Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, ÖIAG-Chef Peter Michaelis. © dpa
Für die von der ÖIAG gehaltenen 41,56 Prozent an AUA zahlt die Lufthansa einen Preis von gut 366.000 Euro. Sie muss gleichzeitig aber AUA-Schulden in Höhe von mindestens 500 Millionen Euro übernehmen. Hinzu kommt ein "Besserungschein", der abhängig unter anderem von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung zu weiteren Zahlungen der Lufthansa im dreistelligen Millionenbereich führen kann.
Die Synergien auf Ertrags- und Kostenseite durch die AUA-Integration in die Lufthansa-Gruppe werden von beiden Seiten auf jährlich rund 80 Millionen Euro geschätzt.
ÖIAG-Chef Peter Michaelis sagte nach der Vertragsunterzeichnung, dies sei «der Tag Eins für die AUA neu» und «der wichtigste Tag seit der AUA-Gründung vor 50 Jahren». Austrian könne ihre «überlebenswichtigen» Langstreckenverbindungen aufrechterhalten. Das Zusammengehen der beiden Airlines biete Stabilität für den Standort Wien.
"In drei Jahren aus der Verlustzone"
Nach den Vorstellungen von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber soll die bisher österreichische Fluggesellschaft innerhalb von drei Jahren aus der Verlustzone fliegen. Zusammen mit der AUA werde die Lufthansa zum stärksten Luftfahrtunternehmen in Europa, betonte Mayrhuber. Die AUA soll «in Kernbereichen eine weitgehende Eigenständigkeit behalten».
Die Lufthansa hatte Mitte der Woche angekündigt, die AUA vollständig übernehmen zu wollen, die Übernahme jedoch an Bedingungen geknüpft. Demnach will der deutsche Branchenprimus die österreichische Airline nur übernehmen, wenn er im Zuge seines Übernahmeangebots an die AUA-Aktionäre mindestens 75 Prozent der Anteile angeboten bekommt. Mit einer Beteiligung in dieser Höhe würde die Lufthansa die angestrebte vollständige Kontrolle über die AUA erlangen. Den Aktionären der AUA bot die Lufthansa 4,44 Euro je Aktie.
Kartellrechtliche Freigabe und Schuldenübernahme durch Österreich
Weitere Bedingung des deutschen Marktführers war, dass die EU-Kommission die staatliche Beihilfen Österreichs von insgesamt 500 Millionen Euro zum Umbau der AUA genehmigt. Neben der kartellrechtlichen Freigabe steht daher auch noch die Genehmigung der Schuldenübernahme durch die Republik Österreich noch aus. Die Wettbewerbsbehörde der EU muss dem Verkauf noch zustimmen, weil der österreichische Staat 500 Millionen Euro der Gesamtschuldenlast der AUA von mindestens einer Milliarde Euro übernehmen will.
Oppositionspolitiker warfen der großen Koalition und der AUA-Führung derweil vor, zu lange mit der Privatisierung gezögert zu haben. Jetzt werde die AUA an die Lufthansa verschenkt und dieser «noch eine halbe Milliarde Euro» gegeben, kritisiert etwa die Grünen-Politikerin Gabriela Moser am Freitag. Doch Experten sehen das anders. Sollte etwa Brüssel den Vertrag zwischen Lufthansa und AUA ablehnen, dann sehe es um das rot-weiß-rote Flaggschiff Österreichs düster aus, meinte etwa der leiter des ORF-Wirtschaftsressorts, Michael Csolick, am Freitag vor der Unterzeichnung: «Dieses Szenario mag ich mir im Augenblick gar nicht vorstellen».
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