Basiswissen Airline Operations (6)

Was auf dem Vorfeld alles passiert

21.07.2015 - 16:25 0 Kommentare

Auf dem Vorfeld eines Flughafens ist einiges los. Airline-Operations-Spezialist Matthias Baier erklärt, welche Prozesse gleichzeitig ablaufen, wie die Ramp aufgebaut ist und welche Gefahren drohen.

Die Bezeichnung Operations (OPS) wird in der Luftfahrt für unterschiedliche Aufgaben verwendet.  - © © AirTeamImages.com/airliners.de - JHribar/Montage: airliners.de

Die Bezeichnung Operations (OPS) wird in der Luftfahrt für unterschiedliche Aufgaben verwendet. © AirTeamImages.com/airliners.de /JHribar/Montage: airliners.de

Auf dem Vorfeld eines Flughafens werden gleichzeitig verschiedene Tätigkeiten durchgeführt, und das auf engstem Raum. Durch den Verkehr aus schweren Bodengeräten, Flug- und Fahrzeugen ist besondere Aufmerksamkeit und Umsicht erforderlich. Außerdem lassen sich äußere Einflüssen wie Verspätung, Dunkelheit und Wetter nicht durch technische oder organisatorische Maßnahmen vollständig beseitigen. Auch eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) ist deshalb besonders wichtig (siehe Kasten).

Das Vorfeld (Ramp) eines Flughafens umfasst Rollwege und Parkpositionen für Flugzeuge sowie Fahrstraßen und Abstellpositionen für Bodenabfertigungsfahrzeuge. Es unterscheidet sich damit vom Rollfeld eines Flughafens, das die Start- und Landebahnen sowie deren Zu- und Abrollbahnen bezeichnet.

Zur Gefahrenreduzierung sind die Flugbewegungen auf dem Vorfeld von anderem Verkehr weitgehend getrennt. Dort, wo sich Fahrstraßen und Rollwege kreuzen, haben Flugzeuge grundsätzlich Vorrang. Sobald Flugzeuge sich bewegen oder in Bewegung gesetzt werden, müssen sich alle Bodenabfertigungsfahrzeuge außerhalb des Bewegungsbereichs befinden. Dieser Bereich ist durch eine rote Markierungslinie gekennzeichnet.

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Auf dem Vorfeld besteht für alle Mitarbeiter die Verpflichtung, besondere Arbeitskleidung zu tragen. Diese sorgt mit ihrer Leuchtfarbe am Tage für Auffälligkeit, und bei Dunkelheit sorgen reflektierende Streifen dafür, dass man sich visuell deutlich von der Umgebung abhebt und gesehen wird. Wichtig ist auch die Wetterschutzbekleidung. Sie schützt vor niedrigen Temperaturen und Feuchtigkeit. Häufig wird dieser Wetterschutz mit auffälliger Arbeitskleidung kombiniert.

Ramp Agents der Acciona in Berlin-Tegel. Foto: © Berliner Flughäfen, Günter Wicker

Vor allem in Bereichen der Be- und Entladung von Luftfahrzeugen besteht die Gefahr von Verletzungen, insbesondere Fußverletzungen. Darum müssen bei aktiver Beteiligung an diesen Arbeiten Schutzschuhe getragen werden. Auf der Abfertigungsposition ist eine Vielzahl von Aggregaten und Maschinen in Betrieb. Der dabei verursachte Lärm kann das Gehör dauerhaft schädigen. Deshalb müssen die Arbeiter ständig Gehörschutz tragen.

Auf dem Vorfeld gilt immer das Motto: "Sehen und gesehen werden". Es versteht sich von selbst, dass zur Vermeidung von Gefahren neben der PSA auf dem Vorfeld eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten ist. Hektik, Unachtsamkeit und nicht-dienstbezogene Aktivitäten (zum Beispiel privates Telefonieren) können sehr schnell zu einem Unfall führen. Bei nur geringstem Zweifel an der Sicherheit und dem Gefahrenschutz ist die Arbeit einzustellen und eine klare Situationsanalyse vorzunehmen.

