Was die Luftfahrtmesse in Farnborough bringt

11.07.2016 - 09:30 0 Kommentare

Die großen Flugzeugbauer können sich vor Bestellungen nicht retten. Doch nicht alles läuft rund bei Airbus und Boeing, ihre ganz großen Jets sind kaum noch gefragt. Und neue Konkurrenten laufen sich warm.

Messewegweiser und Boeing 787-9 auf der Farnborough-Luftfahrtmesse 2014. - © © Farnborough Airshow - PR

Messewegweiser und Boeing 787-9 auf der Farnborough-Luftfahrtmesse 2014. © Farnborough Airshow /PR

Neue Flugzeugtypen in der Luft und einige in den Startlöchern: Wenn am heutigen Montag (11. Juli) die Luftfahrtmesse in Farnborough bei London startet, können Fachbesucher und wenig später auch das breite Publikum die neusten technischen Entwicklungen von Flugzeugbauern wie Boeing und Airbus in Augenschein nehmen.

Rekordaufträge für spritsparende Flieger sind angesichts des derzeit billigen Treibstoffs jedoch kaum zu erwarten. Stattdessen schlägt sich Airbus mit technischen Problemen herum. Und Boeing muss auf Bestellungen für den Jumbo-Jet hoffen, will der US-Hersteller sein Flaggschiff nicht in absehbarer Zeit zu Grabe tragen.

Geschäft mit Mittelstreckenjets läuft gut

Anders sieht es im Massengeschäft aus: Seit Airbus seinem Mittelstreckenjet A320 eine spritsparende Neuauflagen ("neo") verordnete und Boeing bei seinem Konkurrenzmodell 737 nachzog ("MAX"), sind die Auftragsbücher der Hersteller auf Jahre hinweg bestens gefüllt.

Nachdem die erste A320neo im Januar an die Lufthansa ausgeliefert wurde, schickt der Hersteller in Farnborough die Langversion A321neo in die Luft. Boeing führt die neue 737-MAX-8 vor, deren erstes Exemplar 2017 in Dienst gehen soll.

Fraglich ist, ob den Platzhirschen das Ende ihres langjährigen Duopols bevorsteht. Fast 20 Jahre lang gab es mit Boeing und Airbus weltweit nur zwei relevante Hersteller, die Flugzeuge mit mehr als 100 Sitzen verkauften. Doch im Juni lieferte der kanadische Flugzeugbauer Bombardier seine erste C-Serie aus, die etwa gegen den Airbus A319neo antritt.

© dpa, EPA/Alexander Astafjev / Sputnik / Government Press Service Pool Lesen Sie auch: Russische Flugzeugbauer wollen auf den Weltmarkt zurück

Kurz zuvor hatte der russische Hersteller Irkut seine erste MC-21 der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch der chinesische Comac-Konzern zielt mit seiner C919 auf das absatzstärkste Flugzeugsegment mit einem Mittelgang zwischen den Sitzen, das bisher vom Airbus A320 und der Boeing 737 beherrscht wird.

Einzig, in der Luft waren die Maschinen aus Russland und China noch nie. So werden die Jets auch in Farnborough nicht einmal am Boden zu sehen sein. Bei den Verkehrsflugzeugen dürften daher erneut Airbus und Boeing das Bild der Messe prägen, ergänzt von den Maschinen von Bombardier und dem brasilianischen Flugzeugbauer Embraer.

Analysten erwarten wenig Neubestellungen

Mit vielen Neuaufträgen rechnet JPMorgan-Analyst David Perry diesmal nicht - weil offenbar weder Boeing noch Airbus neue Modelle planten. Allerdings deutet sich durchaus Neues an. Airbus sondiert, welche Fluggesellschaften eine superlange Version des neuesten Großraumjets A350 für rund 400 Fluggäste bestellen würden.

Und Boeing prüft die Entwicklung eines Fliegers, der die Lücke zwischen der 737-MAX und dem kleinsten Großraumjet 787 "Dreamliner" füllen könnte. Die Frage sei nicht, ob das Flugzeug komme, sondern wann, sagte Entwicklungschef Mike Delaney neulich.

A380 und Boeing 747 bereiten ihren Herstellern Sorgen

Sorgen bereiten weiterhin die Riesenflieger. Für das doppelstöckige Airbus-Flaggschiff A380 hat sich Verkaufschef John Leahy 2016 nicht einmal ein Verkaufsziel gesetzt, nachdem er die selbst gesetzte Latte im Vorjahr grob verfehlt hatte. Und Boeing fährt die Produktion seines modernisierten Jumbos 747-8 in Kürze auf sechs Maschinen pro Jahr zurück.

Der Jumbo verkauft sich praktisch nur noch als Frachter. Insidern zufolge will die zum russischen Konzern Volga-Dnepr gehörende Frachtfluglinie Air Bridge Cargo nun einen Auftrag über zehn Maschinen festzurren.

Airbus kämpft mit weiteren Problemen

Selbst bei den gefragten Jets von Airbus läuft nicht alles rund. Die vom US-Triebwerksbauer Pratt & Whitney stammenden Antriebe der A320neo haben Hitzeprobleme, die erst jetzt zur zweiten Jahreshälfte gelöst sein sollen. Beim Großraumjet A350 kommt etwa der Sitzhersteller mit der Lieferung nicht hinterher.

© airliners.de, Christian Höb Lesen Sie auch: Lieferziele für A350 stehen auf der Kippe

Nicht schließende Türen zu den Bordtoiletten lösten bei Airbus-Verkehrsflugzeugchef Fabrice Brégier jüngst einen Wutausbruch aus. Noch mehr Ärger gibt es beim Militärtransporter A400M. Zu Rissen am Rumpf kamen im Frühjahr auch noch Triebwerksprobleme hinzu. Der Airbus-Konzern stellt sich bereits auf immense Kosten ein. Trotzdem soll es in Farnborough Flugvorführungen mit der A400M geben.

Bei der vergangenen Farnborough-Messe vor zwei Jahren sammelten die Aussteller Verträge und Vorverträge über 201 Milliarden US-Dollar ein. Mehr als 100.000 Besucher sahen die ausgestellten Jets, Hubschrauber und Drohnen. Diesmal ist die Messe am Wochenende 16. und 17. Juli für das breite Publikum geöffnet.

Von: ch, dpa
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