Rückblick

Von Industrie-Wettrennen und Offenbarungen eines Managers

02.12.2018 - 09:00 0 Kommentare

Airbus macht im Wettstreit mit Boeing um das "Middle of the Market"-Segment Tempo und der Chef von Wizz Air erklärt die Erfolgsformel seines Low-Costers. Was von dieser Woche übrig bleibt.

  - © © Fotos: AirTeamImages.com/OlivierG; Wizz Air; Hannover Airport; Dechow; Fotolia/tanaonte [M] -

© Fotos: AirTeamImages.com/OlivierG; Wizz Air; Hannover Airport; Dechow; Fotolia/tanaonte [M]

Ambitioniert

Airbus und Boeing haben einen neuen Schlachtplatz auserkoren: das "Middle of the Market"-Segment - sprich: Langstreckenflugzeuge mit weniger Sitzen. Während Boeing die Diskussion über eine "797" auf nächstes Jahr verschoben hat, nimmt Airbus die Marktsparte nun von zwei Seiten in die Mangel: Vom unteren Bereich kommt die eigentlich für die Mittelstrecke gedachte A321 Neo in neuer Longhaul-Version - und von oben will Airbus eine leichtere Ausführung der A330 Neo in den Kampf schicken. Die Europäer machen also im Wettrennen Tempo. Dabei hieß es noch im Sommer, dass man erst einmal auf die Pläne aus Seattle warten wolle. Aber wie wusste schon der amerikanische Schauspieler Groucho Marx: "Es gibt kein schöneres Geräusch als das Zähneknirschen eines Konkurrenten."


Offenbart

Wizz Air ist in diesem Jahr in Deutschland um 26 Prozent gewachsen, kämpft wie alle Airlines mit einem dicken Minus im Performance-Bereich und fährt dennoch weiter Millionengewinne ein. Das Geheimnis sind die Zusatzverkäufe, offenbart CEO George Michalopoulos im Gespräch mit unserer Redaktion. "Unsere Ticketpreise konnten wir senken, indem wir unser Angebot an Zusatzleistungen immer weiter ausgebaut haben." Sagenhafte 40 Prozent machten die Ancillaries beim ungarischen Low-Coster aus, der auch an etlichen Flughäfen in Deutschland unterwegs ist. Die Konkurrenz von Eurowings heißt nicht mehr nur Easyjet und Ryanair.

© Wizz Air, Lesen Sie auch: "In Westeuropa wächst Wizz Air opportunistisch" Interview


Verworren

In knapp vier Monaten brechen die Briten mit der Europäischen Union. Aus Brüsseler Sicht ist nun alles getan, um ein milliardenschweres Chaos nach dem Brexit noch abzuwenden - jetzt liegt es an Premierministerin Theresa May dieses Scheidungsabkommen als den "Only Deal" durchs House of Commons zu bringen. Dort kommt es am 11. Dezember zur alles entscheidenden Abstimmung. Der Brexit hat also vor dem 29. März 2019 noch einen anderen Showdown. Es gilt Goethe: "Unmöglich ist's, den Tag dem Tag zu zeigen, der nur Verworrnes im Verworrnen spiegelt."


Umgekehrt

Während die deutsche Politik am Beispiel Ryanair gerade die lückenhafte Mitarbeitermitbestimmung von fliegendem Personal durchexerziert, horcht man auch bei Lufthansa auf. Denn direkt hinter den Iren stehen die Pranger für die Lufthansa-Joint-Venture-Projekte Sun Express und Aerologic. Warnte der Kranich-Vorstand kürzlich Arbeitsminister Heil noch vor einer Gesetzesänderung, will Sun Express angesichts des Eingreifens der Bundesregierung nun mit den Gewerkschaften reden. Sehen wir hier etwa, wie eine politisch verwässerte SPD wahrhaftig einen Wirtschaftskonzern zur Kehrtwende zwingt?


Teuer

Vor über einem Jahr hob der letzte Air-Berlin-Flug ab. Lufthansa, Easyjet und Co. traten in ein wahres Wettrennen um die Assets ein, in dessen Folge sie nicht nur den Himmel mit Überkapazitäten verstopften, sondern auch massig Geld verbrannten. Nach unseren Recherchen mussten die "Big Four" der Air-Berlin-Filetierung in diesem Jahr fast eine halbe Milliarde Euro an Kosten stemmen. Zuletzt hatte Air Berlin allerdings das Achtfache dessen als Schulden ausgewiesen. Das Minus ist nicht weg - denn übernommen hat den Schuldenberg keine der Konkurrentinnen. Merke: Die Nachfolge von Air Berlin haben viele angetreten, ohne direkte Nachfolger zu sein.

© Air Berlin, Andreas Wiese Lesen Sie auch: So viel kostet Air Berlin Bilanz

Carlo Sporkmann


Die vergangene Woche wurde kommentiert von Carlo Sporkmann. Der studierte Journalist kam nach Stationen unter anderem beim "Handelsblatt" Anfang 2017 zu airliners.de und leitet die Redaktion des meistzitierten Luftverkehrsnachricbtenportals Deutschlands.




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Von: cs
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