Gefahren durch schweres Gerät und brennbare Flüssigkeiten

Bei der Abfertigung von Flugzeugen sind viele schwere Geräte im Einsatz, das Gefahrenpotenzial für das eigene Leben und das der Kollegen ist sehr hoch. Darüber hinaus besteht auch die Gefahr von Sachbeschädigungen. Schon eine Notbremsung eines Verkehrsflugzeuges auf dem Vorfeld oder gar eine Kollision mit Geräten, wie zum Beispiel einem Abfertigungsfahrzeug, kann zu Schäden in Millionenhöhe führen.

Sehr wichtig ist der Schutz vor Feuer. Denn im Vorfeldbereich gibt es viele entzündliche Flüssigkeiten. An den Flugzeugparkpositionen müssen daher Feuerlöscher vorhanden sein und es gilt absolutes Rauchverbot. Fluchtwege sind bei der Abfertigung immer freizuhalten. Insbesondere der Tankwagen muss zu jeder Zeit einen freien Fluchtweg haben und darf niemals durch andere Abfertigungsfahrzeuge behindert werden.

Ein Flugzeug wird betankt. Foto: OMV Aktiengesellschaft,

Bevor die Triebwerke des Flugzeuges angelassen werden, schaltet die Cockpitbesatzung das Zusammenstoßwarnlicht ein (Anti-collision Light). Es ist ein in der Mitte des Flugzeugrumpfes oberhalb und unterhalb angebrachtes Blink- oder Blitzlicht in roter Farbe. Personal in der direkten Umgebung des Flugzeuges - also mit weniger als fünf Metern - muss diesen Bereich bei eingeschaltetem Anti-Collision Light sofort verlassen.

Denn es droht unmittelbare Gefahr durch Bewegungen der hydraulisch betätigten Steuerelemente und vor allem durch die von den Triebwerken verursachten Luftströmungen, sowohl vor (Ansaugen von Luft) als auch hinter dem Triebwerk (bis zu 450 Grad Celsius heiße Abgase). Nur noch Personal, das über Sprechkontakt mit der Cockpitbesatzung verfügt, darf sich dort aufhalten. Das Anti-Collision Light bleibt bis zum Abstellen der Triebwerke nach Einrollen auf die Parkposition eingeschaltet.

Bei der Abfertigung läuft vieles gleichzeitig ab

Sobald das Flugzeug die Parkposition erreicht hat, beginnen die unterschiedlichsten Prozesse. Servicefahrzeuge werden auf der rechten Seite des Flugzeuges (in Flugrichtung) auf dem Vorfeld bereitgestellt, während Fluggastbrücken oder mobile Zugangstreppen an der linken Seite des Flugzeuges (in Flugrichtung) angebracht werden. Anschließend verlassen die Passagiere das Flugzeug. Dieser Vorgang kann bis zu 20 Minuten dauern.

Parallel zum Aussteigen der Passagiere erfolgt das Entladen der Laderäume. Begonnen wird mit zeitkritischem Gepäck, also Gepäck von Passagieren mit Anschlussflügen. Die Laderäume sind schon entladen, wenn die letzten Passagiere von Bord gehen und die Koffer werden zur Gepäckausgabe transportiert. Anschließend wird mit der Beladung für den nachfolgenden Flug begonnen.

Dazu werden bei Containernutzung Hubwagen und Dollys (Bodengerät zum Transport von Lademitteln) eingesetzt. Lose Ladung wird manuell ent- und beladen. Dies erfordert sehr viel Zeit und eine ausreichende Anzahl an geschultem Ladepersonal. Wenn die Lage der Laderaumtüren es erfordert, werden Förderbandwagen eingesetzt.

