Verwirrung um neues Ryanair-Angebot

07.08.2018 - 10:27 0 Kommentare

Die deutschen Piloten setzen Ryanair eine letzte Frist für ein neues Angebot, das Management beharrt darauf, diese eingehalten zu haben - die Gewerkschaft dementiert. Kommt es nun zu Streiks?

Eine Ryanair-Maschine beim Start. - © © AirTeamImages.com - 4x6zk-moni shafir

Eine Ryanair-Maschine beim Start. © AirTeamImages.com /4x6zk-moni shafir

Hat sie oder hat sie nicht? Um die Frage, ob die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) innerhalb der selbst von ihr gesetzten Frist ein neues Verhandlungsangebot bekommen hat, gibt es Verwirrung. Denn Ryanair beharrt darauf, bereits am Freitag ein entsprechendes Papier übermittelt zu haben - die VC dementiert, dass es sich dabei um "etwas Substanzielles" handelt.

Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely betont, dass seine Airline der VC ein "überarbeitetes Angebot für einen Tarifvertrag zukommen lassen" hat. "Dessen Eingang wurde von VC bestätigt", so Kiely weiter zu airliners.de.

Ein Sprecher der VC sagte am Dienstagnachmittag der Nachrichtenagentur "AFP", dass Ryanair bis Ablauf der Frist kein "verhandlungsfähiges Angebot" vorgelegt habe.

Fünf Streiks am Freitag?

Die VC hatte Ryanair bis Montag (6. August) eine letztmalige Frist für ein neues Angebot gesetzt. Bereits am Mittwoch (8. August) wollen die Piloten über das weitere Vorgehen informieren.

Als wahrscheinlich gilt, dass die rund 400 deutschen Piloten am Freitag (10. August) die Arbeit niederlegen. Für den Tag haben auch die Cockpit-Crews in Belgien, Irland und Schweden Ausstände angekündigt. Die Ryanair-Piloten in den Niederlanden diskutieren noch, ob sie sich ebenfalls an den Streiks beteiligen.

In einer vergangene Woche endenden Urabstimmung hatten sich bereits 96 Prozent der VC-Mitglieder für Streiks beim Billigflieger ausgesprochen. Zuvor hatte die Gewerkschaft nach fast sechsmonatigen Verhandlungen diese abgebrochen.

Es geht nicht nur um die Bezahlung

Im laufenden Tarifkonflikt drängen die Piloten in erster Linie auf eine bessere Bezahlung. Die VC hatte immer wieder die Konditionen von Tuifly als Vergleichswert genannt, da die deutsche Tui-Airline eine ähnliche Flotte wie Ryanair betreibt.

Zum anderen drängen die Flugzeugführer in vielen europäischen Ländern auch auf bessere Arbeitsbedingungen. Beispielsweise sind nicht alle Piloten, die bei Ryanair fliegen, auch dort angestellt. Viele Cockpit-Crews sind gezwungen, eine Ich-AG zu gründen und mit deutlichem Hang zur Scheinselbständigkeit bei Ryanair beschäftigt zu sein.

Ryanair leugnet diese Praxis nicht und spricht auf Anfrage von einer legitimen Maßnahme, die auch andere Airlines so anwenden würden. Zudem beträfe dies "weniger als 50 Prozent" der eigenen Piloten. Vor einigen Jahren lag der Satz noch bei rund 30 Prozent.

Forderungen

Um trotz tarifrechtlicher Landesgrenzen europaweit einheitlich agieren beziehungsweise abzustimmen zu können, haben sich Flugbegleiter sowie Piloten in der Eurecca (European Cabin Crew Association) und ITF und Eca (European Cockpit Association) organisiert. Die ECA formuliert für die Verhandlungen mit Ryanair folgende Ziele:

Dialogpartner: Vertreter können Ryanair-Piloten, die über Makleragenturen eingestellt werden, sowie offizielle Gewerkschaftsvertreter mit einschließen, unabhängig davon, ob sie für eine andere Fluggesellschaft fliegen oder nicht.

Beschäftigungsverhältnisse: Piloten sollen bei Ryanair direkt angestellt werden. Übrigens betrifft das Problem auch Kabinen-Crews: Hier sind erst jene ab dem Status des Pursers festangestellt, alle anderen kommen über Zeitarbeitsfirmen zu Ryanair.

Rechtsgrundlage: Es muss das Arbeitsrecht des jeweiligen Landes gelten, nicht per se das irische.

Karrierechancen: Ryanair-Piloten wollen den Carrier nicht mehr nur als Startpunkt ihrer beruflichen Laufbahn ansehen. Sie fordern transparente Aufstiegsmöglichkeiten. Auch ein Treueprogramm zur Mitarbeiterbindung wird hier gefordert.

Lohnniveau: Die Bezahlung sollte einheitlich transparent dargelegt werden und gleichzeitig regionale Anforderungen mit abdecken.

Von: cs
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