Analyse Was an den Germania-Zahlen gut ist - und was nicht

Die Finanzen der Germania stehen aktuell im Fokus der Öffentlichkeit. airliners.de wirft einen Blick in die zuletzt publizierte Bilanz - und findet Dinge, die sich gut entwickeln, aber auch Schwachstellen.

Heck einer Germania-Maschine - © © Germania -

Heck einer Germania-Maschine © Germania

Der letzte öffentlich gemachte Jahresabschluss der Germania von 2016 zeigt, dass die finanziellen Probleme nicht erst im Chaosjahr 2018 ins Unternehmen kamen. Höchstwahrscheinlich haben sie den vorgegebenen Trend lediglich noch verstärkt. Neuere Zahlen weist Germania auch auf Nachfrage nicht aus.

Publizitätspflicht

Die Germania Fluggesellschaft mbH muss jedes Jahr einen gewissen Einblick in ihre Bücher gewähren. Denn die Bilanzsumme überstieg bislang mehrfach die Messlatte von 65 Millionen Euro und das Unternehmen macht mehr als 130 Millionen Euro Umsatz. Nach Paragraf 1 des Publizitätsgesetzes hat die Airline damit ab Bilanzstichtag ein Jahr lang Zeit, die Bilanz beim Bundesanzeiger einzureichen. Für 2017 hat sie das eigenen Angaben zufolge fristgerecht getan; veröffentlicht ist das Zahlenwerk jedoch von der Behörde noch nicht - und auch auf Anfrage will Germania keinen Einblick gewähren.

Zuallererst ist festzuhalten, dass die Liquidität 2016 "stets ausreichend" war und die Airline laut des Wirtschaftsprüfers "uneingeschränkt und fristgerecht ihren Zahlungsverpflichtungen nachkam". Die kurz- und mittelfristige Liquidität sei zudem durch "den im Geschäftszweig üblichen Aufbau von Liquidität im Sommer 2017 sowie durch gruppeninterne Darlehen ausreichend gesichert". Bei nicht planbaren und außergewöhnlichen Ereignissen könne Germania "weitere Finanzmittel innerhalb des Konzerns" abrufen. Weiter ausgeführt wird dies jedoch nicht.

Die Liquidität der Germania ist für das Geschäftsjahr 2017 auf der Basis der Planzahlen positiv.

Wirtschaftsprüpfer der Germania Fluggesellschaft mbH

Insgesamt haben sich die liquiden Mittel zum Bilanzstichtag um rund 47,3 Prozent auf gut 7,4 Millionen Euro erhöht. Darüber hinaus sind alle Investitionen in dem Geschäftsjahr aus dem operativen Cash-Flow, also dem Geldzufluss aus dem laufenden Kerngeschäft, finanziert worden.

Diversifizierung des Geschäftsmodells

Außerdem hat die Airline bis 2016 die Diversifizierung ihres Geschäftsmodells konsequent vorangetrieben. Das attestieren auch die Wirtschaftsprüfer: So ist die auf drei Säulen fußende Strategie auf ein breiteres Fundament gestellt worden. Dazu gehören Voll- und Teilcharter von insbesondere dezentralen Flughäfen wie beispielsweise Bremen, Dresden und Friedrichshafen sowie ethnischer Linienverkehr. "Im Rahmen der langfristigen Geschäftsentwicklung hat Germania deutliche Fortschritte erzielt." Als Grundlage nehmen die Wirtschaftsprüfer hier das Geschäftsmodell von 2009.

Damals basierte alles auf einer Säule: Germania war ein reiner Wet-Lease- und Vollcharter-Carrier. "In den Folgejahren sind die Bereiche Teilcharter und Einzelplatz bedeutend aufgebaut worden." Das spiegelt sich auch in den wirtschaftlichen Kennzahlen wieder: "Insbesondere eigenkonsolidierte Strecken von dezentralen Standorten und zu Nischendestinationen" führten zu einer guten Auslastung und letztlich auch zu einem "auskömmlichen Ertrag" (Yield).

Umsatzverteilung Germania
Chartergeschäft Linienverbindungen Sonstiges
2012 70.2 4 25.8
2013 80.8 7.1 12.1
2014 83 10.8 6.2
2015 77.8 15.8 5
2016 67.1 27.9 6.4

Sonstiges meint bis 2014 das Wet-Lease-Geschäft und die Einnahmen durch die Hotelbeteiligung. Quelle: Germania

Als Gefahr für Airlines werden zudem immer wieder die Schwankungen des Ölpreises genannt. Hierzu lässt sich bei Germania abschließend jedoch keine Aussage treffen. Denn ob und wie die Airline derzeit vor einem steigenden Ölpreis abgesichert ist, ist in der Bilanz nicht zu lesen. Zwar wurde 2016 sogenanntes Hedging - also der Kauf von Optionen zu einem bestimmten Rohstoffpreis - betrieben, doch: "Die Sicherungsgeschäfte in Form von Futures und Optionen (...) wurden vollständig im Geschäftsjahr beendet."

Entwicklung blieb hinter Erwartungen zurück

Dennoch konstatieren die Wirtschaftsprüfer Michels und Röhrmann, dass die Entwicklung 2016 "unter den Erwartungen der Geschäftsführung lag". Zum einen ist der Umsatz um 13,1 Prozent auf 369,1 Millionen Euro "überproportional" zurückgegangen - zum anderen hat sich auch der Jahresfehlbetrag noch einmal erhöht. So machte Germania insgesamt rund 7,7 Millionen Euro minus.

Dies belastet die Bilanz vor allem, weil das Eigenkapital sehr dezimiert ist. Rücklagen sind nicht ersichtlich - es scheint, dass lediglich das investierte Stammkapital weiter vorhanden ist. Dies hat zur Folge, dass Germania auf der Aktiva-Seite der Bilanz einen nicht durchs Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag ausweisen muss - und das 2016 nicht zum ersten Mal. 2015 lag dieser bei 5,6 Millionen Euro - ein Jahr später schon bei gut 13,3 Millionen Euro.

Positive Prognose für die weiteren Jahre

Hinzu kommt eine hohe Summe an bereits erhaltenen Anzahlungen auf Bestellungen. 2015 verbuchte Germania hier noch 16,9 Millionen Euro - Ende 2016 bereits 26,8 Millionen Euro. Gelder, die die Airline bereits für sich verbuchen darf, ohne bis zum Bilanzstichtag die Leistung wirklich erbracht zu haben. Der sprunghaft angestiegene Wert wird laut Experten letztlich zum Problem, wenn im Folgejahr nicht die Kosten deutlich sinken.

Laut der Wirtschaftsprüfer ist der Fortbestand der Airline "nicht gefährdet" gewesen. "Eine Fortbestehensprognose kann aufgrund der erwarteten positiven Geschäftsentwicklung für die Jahre 2017 und 2018 getroffen werden." Michels und Röhrmann gehen davon aus, dass der Umsatz bereits im Folgejahr wieder steigen wird und mit einem leicht positiven Jahresergebnis der nicht durch das Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag reduziert werden kann. "Mittelfristig wird erwartet, dass dieser Fehlbetrag in voller Höhe aufgelöst werden kann."

Partner

Reiseveranstalter: Die bei Germania aktiven Touroperator machen sich offiziell keine Sorgen um den Flugbetrieb der Airline. Die Fluggesellschaft sei ein "langjähriger und sehr geschätzter Partner", teilt eine Sprecherin von Thomas Cook auf Anfrage mit. Man stehe im Kontakt mit dem Carrier und unterstützte diesen "im Rahmen unserer Möglichkeiten". Gebuchte Flüge fänden daher planmäßig statt. Ähnlich äußern sich auch Alltours, DER Touristik und Schauinsland. Tui verweist darauf, dass man einige Leipzig-Verbindungen in den kommenden Tagen auf Tuifly-Flugnummern umstelle und von White Airways operieren lasse; dies war aber bereits im Herbst kommuniziert worden. Zudem habe man vereinzelt Kontingente von Sekundärflughäfen bei Germania eingekauft - "Änderungen des Angebots sind derzeit nicht geplant".

Wet-Lease: In diesem Sommer fliegen zudem zwei Sundair-A320-Jets im Wet-Lease für Germania. Die erste Maschine ist bereits seit Anfang November im Einsatz. Die Airline will sich auf Anfrage nicht offiziell äußern.

© AirTeamImages.com , HAMFive Lesen Sie auch: Germania least zwei Sundair-Maschinen

Experten verweisen darauf, dass dies aber alles keine Summen seien, die eine Airline ernsthaft in Gefahr brächten. Denn Germania besitzt noch einige Assets. Nach airliners.de-Recherchen sind mindestens fünf der insgesamt 35 Flugzeuge in der Germania-Flotte noch im direkten Besitz des Carriers. Hinzu kommen die Flugbetriebe in der Schweiz und Bulgarien sowie der eigene Technikbetrieb.

Von: cs, br

Datum: 09.01.2019 - 15:08

Adresse: http://www.airliners.de/was-germania-zahlen-analyse/48373