Von Flug-Chaos bis Brexit - Diese Themen dominieren die ITB

04.03.2019 - 07:07 0 Kommentare

Auf der ITB kommt diese Woche die Branche in den Berliner Messehallen unter dem Funkturm zusammen. Auf der Agenda stehen in diesem Jahr gleich mehrere Krisen. Airline-Pleiten, Brexit und Klimawandel sind nur einige Themen.

Fahnen vor dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm - © © Messe Berlin -

Fahnen vor dem Messegelände unter dem Berliner Funkturm © Messe Berlin

Auf der Reisemesse ITB in Berlin (6. bis 10. März) trifft sich jährlich auch die Luftfahrtbranche. Während die Besucher am Wochenende Inspirationen für ihre nächsten Reisen suchen, diskutieren die Reise-Experten aus allen Segmenten der Tourismusindustrie an den Fachbesuchertagen von Mittwoch bis Freitag auch akute und langfristige Probleme des Tourismus: Airline-Pleiten und Flugchaos, Brexit-Risiko, Umweltprobleme und zunehmende Massen an Gästen in besonders beliebten Zielen. Was wichtig wird:

1. Chaos am Himmel und wertlose Flugtickets

Erst Air Berlin, dann Small Planet, Azur Air und Germania, kurz darauf Fly BMI: Wenn Fluggesellschaften pleite gehen, bleiben viele Kunden auf dem Geld für ihre gebuchten Tickets sitzen. Das betrifft Passagiere, die keine Pauschalreise gebucht haben. Der Frust darüber ist groß, Verbraucherschützer erwarten Lösungen. Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) fordert nach den Airline-Pleiten der letzten Monate eine Insolvenzabsicherung für Airlines. Ob und wann diese jedoch kommt, ist völlig offen.

Hinzu kommt die Sorge, wie stabil der Flugverkehr im Sommer sein wird. Im Jahr 2018 waren unzählige Urlaubsflüge unter anderem wegen der Spätfolgen der Air-Berlin-Pleite ausgefallen oder verspätet. Die betroffenen Kunden warteten teils vergeblich auf rechtmäßige Entschädigungen. Andere - wie beispielsweise Direktkunden bei der Germania - haben ohnehin kaum Chancen auf eine Erstattung der stornierten Flüge.

© Freie und Hansestadt Hamburg, Roland Magunia Lesen Sie auch: Luftfahrtgipfel: Nächstes Treffen findet am 28. März statt

Auch an den deutschen Flughäfen lief vieles nicht rund, etwa wegen langsamer Sicherheitskontrollen. So wurde die schönste Zeit des Jahres für viele Urlauber zur großen Enttäuschung. Eine Situation wie 2018 soll sich nicht wiederholen. Doch die Fluglotsengewerkschaft GdF hat bereits vor einem neuerlichen Chaos im europäischen Luftverkehr im kommenden Sommer gewarnt.

2. Der Brexit und seine Folgen

Großbritannien verlässt die EU. Doch zu welchen Bedingungen und mit welchen Folgen, ist immer noch ziemlich offen. Der Brexit dürfte auch große Auswirkungen auf den Reiseverkehr haben. "Das wird sicher ein Thema sein", sagt David Ruetz, Leiter der ITB. Eine Veranstaltung auf der Messe heißt "Großbritannien-Tourismus am Scheideweg".

Die größte Unsicherheit betrifft die Flüge: Die EU-Kommission hat einen Notfallplan vorgelegt, wonach der Flugverkehr bei einem harten Brexit für eine Übergangsfrist bis Ende 2020 aufrechterhalten werden soll. Wie es längerfristig aussieht, weiß niemand. Von den Stornierungen sind potentiell nicht nur Flüge von und nach Großbritannien betroffen. Innereuropäische Flüge sind aber für UK-Airlines bei einem harten Brexit nicht mehr möglich. Deshalb hat beispielsweise Easyjet bereits eine Tochter in Österreich aufgebaut.

