Airline-Konsolidierung

Vom Kampf um die Lufthoheit über Europa

20.11.2008 - 17:50 0 Kommentare

Der Kampf der Lufthansa mit Air France-KLM um die «Lufthoheit» in Europa rückt in eine entscheidende Phase. Krise hin, Krise her: Die Franzosen geben das Ringen um die österreichische AUA nicht auf und hoffen bei Alitalia auf den Durchbruch. Gleichzeitig schreitet ihr Bündnis mit den US-Fluggesellschaften Delta und Northwest voran, das ein Viertel des Nordatlantik-Marktes beherrschen soll. British Airways gerät dabei zunehmend ins Hintertreffen. Die Karten werden neu gemischt, und das mit einer rasanten Geschwindigkeit.

Konsolidierung: Die Karten werden neu gemischt. - © © airliners.de -

Konsolidierung: Die Karten werden neu gemischt. © airliners.de

Fusionen, Übernahmen und Beteiligungen

In fast allen Regionen der Welt konsolidiert sich der Airline-Markt. Auch in den USA und in Europa werden die Karten neu gemischt. Dabei geht es nicht nur um einzelne Marktsegmente wie beispielweise den Lowcost-Bereich sondern auch um die ganz großen nationalen Flag-Carrier.

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«Die Konsolidierung der Branche wird sehr schnell und gewaltsam vor sich gehen», prognostizierte Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta jüngst. Bereits in den vergangenen fünf Jahren ist der Marktanteil der vier größten Fluggesellschaften von 56 auf 67 Prozent gestiegen. «Ende 2009 wird es drei große Gruppen geben, nicht unbedingt von gleicher Größe, in denen mehrere Gesellschaften zusammenleben.» Und Air France-KLM soll dabei die Nummer eins sein.

Nur die Deutsche Lufthansa kann Air France-KLM diesen Platz in Europa streitig machen. Und die Deutschen ziehen mit: Im Januar erhöhen sie ihren Anteil an der britischen BMI auf 80 Prozent und sichern sich dabei lukrative Startzeiten in London. Dazu kommt die Übernahme von Brussels Airways. Die Lufthansa schielt auf die AUA und die skandinavische SAS. Und bei der Alitalia ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn Regierungschef Silvio Berlusconi goutiert das Versprechen der Lufthansa, «seinen» Mailänder Flughafen auszubauen. Am Ende könnte die Lufthansa sogar gemessen am Umsatz und an der Zahl der Passagiere an Air France-KLM vorbeiziehen.

Das will Spinetta verhindern. Finanziell sieht er den Konzern trotz der Finanzkrise gut gerüstet. «Mit 4,4 Milliarden Euro in der Kasse und einer Kreditlinie von zwei Milliarden ist die Liquiditätslage strukturell vorteilhaft», sagte er etwas umständlich am Donnerstag. Die Verschuldung ist zum Halbjahresende mit 2,75 Milliarden Euro stabil, das Eigenkapital mit 8,82 Milliarden Euro ebenso. Dazu kommen ein paar Milliarden Derivate auf der Habenseite.

Trotz der guten Finanzlage will Spinetta Übernahmen aber nicht um jeden Preis. Bei Alitalia ist er schon einmal zurückgeschreckt, bei der AUA auch. «Man muss sehr wählerisch sein und sich die Mitgift der Braut anschauen: die Bedeutung des Heimatmarktes, die Verschuldung, das soziale Klima, das Alter der Flotte», sagt er. «Manche Kandidaten würde man nicht einmal seinem schlimmsten Feind wünschen.» Die AUA ist ihm derzeit einfach zu teuer. «Das rechnet sich nicht.» Aber Wien kann das ändern. Denn auch die Lufthansa dringt auf Nachbesserungen.

Für Spinetta ist der «Kampf um die Lufthoheit über Europa» mitten in der Krise der turbulente Abschluss seiner Karriere. Seit seiner Amtsübernahme im September 1997 hat Air France den Marktanteil in Europa von 13 auf 26 Prozent verdoppelt und dabei ständig Geld verdient. «Die einzige Fluggesellschaft, die von meiner Ankunft 1997 bis heute durchgängig rentabel war, ist Air France!», sagte der 63- Jährige stolz. Aber die Lufthansa hat er noch nicht abgeschüttelt.

Von: Von Hans-Hermann Nikolei, dpa
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