Um die Ladevorgänge am Flugzeug möglichst schnell durchzuführen, sind zur Entladung eine ausreichende Anzahl leerer Transportmittel zur Beladung möglichst großer Teile auf der Flugzeugposition vorab bereitzustellen. Im Hinblick auf die oft kritische Masseverteilung im Flugzeug ist bei der Beladung besonders die richtige Beladereihenfolge zu berücksichtigen. Dies erfolgt durch reihenfolgegerechte Bereitstellung der Ladung zur Verteilung auf die einzelnen Laderäume. Die Entladung sollte zur Vermeidung von Hecklastigkeit in den hinteren Frachträumen beginnen, die Beladung in den vorderen Frachträumen.

© AirTeamImages.com/airliners.de, JHribar/Montage: airliners.de Lesen Sie auch: Bei der Beladung kommt es auf die Verteilung an

Sobald die Passagiere von Bord sind, kann mit dem Saubermachen der Kabine durch das Reinigungspersonal und mit dem Auftanken begonnen werden. Dies dauert beispielsweise bei einer Boeing 737-800 ungefähr 15 Minuten. Ebenso werden die Behälter der Bordverpflegung (Catering) ausgetauscht. Auch ein eventueller Wechsel der Besatzung kann nun durchgeführt werden. Notwendig sind zusätzlich der Toilettendienst und das Auffüllen der Frischwassertanks.

Zum Schluss kommt ein letzter Rundgang

Das Tanken, die Reinigung des Flugzeuges und das Catering sowie ein eventueller Crew-Wechsel müssen abgeschlossen sein, bevor die neuen Passagiere mit dem Einsteigen beginnen. Dies geschieht etwa 20 Minuten vor Abflug und bedarf der Absprache zwischen Crew und Ramp Agenten. Sobald alle Passagiere an Bord angeschnallt sitzen, das Handgepäck sicher verstaut ist und die Beladung in den Frachträumen abgeschlossen ist, führt der Ramp Agent seinen letzten Überprüfungsrundgang durch.

Dabei achtet er insbesondere darauf, dass alle Türen und Klappen geschlossen sind und sich keine Bodenabfertigungsfahrzeuge am Flugzeug oder in der unmittelbaren Nähe befinden. Den Abschluss des Rundganges meldet der Ramp Agent der Cockpitbesatzung über ein Headset. Der Anschluss des Headsets findet sich im Bereich des Bugfahrwerkes.

Ein Airbus A320 wird von einem Schleppfahrzeug gezogen. Foto: © FMG, Andr

Falls aufgrund der Parkposition nötig ist, schiebt ein Flugzeugschlepper das Flugzeug von der Position auf den Rollweg (Push-back). Die Piloten lassen die Triebwerke an, sobald sie die Anlassfreigabe von der Flugsicherung erhalten haben. Der Ramp Agent überwacht den Anlassvorgang von außen und signalisiert den Piloten nach Lösen des Headsets durch den erhobenen Daumen, dass keine Hindernisse in der Umgebung des Flugzeuges existieren.

Der Abfertigungsvorgang ist mit Losrollen des Flugzeuges aus eigener Kraft "rampseitig" beendet. Es folgen die Meldungen über Abflugzeit und Beladungsverteilung und der Ramp Agent eilt zum nächsten Flugzeug.

Im nächsten Teil werden wir uns die Laderäume anschauen. Es geht unter anderem um Limits, Ladegrundsätze und die Sicherung der Fracht.

Über den Autor

Einmal im Monat veröffentlicht Airline-Operations-Experte Matthias Baier auf airliners.de ein neues Basiswissen-Tutorial. Alle Luftverkehrs-Tutorials lesen.

Matthias Baier Matthias Baier ist Lehrer bei der Schule für Touristik in Frankfurt und Autor des Fachbuchs "Operations", aus dessen aktualisierter Version airliners.de einen Auszug veröffentlicht. Übungsaufgaben hierzu finden Sie im Gästebereich der Lernplattform der Schule für Touristik.

Von: Matthias Baier für airliners.de
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