FAA nimmt 737-Max-Softwareupdate nicht ab

02.04.2019 - 21:55 0 Kommentare

Das von Boeing bereits öffentlich vorgestellte Update für die Steuerungssoftware MCAS ist in den Augen der FAA noch nicht zertifizierbar. Derweil hat Äthiopien den angekündigten Zwischenbreicht zum 737-Max-Absturz doch nicht veröffentlicht.

Eine Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines. - © © dpa - Mulugeta Ayene/AP

Eine Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines. © dpa /Mulugeta Ayene/AP

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat vom Flugzeugbauer Boeing weitere Nachbesserungen am Softwareupdate für Maschinen vom Typ 737 Max gefordert. Es sei noch "zusätzliche Arbeit" nötig, erklärte die FAA am Montag in einer Mitteilung. Die Behörde erwarte, das endgültige Softwarepaket "in den kommenden Wochen" vorgelegt zu bekommen.

Boeing hatte das dringend erwartete Update bereits vor einer Woche vorgestellt und mitgeteilt, es werde nun so schnell wie möglich ausgerollt.

Boeing teilte nun mit, man werde weiter mit der FAA und anderen Aufsichtsbehörden weltweit zusammenarbeiten, um das Software-Update zu entwickeln und es zertifizieren zu lassen. Der Konzern werde das Update nach der Fertigstellung „in den kommenden Wochen“ der FAA zukommen lassen. „Sicherheit ist unsere oberste Priorität.“ Man werde sich Zeit dafür nehmen, alle Anforderungen zu erfüllen.

Der Konzern präsentierte das überarbeitete Programm und weitere zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für den Flugzeugtyp 737 MAX vor mehr als 200 Piloten, Technikern und Regulierern in seinem 737-Werk in Renton. Dabei vermittelte der Konzern den Eindruck, die Arbeiten an dem Steuerungsprogramm MCAS seien weitgehend abgeschlossen.

"Die FAA wird die Software nicht für eine Installation zulassen, bevor die Behörde mit der Vorlage zufrieden ist", betonte nun die Luftfahrtaufsicht. Das könnte bedeuten, dass die Maschinen deutlich länger am Boden bleiben müssen als erwartet.

Das MCAS Softwareupdate

Die zwei AOA-Sensoren der Boeing 737 Max Foto: Boeing

Boeing hat am 28. März Einzelheiten zu den Änderungen seiner umstrittenen Flugsteuerungs-Software MCAS für die 737 Max vorgestellt:

  • MCAS gleicht von nun die Daten beider AOA-Sensoren (sie messen den Anstellwinkel) ab, bevor es aktiv wird. Wenn die Daten mehr als 5,5 Prozent voneinander abweichen, bleibt das System inaktiv. Hinzu kommt eine Disagree-Anzeige im Cockpit, die im Cockpit vor fehlerhaften Daten warnt.
  • MCAS greift nicht mehr so stark in die Trimmung des Höhenruders ein, dass die Piloten nicht mehr manuell gegensteuern können.
  • MCAS reagiert künftig nur mit einem einmaligen Steuerbefehl auf einen zu hohen Anstellwinkel und nicht wiederholt. So kann ein erratisches Flugprofil wie beim Lion-Air-Absturz verhindert werden.
  • Mehr Informationen zur Änderung der 737-Max-Flugsteuerung auf der Boeing-Webseite

Die FAA erwarte das endgültige Paket der überarbeiteten Software erst "in den kommenden Wochen". Die Software werde danach einer "rigorosen Sicherheitsüberprüfung" unterzogen. Vor dem Abschluss dieser Untersuchung werde man das Update nicht zur Installation freigeben.

Äthiopien hat angekündigten Unfall-Zwischenbericht nicht veröffentlicht

Derweil lässt auch der angekündigte Zwischenbericht zum Absturz der Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines am 10. März auf sich warten. Äthiopien hatte den ersten Zwischenbericht für Montag angekündigt, ihn aber bis jetzt noch nicht veröffentlicht. Die Flugunfallexperten konzentrieren sich Presseberichten zufolge bei ihren Ermittlungen zur Unfallursache auf das automatische Trimmsystem MCAS der Unglücksmaschine.

Damit scheint, dass der Absturz ähnliche Ursachen hatte wie ein Unfall in Indonesien. Im Oktober war eine ebenfalls fast werksneue 737 Max der Lion Air abgestürzt. Die Untersuchungen dort laufen noch. Auch hier hat allerdings ein Zwischenbericht das Probleme mit der automatischen Trimmung als einen auslösenden Faktor identifiziert.

Die Auswertung der Flugschreiber der in Äthiopien verunglückten Boeing lässt nun auf "klare Ähnlichkeiten" mit dem Absturz der baugleichen Maschine in Indonesien schließen, hatte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges bereits erklärt, kurz nachdem französische Experten der Luftsicherheitsbehörde BEA die Daten der Blackboxes ausgelesen hatten.

MCAS soll bei der Boeing 737 Max eigentlich Strömungsabrisse verhindern. Das System wurde nötig, denn Boeing musste die verbrauchseffizienteren, aber im Vergleich zu Vorgängerversionen der 737 auch deutlich größeren und schwereren Max-Triebwerke recht weit vor dem Flügel anbringen. Dadurch veränderten sich auch Aerodynamik der Maschinen - und zwar zum Nachteil.

Nach dem jüngsten Crash erließen Luftfahrtbehörden rund um die Welt daher bis zur Klärung der Unglücksursachen ein Flugverbot für die Boeing 737-Max-Reihe. Die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Flugzeuge müssen daher am Boden bleiben.

Für Boeing sind die Zweifel an dem Kassenschlager, für den nach Angaben des Konzern rund 5000 Bestellungen vorlagen, ein ernsthaftes Problem. Es drohen Entschädigungsforderungen und verschiedene Prozesse. Zugleich stehen auch die Behörden FAA und Easa in der Kritik. Dabei geht es um die Zulassungspraktiken, die das potentiell unsichere System abgenickt haben.

© Boeing, Lesen Sie auch: Schwerwiegende Vorwürfe gegen Boeing nach 737-Max-Abstürzen

Das brisante an den Zulassungspraktiken ist laut amerikanischer Medien, dass Boeing das MCAS offenbar nicht nur selbst entwickelt sondern auch in großen Teilen selbst zugelassen haben soll. Darüber hinaus soll Boeing der FAA verschwiegen haben, dass nachträgliche Änderungen beim MCAS vorgenommen wurden, die den maximalen Trimmausschlag betrafen. Statt 0,6 Grad wie der FAA kommuniziert könne MCAS nach Anpassungen im Testflugbetrieb 2,5 Grad Maximalausschlag geben, schreibt die "Seattle Times" unter Berufung auf Ingenieure - und das auch mehrmals hintereinander. Gleichzeitig sei das System nicht redundant ausgelegt.

Von: dh, dk mit dpa, afp
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