UFO scheitert mit Gesamtpaket

Vorerst kein Lufthansa-Kabinenstreik

17.08.2012 - 16:30 0 Kommentare

In der nächsten Woche wird es noch keine Streiks bei der Lufthansa geben. Die Signale stehen aber auf Sturm: Die Gewerkschaft UFO hat die Gespräche zu wichtigen Strukturfragen des Konzerns aufgekündigt.

Eine Lufthansa-Flugbegleiterin steht in der neuen Business Class der 747-8 Intercontinental - © © dpa - Arne Dedert

Eine Lufthansa-Flugbegleiterin steht in der neuen Business Class der 747-8 Intercontinental © dpa /Arne Dedert

Das Kabinenpersonal der Lufthansa hat die Entscheidung über einen Streik verschoben. "Ob ein Arbeitskampf beginnt, wird sich kommende Woche entscheiden", sagte der Verhandlungsführer der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO), Dirk Vogelsang, am Freitag in Frankfurt am Main. Bis spätestens kommenden Mittwoch habe die Lufthansa ein neues Angebot zur Vergütung des Kabinenpersonals zugesagt. Allerdings werde dieses Angebot zentrale Punkte, über die man bislang mit dem Unternehmen verhandelt habe, aussparen.

Der UFO-Vorsitzende Nicoley Baublies nannte die Verhandlungen mit der Lufthansa "maßlos enttäuschend". Gegenstand der Gespräche seien seit vergangenem Jahr auch die Regelung von Leiharbeit, die Ausflaggung von Maschinen zu einer Billigtochter und die Einstufung von beschäftigten nach der Ausbildung gewesen. Dazu sei aber in den am Donnerstag erfolglos beendeten Verhandlungen wieder nichts gekommen. "Wir mussten die Gespräche über dieses Verhandlungspaket nun beenden", sagte er.

UFO kritisiert ein "Paket der Grausamkeiten"

Über das erwartete Lohnangebot will UFO nun kommende Woche mit der Lufthansa sprechen. Obwohl dies nie das Ziel der Gewerkschaft gewesen sei, müsse UFO dann nur noch über Vergütung verhandeln, sagte Baublies.

Die rund 18.000 Flugbegleiter fordern von der Lufthansa fünf Prozent mehr Geld. "Um uns auf ein Gesamtpaket mit allen wichtigen Punkten zu einigen, waren wir nach mehreren Nullrunden sogar zu schmerzhaften finanziellen Einschnitten bereit", berichtete der UFO-Vorsitzende. Lufthansa habe am Donnerstag aber ein "Paket der Grausamkeiten" vorgelegt.

Lufthansa sei fest entschlossen, 2.000 dann niedrig bezahlte Flugbegleiterjobs in die Gesellschaft für Direktflüge auszulagern, sagte Baublies weiter. Die Gründung der Billigtochter sei Teil des Lufthansa-Programms Score, das bis 2014 rund 1,5 Milliarden Euro einsparen solle. Auch für schon in der Kabine eingesetzte Leiharbeiter habe Lufthansa nur ein unakzeptables Angebot vorgelegt, erklärte Baublies. "Für deren Übernahme soll zu den gleichen miserablen Bedingungen einfach eine neue Tarifgruppe geschaffen werden", sagte er.

Lohnverhandlungen entscheiden über Ausstand

Über den Weg, das Vergütungsangebot der Lufthansa kommende Woche abzulehnen, könnte sich UFO dann für einen Streik entscheiden, sagte Verhandlungsführer Vogelsang. Der Anwalt kritisierte die Unternehmenspolitik der größten deutschen Fluggesellschaft. "Wenn die Kabine nicht mehr zum Unternehmen steht, bröckelt das Produkt. Das sagen auch Lufthansamanager", sagte er zudem. UFO ließ offen, ob es bereits kommende Woche zu vereinzelten Arbeitsmaßnahmen der Flugbegleiter kommen wird.

Von: dpa, dapd
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