Reisebüros: Weniger Änderungen bei Eurowings

11.07.2018 - 09:13 0 Kommentare

Zufall oder ein Erfolg der Proteste? Seit Anfang Juli gibt es bei Eurowings weniger Unregelmäßigkeiten, berichten Reisebüros. Nächste Woche trifft sich die Airline mit dem Deutschen Reiseverband.

Ein Airbus A319 der Eurowings. - © © AirTeamImages - Matthieu Douhaire

Ein Airbus A319 der Eurowings. © AirTeamImages /Matthieu Douhaire

Die Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb von Eurowings haben seit Anfang Juli offenbar abgenommen. Das berichten zumindest Reisebüros, die gegen die gehäuften Flugzeiten- und Flughafenänderungen bei der Lufthansa-Tochter protestiert hatten.

"Aktuell gibt die Eurowings so gut wie keine Flugzeitenänderungen weiter", berichtet Stefanie Deiters-Galiäa, Reisebüro-Inhaberin aus dem bayerischen Aichach, gegenüber airliners.de. Untermauert wird ihre Feststellung von einer Umfrage unter Kollegen, von denen über 30 seit 1. Juli keine Änderung mehr erhalten hatten.

Nur wenige Rechnungen wegen Mehrarbeit

Über 150 Reisebüros hatten Eurowings angedroht, für jede weitere geänderte Flugbuchung Mehrarbeit in Höhe von 50 Euro zu berechnen. Nun sind offenbar nur wenige Rechnungen gestellt worden.

Michael Zytniak, Reisebüro-Inhaber in Mülheim an der Ruhr, hat bislang nur zwei Rechnungen an die Airline geschickt. In den Monaten zuvor seien es dagegen "gefühlt jeden Morgen 20 Flugänderungen" gewesen, die er für seine Kunden bearbeiten musste.

Eurowings startet Optimierungsprogramm "Fix It"

Die Berichte der Reisebüros decken sich mit den Beteuerungen von Eurowings: Man habe kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung des Flugbetriebs ergriffen, sagte eine Sprecherin.

So bemühe man sich beim Luftfahrt-Bundesamt um eine beschleunigte Umregistrierung der letzten ehemaligen Air-Berlin-Jets. Mit den zusätzlichen Flugzeugen würden die Reservekapazitäten und die Bodenzeiten wieder ausgeweitet. Außerdem habe man ein Programm namens "Fix It" aufgelegt, um die 50 wichtigsten Prozesse im Unternehmen zu optimieren.

© AirTeamImages.com, Mathieu Pouliot Lesen Sie auch: Condor gründet Verspätungs-"Task Force"

Airline und DRV treffen sich nächste Woche

Eurowings ist durchaus alarmiert von den Protesten aus dem Reisevertrieb: In der nächsten Woche will man sich in Berlin mit Vertretern des Deutschen Reiseverbandes (DRV) treffen. Dabei soll "ein gemeinsames Verständnis für die zukünftige Zusammenarbeit festgelegt werden".

Die Gespräche sollen allerdings weitgehend vertraulich bleiben: Weder der genaue Termin noch Teilnehmer und Themen werden verraten.

Rechtsgutachten bejaht Ansprüche der Reisebüros

Sollte es zu keiner Einigung kommen und die Zahl der Flugänderungen wieder zunehmen, könnten die Reisebüros tatsächlich mit rechtlichen Mitteln gegen Eurowings vorgehen. Reisebüro-Inhaber Zytniak hat mit Gleichgesinnten ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um die Aussichten prüfen zu lassen.

Die auf Wirtschaftsrecht spezialisierte Kanzlei komme zu dem Ergebnis, dass es durchaus einen rechtlich begründbaren Anspruch von Reisemittlern geben könnte, die durch Flugänderungen entstehende Mehrarbeit in Rechnung zu stellen.

Zwar haben die Reisebüros in den meisten Fällen keinen Agenturvertrag mit der Airline. Allerdings bejahen die Juristen laut Zytniak im Fall der Eurowings trotzdem eine Weiterberechnung der verursachten Kosten. Sie sprechen von "systematischen und nicht unvermeidbaren Änderungen, welche mit Wissen und Wollen und in billigender Absicht nachweislich auf Kosten anderer Branchenteilnehmer zwecks eigener Ertragsoptimierung" stattfänden.

© Eurowings, Lesen Sie auch: Gewitter und Streiks sollen für Eurowings-Ausfälle verantwortlich sein

Mit anderen Worten: Eurowings hat laut Gutachten möglicherweise bewusst den Sommerflugplan umfangreicher geplant, als sie ihn mit den vorhandenen Kapazitäten bewältigen konnte - um nach der Air-Berlin-Pleite schnell Marktanteile zu gewinnen.

"Und die Zeche zahlen andere", ärgert sich Zytniak. "Die Branche hat die Nase voll von dieser Herangehensweise der Eurowings."

Von: pra
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