Artikel vom 19.09.2011 0
Tu-134-Absturz: Navigator angetrunken
© dpa /Ministry of Emergency
Verunglückte Rusair Tu-134A
Der Navigationsoffizier eines im Juni in Russland abgestürzten Flugzeugs hatte Alkohol im Blut. Er sei in einem "angetrunkenen" Zustand gewesen und habe einen Blutalkoholwert von 0,81 Promille gehabt, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Untersuchungsbericht des Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitees (MAK) in Moskau. Die Maschine sei aufgrund "unzureichender Koordination der Besatzung" abgestürzt. Laut dem Bericht war der 50-jährige Navigationsoffizier, dem der Pilot der Maschine unterstellt war, "überaktiv". Aufzeichnungen belegten, dass er dem Piloten mehrmals Anweisungen gegeben habe, das Tempo zu erhöhen. Bei dem Unglück am 20. Juni starben 47 Menschen.
Das Verhalten des Navigators war nach Einschätzung des Untersuchungsberichts ein ergänzender Faktor für den Unfall. Hauptursache sei jedoch die Fehlentscheidung der Crew gewesen, den Landeanflug nicht abzubrechen, als das Flugzeug in dichten Nebel eintauchte. Die Ermittler bemängelten einen "Mangel an Disziplin und übertriebene Selbstsicherheit" der Cockpitbesatzung. Der übliche Gesundheitscheck der Crew vor dem Flug sei offenbar nur als Formalität behandelt worden, urteilten die Ermittler: So sei für alle Besatzungsmitglieder exakt der gleiche Pulswert notiert worden.
Die Tupolew der Fluglinie RusAir hatte beim Landeanflug auf den Flughafen von Petrosawodsk in Karelien im Nordwesten Russlands wegen schlechter Sicht die Landebahn verfehlt und war auf eine nahegelegene Straße gestürzt. Die Maschine brach auseinander und ging in Flammen auf. Nur fünf der 52 Menschen an Bord überlebten. Anfang August war bei einem weiteren Flugzeugabsturz in Russland 44 Menschen ums Leben gekommen, darunter ein ganzes Profi-Eishockeyteam. Russlands Präsident Dmitri Medwedew ordnete daraufhin die Schließung unsicherer Fluggesellschaften und höhere Bußgelder für Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften an.
Stand: 19.09.2011 - 2:42 PM Uhr
Quelle: AFP
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