Artikel vom 02.06.2009 0

Trümmer im Atlantik als Air-France-Wrackteile identifiziert

Hinweise auf Steuerungsprobleme?

Das in der Nacht zum Montag auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich verschwundene Air-France-Flugzeug ist im Atlantik abgestürzt. Die gefundenen Trümmer stammen von der Unglücksmaschine, bestätigte die Brasilianische Regierung am Abend. Die vom Unglücks-Airbus empfangenen Fehlermeldungen weisen derweil auf mögliche Probleme in der Fly-by-Wire-Steuerung hin.

Air France Airbus A330 - © © AirTeamImages.com -

Air France Airbus A330

Die brasilianische Luftwaffe hat bei der Suche nach der verschollenen Air-France-Maschine rund 650 Kilometer nordöstlich der Insel Fernando de Noronha Wrackteile im Atlantik entdeckt. «Es wurden metallische Gegenstände, ein Passagiersitz, eine orangefarbene Boje und Spuren von Öl und Kerosin entdeckt», sagte Luftwaffensprecher Jorge Amaral bei einer Pressekonferenz in Brasília. Die Wrackteile seien in den frühen Morgenstunden (Ortszeit) gefunden worden.

Die georteten Wrackteile stammen nach Angaben der brasilianischen Regierung von dem am Montag abgestürzten Airbus der Air France. Daran gebe es "keinen Zweifel", erklärte der brasilianische Verteidigungsminister Nelson Jobim am Dienstag vor Journalisten in Rio de Janeiro. Militärflugzeuge hätten über eine Strecke von fünf Kilometern verstreute Wrackteile gefunden.

Der Fundort könnte darauf hinweisen, dass der Unglücksflieger wegen eines Problems versuchte, nach rechts abzudrehen, sagte Amaral. "Vielleicht hat er versucht, nach Fernando de Noronha zurückzufliegen."

Nun kann mit der Bergung der Flugdatenschreiber begonnen werden. Die französische Regierung schickte sofort ein Spezialschiff auf den Weg in die Zone mit den Wrackteilen. Es ist mit Tauchgeräten ausgestattet, die bis zu einer Tiefe von 6000 Metern arbeiten können.

Die verunglückte Maschine ist mit Sendern ausgestattet, die im Fall eines Absturzes Funkimpulse aussenden. Auch die Flugschreiber geben Signale ab. Die Bergung könnte sich allerdings als sehr schwer erweisen. «Durchschnittlich wird im Unglücksgebiet eine Tiefe von 4000 Metern gemessen», sagte Moysés Tessler vom Ozeanologischen Institut der Universität São Paulo am Dienstag dem Internet-Portal globo.com.

Handout der Brasilianischen Luftwaffe, © dpa Anklicken für größere Darstellung. Foto: © dpa

 

Zeitschiene

  • 22.00 Start in Rio de Janeiro

     

     

  • 01.31 Letzter Kontakt mit Flugsicherung

     

     

  • 01.33 Flugzeug verlässt planmäßig den Radarbereich «Cindacta 3» in FL 350.

     

     

  • 02.00 fliegt das Flugzeug in eine Zone Gewitterstürme (schwerer Aktivitäten bis auf 55.000 Fuß)

     

     

  • 02.14 Das Flugzeug sendet automatisch Fehlermeldungen an elektrischen Systemen sowie einen Kabinendruckverlust an das Air France Flugleitzenrum. Die gesendeten Positionsdaten lauten N3.5777 W30.3744 (Link zu Google Maps)

     

     

  • 02.20 Crew hätte sich beim Oceanic Control Center in Dakar melden müssen.

     

     

  • 06.00 Flugzeug hätte wieder auf den Radarschirmen auftauchen müssen

     

     

  • 09.10 Geplante Landung in Paris

     

     

Alle Zeiten in UTC (MESZ-2).

Die Unglücksmaschine war in der Nacht zu Montag als Flug AF447 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris mit 228 Menschen an Bord über dem Atlantik verschwunden, nachdem der Airbus A330-200 automatische Meldungen über Systemausfälle gefunkt hatte. Diese weisen nun nach bislang nicht offiziell bestätigten Berichten auf Fehler in der elekrtonischen Steuerung der Maschine.

Parallelen zu ADIRU-Steuerungs-Problemen bei Qantas A330?

Nach Informationen des Onlinedienstes Aviation Herald gingen zwischen 02:10 und 02:14 UTC eine Reihe von Fehlermeldungen des bordeigenen ARCAS-Systems der Unglücksmaschine im Flugleitzentrum bei Air France ein.

Diese zeigten zunächst das Abschalten des Autopiloten-Systems und das Umschalten der Fly-by-Wire-Steuerung auf den "Alternate Law"-Modus an, bevor etliche Systemfehler bis hin zur letzten übermittelten Warnmeldung eines Druckverlusts in der Kabine signalisiert wurden.

Interssant ist dabei, dass angeblich zwischen der ersten und der letzten Meldung unter anderen etliche "Air Data Inertial Reference Unit" (ADIRU)-Fehlermeldungen aufgelaufen sind. Insgesamt drei ADIRUs wandeln bei Maschinen der A330/A340-Familie die von den außen angebrachten Anstellwinkel-Sensoren gemessenen Rohdaten in Anstellwinkel-Informationen für die Flight Control Primary Computer um. Diese Steuercomputer errechnen dann auf Basis dieser Informationen Steuerbefehle für das Fly-by-Wire System der Maschine.

Ein ADIRU-Fehler in der Fly-by-Wire-Steuerung hatte bereits im Oktober das rapide Absinken eines Qantas Airbus A330 mit 46 Verletzten verursacht. Untersuchungen zufolgen wurde damals ein plötzliche Sturzflug von fehlerhaften Angaben eines ADIRU ausgelöst.

Schwerster Unfall in über acht Jahren

Bei der Air France-Unglücksmaschine handelt es sich um das jüngste Mitglied der Air-France-A330-Flotte. Der Airbus A330-200 mit dem Kennzeichen F-GZCP (CF6-80E1-Triebwerke) hatte den Flugbetrieb erst am 18. April 2005 aufgenommen und seitdem 18.870 Flugstunden absolviert. Die letzte größere Wartung fand am 16. April 2009 statt.

Der Absturz ist die schwerste Katastrophe in der Zivilluftfahrt seit dem Absturz eines American-Airlines-Airbus A300 im November 2001 nach dem Start in New York, bei dem 265 Menschen ums Leben kamen. Es ist der erste Totalverlust eines Airbus A330 im Liniendienst. Für Air France ist es der erste tödliche Zwischenfall seit dem Concorde-Unglück im Jahr 2000.

Stand: 03.06.2009 - 1:27 PM Uhr

Quelle: airliners.de, AFP, dpa

Empfehlen:

Anzeigen

Kommentare
Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen

mit Unterstützung durch Disqus
Aktuell kommentiert
Powered by Disqus