Gedankenflug

Von Lufthansa-Hasen und Ryanair-Igeln

20.03.2018 - 17:49 0 Kommentare

Ein listiger Igel schafft es, das "Air-Berlin-Filetstück" Niki für sich zu gewinnen. Ein überheblicher Hase schaut in die Röhre. Schade nur, sagt airliners.de-Herausgeber David Haße, dass Fabeln immer dann aufhören wenn es spannend wird.

Igel vs. Hase - © Montage: © airliners.de - AirTeamImages.com, Chris Jilli, Matthieu Douhaire

Igel vs. Hase Montage: © airliners.de /AirTeamImages.com, Chris Jilli, Matthieu Douhaire

Kennen Sie die Geschichte vom Hasen und dem Igel? Mit List und einem Helfer gewinnt der Igel ein langes Wettrennen um einen Golddukaten und eine Flasche Schnaps gegen einen überheblichen Hasen. Der müht sich ab, macht dabei eigentlich alles richtig - und zum Schluss wird er doch abgehängt beziehungsweise überlistet.

So ähnlich wie der Hase muss sich wohl gerade die Lufthansa fühlen: Über hundert Mann, so hört man, soll Lufthansa-Chef Carsten Spohr für das Projekt "Air-Berlin-Übernahme" abgestellt haben. Monatelang wurde überlegt, ewig gekämpft und neu justiert - und zum Schluss gehen die interessantesten Teile wohl doch an Ryanair.

Dabei hatte Germanwings-Air-Berlin-Chef Winkelmann die Pleite-Airline extra noch schnell neu aufgestellt: Das große Mallorca-Programm und die schönsten Flugzeuge wurden zum "Air-Berlin-Filetstück Niki" zusammengefasst, perfekt für die Integration bei Eurowings.

Aber der Lufthansa-Billigflieger kommt am Ende nicht in den Genuss des Festmahls - obwohl sogar die Bundesregierung tatkräftig mitgeholfen hatte. Zu oft hatten die Igel listig geklagt und nach der EU gerufen. Und selbst ein anderer Hase, die IAG, kann sich nicht am Filet laben … es teilen sich am Ende die zwei Igel: Niki Lauda und Michael O'Leary. Sie haben die Hasen erfolgreich vor sich hergetrieben.

Die echte Geschichte hört hier nicht auf

Die Fabel endet hier. Leider ist nicht überliefert, in wie weit nicht doch noch jemand anderes um die Ecke kommt oder ob sich die zwei Igel nach dem Rennen noch um den Preis streiten. Aber genau hier wird es nun noch einmal richtig spannend.

Wer Ryanair kennt, der weiß nämlich, dass 25 Prozent von Lauda Motion nicht das Ziel sein können. Und selbst wenn die EU-Kommission mitspielt, wird es wohl langfristig kaum bei 75 Prozent bleiben. Denn eigentlich mag Ryanair lieber allein wachsen. Beteiligungen: zu kompliziert.

Bislang hat Ryanair nur ein einziges Mal zugeschlagen und wissen Sie was: Es dauerte kaum ein Jahr, dass die gelben Buzz-Flugzeuge mit der Blume am Heck von den Flughäfen verschwunden waren und blau/gelbe Leitwerke der neuen Mutter alle Slots und Marktzugänge übernommen hatten. So kam Ryanair unter anderem nach Berlin und Buzz ist Geschichte.

Jetzt kommt Ryanair mit Lauda also nach Düsseldorf, Wien und Zürich - quasi ins Herz des Lufthansa-Territoriums. Und auf Mallorca greifen die Iren sogar nach der Marktführerschaft.

Aber wer ist dann eigentlich Hase und wer Igel, wenn man auf Mallorca, nach Italien oder nach Irland schaut? Nicht umsonst hat die EU-Kommission der Ryanair bereits mehrfach verboten, die "kleine irische Regionalairline" Aer Lingus zu schlucken. In Italien ist Ryanair die Nummer eins. Es erscheint mir daher recht klar, wer als nächstes nach der EU-Kommission ruft.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann beschäftigt sich seit 2007 professionell mit den Themen der Luftverkehrswirtschaft und Luftverkehrspolitik.
Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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