Volksbegehren um Tempelhof-Nachnutzung: Berlins zweites Flughafenproblem

23.05.2014 - 15:41 0 Kommentare

Wenn die Berliner am Sonntag mal wieder über die Zukunft des mittlerweile ehemaligen Flughafens Tempelhof abstimmen, geht es um mehr als ein gigantisches Stück Leere. Stolpert Regierungschef Wowereit doch noch über einen Flughafen?

Eine Joggerin ist am Abend des 22.05.2014 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.

Eine Joggerin ist am Abend des 22.05.2014 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.
© dpa - Bernd von Jutrczenka

Radfahrer sind am Abend des 22.05.2014 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.

Radfahrer sind am Abend des 22.05.2014 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.
© dpa - Bernd von Jutrczenka

Zahlreiche Menschen sind am Abend des 22.05.2014 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.

Zahlreiche Menschen sind am Abend des 22.05.2014 auf dem Tempelhofer Feld in Berlin unterwegs.
© dpa - Bernd von Jutrczenka

Flughafen Berlin-Tempelhof 1989

Flughafen Berlin-Tempelhof 1989
© Berliner Flughäfen

Die DC3 steht auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof (Archivbild vom 15.05.2003).

Die DC3 steht auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof (Archivbild vom 15.05.2003).
© dpa - Wolfgang Kumm

Hartmut Mehdorn (l) und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), geben sich am 08.03.2013 auf dem Hauptstadtflughafen BER nach einer Pressekonferenz die Hand.

Hartmut Mehdorn (l) und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), geben sich am 08.03.2013 auf dem Hauptstadtflughafen BER nach einer Pressekonferenz die Hand.
© dpa - Hannibal

Mit Flughäfen hat es Klaus Wowereit (SPD) nicht so. Der eine - der neue Hauptstadtflughafen - wird einfach nicht fertig und auch immer teurer. Gerade jedoch bringt ein zweiter Flughafen den Berliner Regierungschef mehr in Bedrängnis - einer, auf dem seit Jahren kein Flieger mehr abhebt.

Es geht um Tempelhof, einst ältester Verkehrsflughafen der Welt, jetzt ein riesiges freies Feld, eine leere Steppe mitten im hauptstädtischen Häusermeer. Am Sonntag stimmen die Berliner darüber ab, ob am Rand des ehemaligen Flugfelds gebaut werden darf. Es ist auch eine Chance zur Abrechnung mit dem Regierenden Bürgermeister.

Um das Tempelhofer Feld wird Berlin von manchen Metropolen beneidet. Die Fläche kann es durchaus mit dem Central Park in New York aufnehmen. Vor Jahrzehnten landeten hier die «Rosinenbomber», die das eingeschlossene West-Berlin via Luftbrücke versorgten. Hier checkten die Beatles ein, John F. Kennedy und Marilyn Monroe. Tempelhof, das war West-Berlins Tor zur Welt. Es verwunderte nicht nur die Branche, dass die Flughafenanwohner die Schließung des Geländes für den Flugverkehr mit einem Volksbegehren verhindern wollten - und nur am Quorum scheiterten.

Ein Feld voller Leere

Mittlerweile haben sich die Berliner das Feld erobert. Es ist ein Paradies für Läufer, Radfahrer, Skater, Griller, Sonnenanbeter und Kite-Boarder geworden. Eine bunte Szene, die Drachen durch die Lüfte zischen lässt. Es gibt keine Bänke und kaum Bäume, dafür seltene Tiere, viel frische Luft - und atemberaubende Sonnenuntergänge. Im vergangenen Sommer spielten einige Bands.

Jetzt will das Land am Rand der mehr als 350 Hektar großen Fläche Wohnhäuser und Firmengebäude bauen. Denn Wohnraum wird knapper in der Hauptstadt und die Mieten steigen. In der Mitte des Feldes soll eine Freifläche bleiben, die größer als das Fürstentum Monaco ist. Doch vielen Berlinern reicht das nicht. Sie haben einen Volksentscheid durchgesetzt, bei dem die Bürger selbst entscheiden, ob am Rand des Feldes gebaut werden darf.

© dpa, Kay Nietfeld Lesen Sie auch: BER-Desaster: Pirat verklagt Wowereit vor Verfassungsgericht

Frustabstimmung gegen Wowereit?

Diese Abstimmung beherrscht seit Wochen die Gespräche in der Stadt. Sie ist auch eine Gelegenheit, Regierungschef Wowereit zur Halbzeit der Legislatur einen Denkzettel zu verpassen. Die Unzufriedenheit ist groß, nicht nur wegen immer neuer Skandale am milliardenteuren Hauptstadtflughafen. Seit Monaten gehört Wowereit zu den unbeliebtesten Politikern Berlins. Seine zerstrittene SPD ist in Umfragen deutlich hinter den Koalitionspartner CDU zurückgefallen.

«Würden Sie diesem Mann noch einen Flughafen anvertrauen?», fragen die Grünen süffisant auf Plakaten zum Volksentscheid. Umfragen zufolge dürfte die Abstimmung denkbar knapp ausgehen. Gewinnen die Bebauungsgegner, die Bürgerinitiative «100% Tempelhofer Feld», dürfte Wowereit zumindest mal wieder angezählt sein. Denn es geht auch um eines seiner Prestigeprojekte, eine Bibliothek, die er am Rand des Feldes errichten lassen will. «Klaus-Wowereit-Gedenkbibliothek» nennen die Grünen den Bau und sprechen von einem weiteren Versuch Wowereits, sich ein Denkmal zu setzen - wenn es schon mit dem Hauptstadtflughafen nicht recht klappen mag.

Der Regierungschef lässt das alles von sich abperlen, wie man es von seinem anderen Flughafenproblem gewohnt ist. Es gehe beim Volksentscheid nicht um ihn. «Das hat mit mir als Person nichts zu tun, es geht um eine Sachfrage», sagte er vor kurzem der «Berliner Morgenpost». Egal wie es ausgeht, zurücktreten will Wowereit nicht. Doch auch darum kümmert sich in Berlin ja schon eine Bürgerinitiative. «Wowereit-Rücktritt» heißt sie und sammelt Unterschriften für ein neues Volksbegehren.

Von: dpa, airliners.de
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