Aber der Brexit birgt für den Flugverkehr weitaus größere Probleme. Weil EU-Fluggesellschaften laut Gesetz mehrheitlich von Eigentümern aus der EU kontrolliert werden müssen, sind vom Brexit auch Airlines aus anderen EU-Ländern betroffen. In Deutschland haben Condor (Eigentümer Thomas Cook) und Tuifly (Der Tui-Konzern hat zum Großteil britische Anteilseigner) ein größeres Problem. In Spanien gehören beispielsweise Iberia und Vueling zum britischen IAG-Konzern. Auch für das Thema Ownership & Control gibt es eine Übergangsfrist: Bis Oktober 2019 haben EU-Airlines Zeit, Ihre EU-Besitzverhältnisse gesetzeskonform neu zu regeln, ohne ihre EU-Zulassung zu verlieren.

3. Weniger fliegen? - Urlaub in Zeiten des Klimawandels

Es ist eine unangenehme Frage für die Tourismusbranche: Müssten wir alle nicht viel weniger fliegen, um den Klimawandel zu bremsen? Die globale Erwärmung soll in diesem Jahrhundert maximal 1,5 Grad betragen. Entscheidend dabei ist, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Jeder einzelne Bürger trägt aber besonders durch die boomenden Kreuzfahrten und Flugreisen genau zu diesen Emissionen bei - ein Dilemma. Denn das Reisen hat schließlich auch viele Vorteile, ob als Wirtschaftsfaktor und zur Völkerverständigung.

Nachhaltigkeit ist auf dem ITB-Kongress ein Schwerpunktthema. Die Kernfrage lautet: Können wir in Anbetracht der internationalen Klimaziele in Zukunft noch so reisen wie bisher? Wissenschaftler erläutern den Status quo und mögliche Maßnahmen. Eine kurzfristige Verhaltensänderung ließe sich wohl nur durch Preissteigerungen erreichen, sagt Ruetz und fragt: "Wollen wir das Erlebnis Reisen einschränken?"

4. Overtourism: Kampf den Besuchermassen

Amsterdam, Venedig, Dubrovnik: Viele beliebte Reiseziele in Europa leiden unter wachsenden Touristenströmen - zum Beispiel weil durch die Vermietung von Wohnungen an Urlauber die Mieten steigen oder zu viele Kreuzfahrtgäste gleichzeitig an Land gehen. Schon Hans Magnus Enzensberger stellte fest, dass der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. Wie dies zu verhindern ist, darüber wird auf der ITB auch in diesem Jahr wieder intensiv diskutiert.

In vielen Städten hat sich schon einiges getan, es gibt eine Reihe von Pilotprojekten - aber auch drastische Maßnahmen. Gerade erst kündigte die Stadt Paris an, den Unterkunftsvermittler Airbnb auf eine "Rekordstrafe" zu verklagen, da illegale Touristenunterkünfte die Mieten erhöhten. Die Messe zieht Zwischenbilanz: Welche Maßnahmen haben sich bewährt, um die Besuchermassen besser zu steuern? Das Reiseportal Travelzoo wird eine Studie zu Overtourism vorstellen, die das Thema aus Sicht internationaler Urlauber beleuchtet.

5. Luxustourismus

Einen besonderen Fokus setzt die ITB nicht zuletzt auf das Thema der Luxusreisen. Touristiker müssten hohe immaterielle Luxusansprüche erfüllen, Bling Bling sei längst out - zugegeben eine nicht ganz neue These. Nach Ansicht von Ruetz geht es beim "neuen Luxus" um Faktoren wie Zeit, saubere Luft, besondere Dienstleistungen und Geheimtipps, die von der Masse noch unentdeckt sind. Damit passt die Luxus-Debatte zu den Themen der Stunde: Klimawandel und Overtourism.

Von: dpa, dh
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Sun-Express-Chef Jens Bischof im Interview mit airliners.de "Ein großer Teil der Konsolidierung ist Rightsizing"

    Interview Sun-Express-Chef Jens Bischof spricht im airliners-de-Interview über die Eurowings-Langstrecke in Frankfurt, die Konsolidierung der Branche und warum er trotz der Germania-Lücken nicht an jedem Regionalflughafen Maschinen stationiert.

    Vom 12.04.2019
  • Ein Passagier wartet in der Abfertigungshalle des Flughafens München. Bundeskartellamt warnt vor Vergleichsportalen

    Vergleichsanbieter führen Verbraucher oft in die Irre. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung des Bundeskartellamts. Auch Flugvergleiche sind nicht immer transparent. Viele Portale gehören zudem den selben Anbietern.

    Vom 15.04.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus