Passagierkontrollen in Deutschland sind besonders langsam

08.04.2019 - 15:17 0 Kommentare

Ostern ist der erste Reisehöhepunkt im Jahr. Die Luftverkehrsbranche will in diesem Jahr vieles besser machen als 2018. Aber langsame Kontrollen an Flughäfen und eine unterbesetzte Flugsicherung bereiten dem Luftfahrtverband BDL Sorgen.

Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen Düsseldorf. - © © Verdi -

Warteschlange vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen Düsseldorf. © Verdi

Die staatlich organisierten Passagier- und Gepäckkontrollen an Deutschlands Flughäfen sind laut Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft (BDL) weniger effizient als an großen Flughäfen im Ausland wie etwa London, Madrid oder Brüssel.

Rund vier Prozent der Verspätungen in Deutschland im vergangenen Jahr seien auf die staatlich organisierten Luftsicherheits- und die Grenzkontrollen zurückzuführen, kritisiert der Verband in seinem am Montag veröffentlichten Infodienst "Luftfahrt aktuell".

Verspätungen und Ausfälle im Luftverkehr waren im vergangenen Jahr stark gestiegen. Laut BDL wuchs die durchschnittliche Verspätung eines jeden Flugs europaweit von 12,4 Minuten 2017 auf 14,7 Minuten im Jahr 2018. Auch die Ausfälle nahmen demnach zu: Der Anteil der gestrichenen Flüge am gesamten Angebot erhöhten sich von 1,5 auf zwei Prozent.

Der Personalbestand wächst - der Luftverkehr aber auch

In diesem Jahr soll es besser werden - die Lage bleibe aber angespannt, warnte der BDL. Denn die anhaltende Nachfrage sorge dafür, dass der Luftverkehr in Deutschland weiter wachsen werde.

Besonders die kommenden Tagen sind ein erster Test für die Belastbarkeit der deutschen Flughäfen 2019. Wenn zum Wochenende die Osterferien in allen größeren Bundesländern beginnen, drängen Hunderttausende Passagiere gleichzeitig an die Gates.

© BMVI, Lesen Sie auch: Zweiter Luftfahrtgipfel: Scheuer erwartet schwierigen Sommer

Weiter bestehende Personalengpässe bei der Flugsicherung, die Schwierigkeiten bei den Passagierkontrollen und neue Probleme beim Fluggerät lassen dabei keine Euphorie bei den Beteiligten aufkommen. Beim zweiten Luftfahrtgipfel Ende März in Hamburg hatten sie konkrete Maßnahmen angekündigt, zugleich aber Erwartungen gedämpft.

"In diesem Sommer können wir noch nicht alle glücklich machen", erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hinterher und sprach von unvermeidbaren "Ruckeleien".

Nach Einschätzung der Deutschen Flugsicherung (DFS) wird der Flugverkehr im deutschen Luftraum auch in diesem Jahr wachsen, und zwar um rund vier Prozent nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen im Chaosjahr 2018.

Verspätungen im europäischen Luftverkehr 2017/18 Foto: © BDL

Der Flughafenverband ADV sieht seine Mitglieder derweil gut vorbereitet: Allerorten werde das Personal aufgestockt, Prozesse würden optimiert. Auch werde den bislang beengten Passagier- und Handgepäckkontrollen mehr Platz eingeräumt.

Die Bundespolizei hatte in den vergangenen Monaten erfolgreich neue Kontrollspuren getestet, die mit einfachen Konstruktionen die Zahl der stündlich zu kontrollierenden Passagiere mehr als verdoppeln kann.

Einziger Haken: Diese neuen Kontrollspuren stehen außer an den Testflughäfen in München, Hamburg und Frankfurt noch nirgendwo zur Verfügung. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wird für sieben neue Spuren ein eigener Anbau errichtet, der aber frühestens im Sommer bereit ist. Bis dahin setzen die Beteiligten auf Verbesserungen im Detail.

© dpa, Fredrik von Erichsen Lesen Sie auch: Immer mehr Passagierbeschwerden im Luftverkehr

Der Frankfurter Flughafenchef und ADV-Präsident Stefan Schulte hält ohnehin an der Forderung fest, die bislang von der Bundespolizei angeleiteten privaten Kontrolleure künftig selbst zu steuern. Beim Gipfel hatte es für einigen Unmut gesorgt, dass bei der Regierung die beiden bestellten Gutachten zu diesem sicherheitsrechtlich heiklen Thema immer noch nicht vorliegen.

Flugsicherung bleibt größte Baustelle

Die mit Abstand größte Baustelle bleibt derweil die bundeseigene Deutsche Flugsicherung GmbH, bei der rund 2000 Lotsen arbeiten. Wie viele zur Bewältigung der kommenden Verkehrsspitzen insbesondere im oberen Luftraum fehlen, ist umstritten: DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle beziffert die Lücke auf 90 Leute, während die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) mindestens 200 neue Kollegen will.

Ihr Vorsitzender Matthias Maas wirft Scheurle vor, die Ausbildung seit seinem Amtsantritt 2013 kaputt gespart zu haben und auch seit der Sommer-Krise nicht entschlossen genug umzusteuern.

Der DFS-Chef verweist hingegen auf eine Reihe von bereits eingeleiteten Maßnahmen, die Flüge zu bündeln und effizienter zu ordnen. Auch wurden fertig ausgebildete Lotsen aus dem Ausland angeworben und die Kapazität der eigenen Ausbildungsakademie hochgefahren. Kurzfristig benötigt die DFS aber die Mehrarbeit ihrer Bestandslotsen und dafür wiederum die Kooperation der GdF. Eine Einigung dazu steht noch aus.

Von: dk mit dpa
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