zwar gebessert. Doch nicht in dem Maße, dass ich sagen würde, papierloses Reisen ist Realität. Es hängt viel zu sehr von Einreiseregeln, Land und Fluggesellschaft ab. Am papierlosesten fliegt man beim Carrier seiner Heimat, ohne das Land zu verlassen. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis die letzten Hürden weg sind. Mich als notorischen Sammler unbeschädigter Bordkarten stört das aber nicht.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
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