Nicht nur bei Lufthansa: Streiks lähmen Airports

10.04.2018 - 15:30 0 Kommentare

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben am ersten Tag vor allem den Luftverkehr beeinträchtigt. Zwar betreffen die Aktionen nur vier Airports, doch die Auswirkungen sind groß. airliners.de fasst die Lage zusammen.

Reisender in Frankfurt: Massive Einschränkungen im Flugverkehr am Dienstag. - © © dpa - Arne Dedert

Reisender in Frankfurt: Massive Einschränkungen im Flugverkehr am Dienstag. © dpa /Arne Dedert

Am ersten Tag der bundesweiten Warnstreikwelle im Öffentlichen Dienst hat die Gewerkschaft Verdi große Teile des Frankfurter Flughafens und des Nahverkehrs in Kassel gelähmt. Nach dem Auftakt am Dienstag mit rund 5500 Beteiligten sind laut Gewerkschaft noch die ganze Woche Arbeitsniederlegungen in Hessen geplant.

Am Mittwoch soll es den Nahverkehr in Wiesbaden sowie das Gesundheitswesen in West- und Südhessen treffen. Kundgebungen sind in der Landeshauptstadt und in Darmstadt geplant.

Betrieb in Frankfurt soll sich schnell normalisieren

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt mussten am Dienstag wegen der Warnstreiks von den ursprünglich 1441 geplanten Flügen mehr als 650 annulliert werden. Betroffen waren rund 90.000 Passagiere, wie der Betreiber Fraport mitteilte.

Das Unternehmen rechnete am Nachmittag mit einer schnellen Normalisierung der Lage nach dem für 18 Uhr geplanten Streikende. "Wir gehen dann davon aus, dass es noch etwa 45 bis 60 Minuten dauert, bis alle Prozessstellen wieder voll besetzt sind und dann wird es auch wieder in den Regelbetrieb übergehen", erklärte Fraport-Sprecher Alexander Zell.

Langstrecken sollen abends nachgeholt

Die betroffenen Fluggäste seien vorab über Umbuchungen oder andere Reisemöglichkeiten informiert worden, so dass in den Terminals relativ wenige Menschen gestrandet seien. Annulliert worden seien vor allem Deutschland- und Kontinentalverbindungen. Viele Airlines planten, ihre Interkontinentalflüge nach Streikende am Abend nachzuholen.

Allein die Lufthansa strich in Frankfurt und an den ebenfalls bestreikten Airports in München, Köln und Bremen zusammen über 800 Verbindungen, wollte am Mittwoch aber wieder das gewohnte Programm abfliegen.

Flugbetrieb in Köln musste komplett eingestellt werden

Unter den Streikenden in Frankfurt waren laut Fraport Beschäftigte aus den Bereichen Flugzeugabfertigung und Flughafenfeuerwehr. Die Nordwest-Landebahn musste für Stunden stillgelegt werden, weil das Personal fehlte. Auch die Flugsicherheitskontrolle sei betroffen.

"Das ist auch das, wodurch wir die extremsten Einschränkungen erwarten." Frankfurt kam aber glimpflicher davon als der Airport Köln/Bonn, wo der Flugbetrieb wegen fehlender Feuerwehrkräfte am Morgen für mehrere Stunden ganz eingestellt werden musste.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske verteidigte auf einer Kundgebung am Frankfurter Flughafen die Ausstände. "Mit der massiven Ausweitung der Streiks setzen wir in dieser Woche deutliche Signale an die Arbeitgeber", sagte er. "Wir haben zwei Verhandlungsrunden hinter uns gebracht, ohne dass irgendwas passiert ist."

Zuvor hatten unter anderem die Lufthansa und der Flughafenverband ADV die Warnstreiks als unverhältnismäßig kritisiert.

Verdi und der ebenfalls beteiligte Deutsche Beamtenbund wollen mit den Warnstreiks Druck aufbauen für die möglicherweise entscheidende Tarifrunde am 15. und 16. April in Potsdam. Verdi fordert für die rund 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

Lufthansa-Streichungen in Deutschland

Deutschlandweit fallen am Dienstag im gesamten Lufthansa-Konzern mit fast 860 von über 1100 Flügen rund 44 Prozent der Verbindungen aus. Prozentual die meisten Streichungen gibt es mit jeweils 75 Prozent in Bremen und Friedrichshafen: Allerdings sind es dort absolut gesehen nur zwölf beziehungsweise drei Streichungen.

Absolut betrachtet werden an den beiden Kranich-Hubs in Frankfurt (352) und München (333) die meisten Verbindungen annulliert, allerdings sind dies auch die größten Standorte der Lufthansa-Group mit 627 beziehungsweise 502 Flügen.

Lufthansa-Group-Flüge in Deutschland
planmäßig annulliert
FRA 43.9 56.1
MUC 33.7 66.3
TXL 74.8 25.2
HAM 79.9 20.1
DUS 91.6 8.4
HAJ 76.9 23.1
CGN 71.7 28.3
BRE 25.0 75.0
STR 89.8 10.2
DRS 63.6 36.4
LEJ 57.1 42.9
NUE 77.1 22.9
FMO 44.4 55.6
PAD 57.1 42.9
FDH 25.0 75.0
DTM 100 0.0
SCN 100 0.0

An den fünf Flughäfen FKB, NRN, HHN, SXF und ERF sind keine Flüge der Lufthansa Group für den 10. April angesetzt. Die Reihenfolge der Airports richtet sich nach der Anzahl der geplanten Abflüge.Quelle: Lufthansa, eigene Berechnung | Stand: 9. April, 16 Uhr

Von: cs, br, dpa
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