Jenny Jetstream (14) ( Gastautor werden )

Verschwundenes Flugzeug

14.03.2014 - 11:55 0 Kommentare

Jenny Jetstream wurde in den letzten Tagen mehrfach auf die verschwundene Malaysia-Airlines-Boeing angesprochen. Dabei hat auch sie 1000 Fragen und bislang keine Antworten. Eine etwas andere Kolumne.

Jenny Jetstream liebt Ihren Job als Flugbegleiterin. - © © Fotolia.com - Illustration: Zubada

Jenny Jetstream liebt Ihren Job als Flugbegleiterin. © Fotolia.com /Illustration: Zubada

Es ist schwierig einen unbefangenen Beitrag für eine Flieger-Kolumne zuschreiben, wenn gerade ein Flugzeug mit 239 Menschen an Bord verschwunden ist. Die Boeing 777 der Malaysia ist in aller Munde, seit Tagen ist das Flugzeug einfach weg. Dass es nicht mehr fliegt, scheint sicher, aber wo ist es hin?

Ins Meer gestürzt? Im Dschungel gelandet? Wir wissen es nicht, es hat sich buchstäblich in Luft aufgelöst. Warum sendet der Notsender nicht? Warum haben die Piloten keinen Notruf abgesetzt? Warum ist das Flugzeug umgedreht? Gibt es einen geheimen Flughafen, wo es hätte auftanken können? Wenn es sich um eine Entführung handelt, was ist da schief gelaufen?

1000 Fragen und bislang keine Antworten. Der Fall geht durch die Presse, die Fotos der Piloten wurden veröffentlicht, ihre Wohnungen inzwischen durchsucht. Waren sie die wahren Täter? Man hat festgestellt, dass Passagiere mit gestohlenen Pässen an Bord gewesen sein sollen, aber für Motiv und Tat gibt es keine weitere Erklärung.

Kann man heutzutage überhaupt noch ein Flugzeug entführen? Wir werden als Flugbegleiter jedes Jahr geschult, wie man sich mit Entführern an Bord zu verhalten hat. Ob es sich immer in die Realität umsetzen lässt, bleibt dahingestellt. Was ist passiert an Bord der Malaysia?

© AirTeamImages.com Lesen Sie auch: Themenseite zu Malaysia Airlines Flug MH-370

Ich bin in den letzten Tagen mehrfach angesprochen worden, von Passagieren, von Bekannten und von Lesern, was ich von der verschwundenen Maschine halte, wie ich mich fühle und wie ich mit der Situation umgehe. Ich fliege weiter - ganz pragmatisch. So schrecklich das Ganze sich darstellt, es wird mich nicht vom Fliegen abhalten.

Sicher gibt es im Leben Dinge, die nicht immer glatt laufen. In Bezug auf die Aviatik sollte man bedenken, dass alle drei Sekunden(!) auf diesem Globus ein Flugzeug startet oder landet. Wenn etwas schief geht, ist das Medienecho groß – bei Passagierflugzeugen sind meist hunderte Personen involviert – zumindest, was die Menschen an Bord betrifft - und die große Anzahl der Opfer macht sehr betroffen. Ich könnte jetzt mit einer Reihe anderer großer Zahlen kommen: vermisste Kinder in Deutschland, Unfälle im Straßenverkehr, Hausfrauen, die beim Putzen tödlich verunglücken... Alles ist relativ.

Ich wünsche mir, dass die 777 bald gefunden wird. Ich wünsche mir außerdem, dass wir irgendwann verstehen, was genau passiert ist. Und ich fühle mit allen Menschen, die Angehörige an Bord haben. Das Warten und das Nichtwissen muss die Hölle sein. Es betrübt mich, die Freiheit des Himmel so eingeschränkt zu sehen, nur weil sich vielleicht wieder irgendwelche Irren selbst verwirklichen mussten. The sky is the limit – schön wär’s.

Mit mitfühlenden Grüßen,

Jenny Jetstream

Über die Autorin

Jeden Freitag veröffentlicht die Flugbegleiterin, Autorin und Illustratorin Kathrin Leineweber auf airliners.de eine neue Geschichte aus dem Leben der Stewardess Jenny Jetstream in Kolumnenform. Alle "Jenny Jetstream"-Folgen lesen.

Kathrin Leineweber Kathrin Leineweber begleitet als Purser Passagiere einer großen deutschen Airline rund um den Globus und hat über Ihren Beruf mehrere Bücher veröffentlicht. Zudem schreibt und illustriert sie Kinderbücher. Kontakt zu Kathrin Leineweber...

Von: Kathrin Leineweber für airliners.de
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