Bundesverkehrsministerium warnt vor Sinai-Überflügen

01.11.2015 - 18:20 0 Kommentare

Nach einem Flugzeugunglück in der ägyptischen Unruheregion Sinai warnt das deutsche Verkehrsministerium vor Überflügen. Terroristen behaupten, das Flugzeug abgeschossen zu haben.

Ein Airbus A321 der Metrojet (Kolavia) ist am 31. Oktober 2015 in der ägyptischen Unruheregion Sinai abgestürzt, in der auch Anhänger des IS operieren.  - © © dpa - EPA/STR EGYPT OUT

Ein Airbus A321 der Metrojet (Kolavia) ist am 31. Oktober 2015 in der ägyptischen Unruheregion Sinai abgestürzt, in der auch Anhänger des IS operieren. © dpa /EPA/STR EGYPT OUT

Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) hat nach einem Bekennerschreiben der Terrormiliz "Islamischer Staat" für einen Abschuss der abgestürzten russischen Passagiermaschine auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel eine bereits bestehende Warnung vor dem Überfliegen der Region ausgeweitet.

«Bisher bestand bereits eine allgemeine Warnung für den Norden des Sinai», sagte ein Sprecher des Ministeriums am Sonntag auf Anfrage. «Aufgrund der aktuellen Ereignisse hat das BMVI zusätzlich und bis auf weiteres eine umfassende Warnung für die Nutzung eines Flugwegs im Südosten des Sinai erlassen.»

Die Lufthansa fliegt bereits seit Samstag nicht mehr über das Gebiet. So lange die Absturzursache nicht geklärt sei, werde die ägyptische Halbinsel aus Sicherheitsgründen umflogen, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Auch andere Fluggesellschaften wie Emirates und Air France hatten nach der Katastrophe angekündigt, zunächst einen Bogen um die Halbinsel zu machen.

Zwischenzeitlich haben Eurocontrol sowie die amerikanische FAA ebenfalls vor Überflügen gewarnt. Eurocontrol beruft sich dabei auf die ägyptischen Behörden. Flugpläne mit Routen über der Region würden vorläufig nicht genehmigt.

Nach dem mittlerweile bestätigten Abschuss von Malaysia Airlines MH17 im Juli 2014 über der Ukraine steht das Thema Überflügen von Krisenregionen international auf der Agenda von Luftverkehrsorganisationen.

Terrorgruppe prahlt mit Abschuss

Beim Absturz des Airbus A321 der russischen Metrojet (ehemals Kolavia) waren am Samstag alle 224 Insassen ums Leben gekommen. Das Flugzeug zerschellte in einer Unruhe-Region, in der auch Anhänger der Terror-Gruppe IS operieren. Ein ägyptischer Ableger der Terrormiliz übernahm auf mehreren Internetseiten die Verantwortung für den Absturz. Die Behauptung ist aber noch nicht verifiziert.

Experten und Regierungsangehörige Russlands und Ägyptens bezeichneten einen Abschuss allerdings als unwahrscheinlich oder schlossen einen Anschlag sogar generell aus. Nach Angaben russischer Ermittler soll das Flugzeug allerdings schon in der Luft auseinandergebrochen sein.

Die Trümmer des Airbus seien über ein weites Gebiet von etwa 20 Quadratkilometern verstreut worden, sagte Viktor Sorotschenko vom russischen Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee (MAK) am Sonntag in Kairo. Es sei aber noch "zu früh, um Schlüsse zu ziehen". An den Ermittlungen zu Unfallursache sollen auch deutsche und französische Experten der Firma Airbus teilnehmen.

© dpa, EPA/Robin Van Lonkhuijsen Lesen Sie auch: MH17-Abschlussbericht: Boeing 777 von Rakete abgeschossen

Der Airbus war am frühen Samstagmorgen vom Badeort Scharm el Scheich am Roten Meer nach St. Petersburg gestartet. Über der Sinai-Halbinsel brach 23 Minuten nach dem Start der Kontakt zu der Chartermaschine ab. Die Wrackteile wurden dann rund hundert Kilometer südlich der Stadt Al-Arisch im bergigen Nordsinai gefunden.

Von: dh, dpa, AFP
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