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Artikel vom 21.01.2010

Security-Debatte nach München-Debakel

Verwirrung um Unbekannten dauert an

Nach der gestrigen Security-Panne am Flughafen München haben Politik und  Polizeigewerkschaft eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Flughäfen gefordert. Die Security-Mitarbeiter hatten einen Sprengstoff-Verdächtigen lediglich höflich gebeten, zu warten. Dieser ging allerdings einfach und bestieg offenbar sogar ein Flugzeug, bevor das Terminal abgeriegelt werden konnte.

Sicherheitsschleuse am Flughafen Frankfurt/Main  - © © dpa -

Sicherheitsschleuse am Flughafen Frankfurt/Main

Nach dem gestrigen Bombenalarm am Flughafen München und der andauernden Verwirrung um einen entkommenden Verdächtigen gibt es neue Forderungen, die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen vollständig auf den Prüfstand zu stellen.

Ein unbekannter Fluggast hatte mit seinem Laptop am Mittwochnachmittag bei der Sicherheitskontrolle im Münchner Flughafen einen Bombenalarm ausgelöst und für eine studenlange Sperrung im Terminal 2 gesorgt.

Eine Bedienstete der Sicherheitsfirma wollte den Laptop offenbar nach einer Sprengstoff-Warnung einer Nachkontrolle unterziehen, doch dazu kam sie nicht mehr: Der Reisende verschwand mit dem Notebook einfach in der Menge.

Eine Kontrolleurin hatte laut Bundespolizei versucht, den Mann noch aufzuhalten. Nachdem ihr dieses nicht gelungen war, hatte sie ihren Chef benachrichtigt, der dann wiederum die Bundespolizei alarmierte.

Ein Sprecher der Bundespolizei sagte, dass es bis zur Alarmierung der Beamten "etliche Minuten" gedauert habe und der Fluggast in dieser Zeit hätte ohne Weiteres an Bord eines Flugzeugs gehen können. Möglicherweise gelang ihm das sogar, denn die anschließende Fahndungen im abgesperrten Terminal verliefen gestern Abend erfolglos.

"Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können."

Eine derartige Sicherheitslücke könne sich ein Airport nicht leisten, sagte der für die Bundespolizei zuständige Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Josef Scheuring der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe).

"Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können." Zwar sei das Münchner Geschehen aus der Distanz nur schwer zu beurteilen, es sei aber naheliegend, dass entweder zu wenig Personal am Kontrollschalter zur Verfügung stand oder aber die Ausbildung der Leute mangelhaft war.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) schließt nach der schweren Sicherheitspanne bei der Kontrolle eines Reisenden auf dem Münchner Flughafen Konsequenzen nicht aus. Er nehme den Vorfall «sehr ernst», sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im Deutschlandfunk.

Er kündigte die Untersuchung «sämtlicher Umstände dieses Vorgangs mit allen Beteiligten an». Danach müssten am Flughafen München «gegebenenfalls Konsequenzen» gezogen werden, sagte der Minister weiter. Wenn sich Fehler ergäben, «die struktureller Art» seien, könnte dies auch für andere deutsche Flughäfen gelten.

Der Präsident des Luftfahrt-Presse-Clubs, Peter Pletschacher, verwies am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen erneut darauf, dass Sicherheitsleute oft nur einen sehr geringen Lohn bekämen und entsprechend «nicht besonders motiviert» seien. Allerdings werden die Beschäftigten in München nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Diensts bezahlt.

Die Zuständigkeit für die Kontrolle liegt bei der Regierung von Oberbayern, die betroffene Firma SGM befinde sich im Besitz des Freistaats Bayern.

Missverständnis zwischen Kontrolleurin und Passagier?

Für den oberbayrischen Regierungspräsidenten Christoph Hillenbrand ist die Schuldfrage nach der schweren Sicherheitspanne am Münchner Flughafen klar: Eine Beschäftigte der Sicherheitsgesellschaft SGM habe sich nicht an die Dienstanweisung zum Durchführen der Kontrolle gehalten, sagte der für die Flughafensicherheit zuständige Behördenleiter am Donnerstag in München.

Die Frau sei dafür verantwortlich, dass ein nach wie vor unbekannter Mann am Mittwoch mit seinem zunächst sprengstoffverdächtigen Laptop einfach den Sicherheitsbereich verlassen konnte, bevor das endgültige Resultat der Überprüfung des Geräts vorlag. Die Frau hätte den Passagier «nicht aus den Augen lassen dürfen», sagte Hillenbrand und fügte hinzu: «Das ist eindeutig so vorgeschrieben, so wird geschult.»

Die Kontrolleurin hatte den englischsprachigen Passagier wohl mit den Worten «please wait», gebeten, das Ergebnis der chemischen Analyse einer Wischprobe seines Laptops abzuwarten. Der Mann habe daraufhin auch genickt, schilderte der Leiter des Luftamts Südbayern, Uwe Büchner, den Ablauf der Geschehnisse. Doch dann habe der Unbekannte seinen Rechner vom Untersuchungstisch genommen und sei «in aller Gemütsruhe», wie Hillenbrand es beschrieb, davongegangen. Der Fluggast sei also keineswegs geflüchtet, wie zunächst vermutet wurde.

Verwirrung um Unbekannten dauert an

Der Unbekannte ist trotz der noch andauernden Fahndung bisher nicht gefunden worden, wie die Bundespolizei in München am Donnerstagmorgen mitteilte. Es gibt weiter keine genauen Informationen, ob der Mann in eine Maschinebestiegen hatte. Eine erste Spur nach Spanien musste die Polizei inzwischen aufgeben: In Madrid überprüfte die Grenzpolizei eine aus München ankommende Maschine ohne Ergebnis.

Am frühen Morgen wurden nun Videobilder des etwa 50 Jahre alten Mannes ausgewertet. Trotz Aufnahmen von Überwachungskameras konnte der Unbekannte noch nicht identifiziert oder gefunden werden. So lange dies nicht passiert sei, könne die Angelegenheit auch nicht abschließend bewertet werden, sagte ein Polizeisprecher.

Stand: 21.01.2010 - 4:56 PM Uhr

Quelle: dpa. AFP, ddp, airliners.de

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