Hintergrund

Warum Lufthansa für Buffet interessant ist

02.03.2018 - 09:57 0 Kommentare

Einen dreistelligen Milliarden-Betrag verwaltet Investor Buffett mit Berkshire Hathaway. Das Geld möchte er auch in eine Airline investieren. Für ihn lohnt sich der Blick nach Deutschland.

Warren Buffett ist laut

Warren Buffett ist laut "Forbes" der drittreichste Mann der Welt. (Foto: Fortune Live Media, gepostet auf Flickr, CC BY-NC-ND 2.0) © Fortune Live Media

US-Investmentlegende Warren Buffett hat mit der Ankündigung, bei einer Airline einsteigen zu wollen, überrascht. Unklar ist zwar noch, welche Fluggesellschaft er konkret im Blick hat, doch laut Experten habe der deutsche Lufthansa-Konzern nicht die schlechtesten Karten.

Wörtlich sagte der 87-jährige Investor dem US-Sender "CNBC": "Ich würde nicht ausschließen, eine ganze Fluggesellschaft zu besitzen." 2016 war Buffett, mit einem Vermögen von weit mehr als 80 Milliarden Dollar laut “Forbes” der drittreichste Mensch der Welt, in kleinem Stil bei vier US-Carriern eingestiegen.

Die von Buffett gegründete und immer noch geführte Holding Berkshire Hathaway verfügte im abgelaufenen Jahr über fast 120 Milliarden Dollar Barmittel und viele kurzfristige Anlagen. In seinem jährlichen, viel beachteten Brief an die Aktionäre machte Buffett jüngst klar, dass das Unternehmen nach Deals sucht, aber Probleme hat, welche für einen guten Preis zu finden.

In dem Schreiben lieferte Buffett eine Zusammenfassung dessen, was er bei möglichen Akquisitionen sucht: "Wettbewerbsstärken, fähiges und hochwertiges Management, gute Renditen für das Netto-Sachvermögen, das für den Geschäftsbetrieb erforderlich ist, Möglichkeiten für internes Wachstum bei attraktiven Renditen und schließlich einen vernünftigen Kaufpreis."

Auftritt Kranich

Die vier US-Carrier, die er schon im Portfolio hat, könnten ihn nicht auf ganzer Linie überzeugen, so Experten. Deren vor allem wachstumsschwache Prognosen rückten aber eine andere Airline in den Fokus: Lufthansa.

Denn relativ günstig sind Kranich-Papiere zu haben: Die Aktie notiert aktuell bei gut 27 Euro, für das Gesamtjahr erwarten Analysten bis zu 3,8 Milliarden Euro operativen Gewinn. Es ergibt sich also ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gerade einmal sechs. Der Quotient aus Kurs und Gewinn einer Aktie - je mehr Geld die Airline verdient, desto höher steigt der Wert.

Foto: Screenshot investor-relations.lufthansagroup.com / airliners.de

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) liegt ebenfalls über eins. Lufthansa-Aktien sind damit sicherlich nicht die preisgünstigsten, spiegeln aber immer noch in einem ausgewogenen Maße den Substanzwert wieder. Sprich würde man das Unternehmen auf einen Schlag liquidieren, könnte fast vollständig der geschätzte Wert erzielt werden.

Dies ist insofern bemerkenswert, da die wertvollen Start- und Landerechte des Konzerns lediglich als immaterielle Vermögenswerte verbucht werden können, zumal man diese ja nicht verkaufen kann.

Kapitaldecke könnte Buffett locken

Gleichzeitig sank Nettoverschuldung zuletzt deutlich unter drei Milliarden Euro - und damit deutlich unter den Wert des erwarteten operativen Gewinns. Das Zahlenwerk für 2017 stellt der Kranich-Konzern Mitte des Monats vor.

Lufthansa kommt auch beim Kostenmanagement voran: Der Umsatz ging im Gesamtjahr zuletzt zwar leicht zurück, doch das Konzernergebnis stieg um fast fünf Prozent. Das liegt nicht zuletzt an den fast um neun Prozent gesunkenen Personalkosten.

Und auch der Grad der finanziellen Unabhängigkeit könnte Buffett locken. So stieg die Eigenkapitalquote zuletzt von 18 auf gut 20 Prozent. Das ist zwar immer noch ein paar Punkte von dem intern anvisierten Wert (25 Prozent), doch Experten sind damit zufrieden - zumal der angepeilte Grenzwert ersten Schätzungen zufolge im vergangenen Jahr durchbrochen wurde.

Entwicklung der Eigenkapitalquote
Angaben in Prozent
2013 20.9
2014 13.2
2015 18.0
2016 20.6
2017 26.4

Anmerkung: Angabe für 2017 ist eine Prognose. Quelle: Unternehmensangaben, eigene Berechnung

Analysten erwarten weiteres Wachstum

Lufthansa hat sich zudem durch strategische Zukäufe in der Vergangenheit eine "starke Stellung am Markt" erarbeitet. Dies werde dazu führen, dass die Papiere des Konzerns sich auch weiterhin höchstwahrscheinlich gut entwickelten, so mehrere Analysten.

Ein Engagement Buffets bei Lufthansa wäre nicht zuletzt durch die Vorschrift, dass eine EU-Airline unter europäischer Kontrolle bleiben muss, in großem Stil ausgeschlossen. Doch Analysten heben die Dax-Papiere immer noch als Beispiel für Wachstum hervor. Nicht auszuschließen, dass auch Buffett das Potenzial der Aktie erkennt.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Lufthansa-Aktie ist Jahresgewinnerin im Dax

Von: cs
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