Rückblick

Von vorprogrammierten Erfolgen und kämpferischen Chefs

11.11.2018 - 09:00 0 Kommentare

VLM kauft die deutsche Small Planet: Für die Belgier ist eine Insolvenz kein unbekanntes Terrain - der Erfolg ist also vorprogrammiert. Indes beeindruckt uns ein Airport-Chef mit seinem Kampfeswillen. Was von der Woche übrig bleibt.

   - © Fotos: AirTeamImages.com/Jan Severijns, Ralf Meyermann, Chris Jilli; Flughafen München [M] -

Fotos: AirTeamImages.com/Jan Severijns, Ralf Meyermann, Chris Jilli; Flughafen München [M]

Erfolgreich?

Die deutsche Small Planet ist verkauft. Am Mittwochabend und damit ziemlich genau sieben Wochen nachdem der Ferienflieger den Schritt in ein selbstorchestriertes Insolvenzverfahren gewagt hatte, unterschrieb der belgische Chartercarrier VLM den Kaufvertrag. Aber Achtung: große Verwechselungsgefahr - diese VLM hat nicht mehr viel mit jener VLM zu tun, die im vergangenen Jahr pleite ging. Denn die neue VLM ist aus der Asche der einstigen Regionalairline geboren - also quasi eine VLM 2.0. Und diese fliegt seit dem Charter. Damit sind die perfekten Bedingungen geschaffen, um mit Small Planet zum Ruhm zu gelangen - glaubt man zumindest Henry Ford: Das Geheimnis des Erfolgs ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen.


Kämpferisch

Die bayerischen Wähler haben ihr Kreuz nicht nur für eine neue Landesregierung gemacht, sondern auch quer durch die Pläne der dritten Bahn am Flughafen München. Die liegen nun erst einmal auf Eis, was die Luftfahrtverbände natürlich stark kritisieren. Aber auch hier gibt es Abstufungen: Während die ADV laut "Alarm" ruft, wird die Glocke beim BDL etwas verhaltener geschlagen - vermutlich auch, weil ein Verbandsmitglied jüngst erklärte, man könne auch noch ein paar Jahre auf den Ausbau warten. Auch das ist Lobbyarbeit.

© airliners.de, Benjamin Recklies Lesen Sie auch: "Es werden nur noch Knappheiten verwaltet" Interview mit Michael Kerkloh

Das absehbare Aus für die Piste in München ist auch ein Rückschlag für Flughafenchef Kerkloh, der seit zwölf Jahren an dem Projekt feilt und im kommenden Jahr eigentlich mit einer fertigen Bahn als Vermächtnis in den Ruhestand gehen wollte. Im Interview mit airliners.de konstatiert er: "Wir haben Baurecht" und man brauche sieben Jahre ab Start bis die Piste ans Netz geht. Hut ab: Hier spricht einer, der sein Denkmal-Projekt trotz jahrelanger Warterei noch nicht aufgegeben hat


Abgeblitzt

Lufthansa will den deutschen Markt ganz für sich allein: Kranich-Lenker Spohr fordert weniger Slots - damit andere Airlines nicht weiter wachsen können. Damit verprellte er zuerst die Flughäfen, die sich naturgemäß über mehrere Kunden freuen. Und nach unseren Recherchen lehnt auch die Bundesregierung die Wachstumsbremse ab. Lufthansa wird die Reaktion aus Berlin vorausgeahnt haben, denn die PR-Abteilung predigte jüngst: "Wir brauchen qualitatives Wachstum." Oder anders gesagt: Billige Konkurrenz - Pfui, Lufthansa: Hui! Der Begriff "qualitatives Wachstum" sagt im Subtext nicht nur "Schuld sind alle außer uns", sondern hat in der Branche auch großes Potenzial Unwort des Jahres zu werden.


Experimentell

Angesichts des Fakts, dass am Himmel kaum ein anderer Konzern in allen relevanten Geschäftssparten (Netzwerk, Point-to-Point, Cargo, MRO) die Dominanz einer Lufthansa besitzt, könnte man den Kopf in den Sand stecken. Genau das macht Aviation-Management-Professor Christoph Brützel aber nicht und analysiert in seiner neuen Kolumne, welche Risiken beispielsweise Lufthansa ihrer Flugplanung mit der Fokussierung auf die Multi-Hub-Strategie zumutet. So könne die Aufteilung des Marketingmixes auf die einzelnen Drehkreuze Frankfurt, München, Wien und Zürich nur eine Übergangslösung sein. Brussels Airlines mit eigenem Hub konsequent zu Eurowings zu rechnen, ist laut Brützel ein "Experiment". Die Lektüre des Beitrags sei an dieser Stelle nicht nur Lufthansa empfohlen.

© Brützel, Lesen Sie auch: Das Netzmanagement der Airlines im Wandel (1) Aviation Management


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Von: cs
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