Warum die Luftverkehrssteuer eine Chance ist

29.02.2016 - 11:21 0 Kommentare

Die Luftverkehrsabgabe ist gekommen, um zu bleiben. Darum sollte die Branche ihre Haltung zur Steuer grundlegend überdenken, meint airliners.de-Herausgeber David Haße: Ein Gedankenflug über eine große Chance.

Passagiere im Flughafen Hamburg - © © dpa - Christian Charisius

Passagiere im Flughafen Hamburg © dpa /Christian Charisius

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Wenn ein Übel nicht zu verhindern ist, dann sollte man es zum eigenen Vorteil nutzen. Das hat die hiesige Luftfahrtbranche noch nicht verstanden. Sie lässt nämlich in Sachen Luftverkehrsabgabe eine große Chance für wirklich glaubhafte Umwelt-Kommunikation links liegen. Aber der Reihe nach:

Niemand zahlt gerne Abgaben oder Steuern. Daher ist der erste Reflex der Branche durchaus verständlich: "Nein, das darf nicht sein!" hieß es, als Umweltpolitiker vor rund neun Jahren erstmals Ideen zu einer Abgabe auf Flugtickets zu Gunsten des Umweltschutzes formulierten. Aber es kam wie es kam: Aus der Idee wurde Realität und selbst der damalige Verkehrsminister winkte die Luftverkehrsabgabe durch.

Die Branche hatte sich zuvor mit immer neuen Ideen für die Ausgestaltung der Abgabe untereinander zerstritten. Das Motto: Gut ist, was die Konkurrenz stärker schwächt als es mir selbst weh tut. Leider wird man so nicht unbedingt glaubwürdiger, weder in der Politik, noch in der Öffentlichkeit. Aber das ist Schnee von gestern.

Die Abgabe ist gekommen, um zu bleiben

Als die neue Abgabe vor ziemlich genau fünf Jahren eingeführt wurde, trat die Branche nämlich wirklich zusammen unter dem neu geschaffenen Dach des BDL auf. Der gemeinsame Feind: die "Luftverkehrsteuer", die nach Einschätzung der Branche jedes Jahr Millionen von Passagiere kosten würde.

Nun war dieses Horrorszenario ein zahnloser Tiger, denn nach der Bankenkrise begannen die Passagierzahlen gerade wieder, sich zu erholen. Die Evaluation des Finanzministers nach einem Jahr Ticketsteuer ergab dann auch: "Eine Milliarde eingenommen, trotzdem steigende Passagierzahlen, alles paletti."

Die Folge: Die Luftverkehrssteuer ist gekommen, um zu bleiben. Das sollte spätestens zu diesem Zeitpunkt jedem klar geworden sein. Darum sollte die Branche jetzt kommunikativ umsatteln. Von: "Wollen wir nicht" zu "Unterstützen wir voll und ganz - aber die Einnahmen müssen wirklich für die Umwelt eingesetzt werden."

Die perfekte Umweltkommunikation

Erinnern wir uns: Woran krankt das Image der Branche? Genau: am Thema Umwelt. Und wofür sollte die Abgabe ursprünglich verwendet werden? Richtig: Für die Umwelt. Wenn es also irgendwo eine bessere Vorlage für glaubhafte Umweltkommunikation geben sollte – man zeige sie mir!

Denn plötzlich ist alles so einfach: In Buchungsmasken und auf Flugtickets ersetzt man "Luftverkehrssteuer" durch "Ihr Beitrag für die Umwelt". Ein paar Flugzeuge beklebt man mit Slogans wie "Schon 4.915.001.250 Euro für die Umwelt!" und in allen Flughäfen hängt eine "Umweltabgaben-Uhr", die sekündlich um 31,71 Euro hoch zählt. Denn so viel sind eine Milliarde Euro im Jahr pro Sekunde.

© brandalism.org.uk, Gedankenflug: Ehrlich kommunizieren schont die Branche und die Umwelt

Gleichzeitig könnte die Branche bei jeder Gelegenheit erzählen, wie enttäuscht sie ist, dass der Finanzminister die Umweltsteuer zweckentfremdet, denn das ist wirklich so. Schon hängt es an der Politik, die es nicht hinbekommt: In Sachen Biokerosin, mehr Elektroautos an den Flughäfen oder für die Förderung von Fluglärm-Forschung.

So würde die Ticketsteuer zum glaubwürdigen Argument gegen so gut wie jeden Umwelt-Vorwurf - und das ganz ohne Zusatzkosten. Die Branche muss die Luftverkehrssteuer einfach nur als gesetzt akzeptieren. Es ist an der Zeit, das beste draus zu machen.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh

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