Der Letzte seiner Art

VFW-614 geht in den Ruhestand

27.06.2012 - 12:04 0 Kommentare

Er wurde in der ganzen Welt bekannt, blieb wirtschaftlich aber ein Flop - der kleine zweistrahlige Düsenjet VFW-614. Das letzte fliegende Exemplar der legendären Maschine aus Bremen wird nun aus dem Dienst genommen.

DLR-Forschungsflugzeug VFW614 ATTAS

DLR-Forschungsflugzeug VFW614 ATTAS
© DLR

Cockpit der DLR VFW 614 ATTAS

Cockpit der DLR VFW 614 ATTAS
© AirTeamImages.com - TT

VFW-Fokker 614

VFW-Fokker 614
© AirTeamImages.com

Eine umgerüstete und mit neuester elektronischer Flugsteuerung ausgestattete Fokker VFW 614 wird kurz vor ihrem ersten Start am 13.08.1999 bei DaimlerChrysler Aerospace in Bremen gecheckt.

Eine umgerüstete und mit neuester elektronischer Flugsteuerung ausgestattete Fokker VFW 614 wird kurz vor ihrem ersten Start am 13.08.1999 bei DaimlerChrysler Aerospace in Bremen gecheckt.
© dpa

VFW 614 in den Farben der TAT

VFW 614 in den Farben der TAT
© AirTeamImages.com - ATI Collection

VFW 614 im September 1974 in Farnborough

VFW 614 im September 1974 in Farnborough
© AirTeamImages.com - Carl Ford

VFW 614 im Einsatz bei der Luftwaffe

VFW 614 im Einsatz bei der Luftwaffe
© AirTeamImages.com - Keith Blincow

VFW 614 des Deutschen Technik Museums Berlin unter dem Vordach des Flughafens Berlin-Tempelhof

VFW 614 des Deutschen Technik Museums Berlin unter dem Vordach des Flughafens Berlin-Tempelhof
© AirTeamImages.com - Andy Martin

27 Jahre gehörte er zur Forschungsflotte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig (DLR) - der Düsenflieger VFW-614 ATTAS. Am Mittwoch (27. Juni) wird nun nach etwa 1,3 Millionen Flugkilometern das letzte fliegende Exemplar des legendären Kurzstreckenjets außer Dienst genommen. Die VFW-614 war das einzige Verkehrsflugzeug mit Düsenantrieb, das komplett in Deutschland entwickelt und gebaut wurde.

Die 745 Stundenkilometer schnelle VFW-614 wurde weltweit populär, ein wirtschaftlicher Erfolg aber war der Jet nie. Nur 19 Maschinen bauten die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) in Bremen. 1977 wurde das Programm eingestellt, 1981 kaufte das Luft- und Raumfahrtzentrum in Braunschweig eine der Maschinen aus der Konkursmasse. Der Umbau zum Forschungsflugzeug dauerte bis 1985.

In Braunschweig wussten die Forscher den Kurzstreckenjet zu schätzen: Sie erforschten damit unter anderem lärmarme und unbemannte Flüge. Außerdem wurden Testpiloten ausgebildet und die Eigenschaften von noch gar nicht gebauten Fliegern mit Hilfe ausgeklügelter Computertechnik simuliert.

«15 Jahre wollte das DLR das Flugzeug ursprünglich nutzen, nun sind es fast 27 Jahre geworden», berichtet Flugversuchsingenieur Michael Preß. 24 Jahre davon war auch Preß mit der Maschine beschäftigt, am Ende der Woche geht auch er in den Ruhestand.

Immer wieder hatten die Techniker des DLR die Maschine repariert. Doch nun haben sich Risse in den Triebwerken gebildet, eine normale Verschleißsache. «Ersatzteile gibt es aber nicht mehr, da können wir nichts machen», sagt Preß. Ob die Maschine künftig irgendwo ausgestellt wird, ist noch unklar.

Der Bremer Jet sollte für die deutsche Luftfahrtindustrie nach dem Krieg den erneuten Durchbruch bringen. Um 1960 wurden die ersten Pläne für die Maschine für etwa 40 Passagiere entwickelt. Damals war das Autobahnnetz noch nicht ausgebaut, die Zugverbindungen waren schlecht und langsam. Das Flugzeug sollte vor allem Distanzen von 300 bis 500 Kilometer schnell zurücklegen. 1971 startete die VFW-614 dann zum 31 Minuten langen Erstflug in Bremen.

Dietmar Sengespeik war zwei Jahre zuvor als Testpilot zu den Flugtechnischen Werke nach Bremen gekommen, die später in das europäische Airbus-Projekt eingebunden wurden. «Das Besondere war der Sitz der Triebwerke auf den Flügeln», erzählt der 75-Jährige. Damit sollte die Maschine auch auf ungeteerten Pisten landen und starten können, ohne den Schmutz wie ein Staubsauger anzuziehen. Zudem verursachte das Flugzeug dadurch weniger Lärm am Boden - dafür hatten es die Passagiere lauter.

Der Kurzstreckenjet sollte in Amerika ebenso wie in Asien Kunden finden, erinnert sich Sengespeik. Letztendlich gab es dann aber nur drei Käufer, zwei französische und eine dänische Gesellschaft. Drei Maschinen wurden zudem von der Bundesluftwaffe geflogen. Nicht an der Technik, sondern an der Vermarktung sei die VFW-614 gescheitert, sagt der Testpilot.

Von: Anita Pöhlig, dpa
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