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Artikel vom 27.02.2009

Führte Treibstoffmangel zu Turkish-Airlines-Absturz?

Kaum noch Kerosin im Wrack

Dutzende Experten haben am Freitag die Untersuchung und Dokumentation von Wrackteilen der am Mittwoch im Landeanflug auf Amsterdam-Schiphol verunglückten Boeing 737-800 der Turkish Airlines fortgesetzt. Zugleich mehren sich angeblich Hinweise auf Treibstoffmangel als Ursache des Absturzes. Ein offizielles Zwischenergebnis der Ermittlungen sei aber nicht vor nächster Woche zu erwarten, teilte eine Sprecherin der Flugsicherheitsbehörde mit.

Unfalluntersuchungen am Wrack der Turkish Airlines Boeing 737 in Amsterdam. - © © dpa -

Unfalluntersuchungen am Wrack der Turkish Airlines Boeing 737 in Amsterdam.

Bereits vor der Veröffentlichung des ersten Zwischenberichts äußerten sich Experten in Medieninterviews zu möglichen Ursachen des Absturzes der Boeing 737. Vieles deute auf einen Triebwerksausfall hin, sagte Untersuchungsleiter Pieter van Vollenhoven im Fernsehen. Die Ursache dafür müsse jedoch erst noch ermittelt werden.

Andere Fachleute äußerten derweil die Vermutung, dass es Probleme mit dem Treibstoff gegeben haben könnte. In dem Wrack sei kaum noch Kerosin gefunden worden. Der Cockpit-Crew war jedoch nach niederländischen Medienberichten kein technisches Problem oder gar ein Ausfall der Treibstoffzufuhr bewusst.

Aufzeichnungen der Kommunikation zwischen Cockpit und Flugleitung beim Landeanflug machen deutlich, dass alle Beteiligten bis zum Absturz von einer völlig normalen Landung ausgingen. Möglicherweise hätten Warnmechanismen versagt.

Die mit dem Flugzeugunglück beschäftigten Ermittler rechnen frühestens kommende Woche mit mehr Erkenntnissen über die letzten Sekunden vor dem Absturz. Die Untersuchung der Flugschreiber in Paris dauere noch an, sagte der Sprecher der mit den Ermittlungen betrauten niederländischen Sicherheitskommission, Fred Sanders, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Türkische Piloten fühlen sich angegriffen

Obwohl noch gar kein offizieler Bericht der Unfallermittler vorliegt, gehen türkische Piloten schon einmal auf Konfrontationskurs mit den niederländischen Ermittlern. Der Generalsekretär der türkischen Pilotenvereinigung (Talpa) Savas Sen erklärte die Untersuchungen zu einer «nationalen Frage» der Türkei. Aus dem Ausland werde versucht, die türkischen Piloten «schlechtzumachen». Talpa ist der Verein der Türkischen Luftverkehrspiloten. Sen arbeitet für Turkish Airlines.

Die türkische Pilotenvereinigung vermute Turbulenzen eines kurz vorher gelandeten Flugzeugs als Ursache des Unglücks. Nur etwa zwei Minuten vor der türkischen Boeing 737 sei eine Boeing 757 gelandet, erklärten Spitzenvertreter der Organisation am Freitag in Istanbul. Der Abstand zwischen den Flugzeugen sei möglicherweise zu gering gewesen.

Das Unglücks-Flugzeug der Turkish Airlines hatte am Mittwoch beim Landeanflug auf den Amsterdamer Airport Schiphol plötzlich an Höhe verloren und war auf einem Acker aufgeprallt. Augenzeugen hatten berichtet, dass die Maschine plötzlich «mit dem Heck zuerst vom Himmel fiel».

Boeing-Mitarbeiter unter den Opfern

Unter den neun Toten des Absturzes sind auch zwei Mitarbeiter des US-Flugzeugbauers Boeing. Das bestätigte der Konzern in der Nacht zum Freitag. Ein dritter Boeing- Angestellter an Bord des Unglücksflugzeugs sei verletzt worden und liege noch in Krankenhaus. Insgesamt seien vier Boeing-Mitarbeiter in dem Flugzeug der Turkish Airlines von Istanbul nach Amsterdam unterwegs gewesen. Über das Schicksal des vierten Angestellten erwarte das Unternehmen noch Informationen, hieß es in der Erklärung. «Dies ist ein trauriger Tag für unser Unternehmen», sagte Boeing-Chef Jim McNerney.

Zuvor hatten die niederländischen Behörden mitgeteilt, bei dem Absturz seien vier US-Amerikaner und fünf Türken getötet worden. Insgesamt waren sechs US-Bürger an Bord. An Bord waren nach neuen niederländischen Angaben 135 Menschen. Zunächst war von 134 die Rede. Ein Mitreisender habe jedoch nicht auf der Passagierliste gestanden, teilte der Amsterdamer Krisenstab mit. Unter den Überlebenden ist auch ein Deutscher.

Stand: 27.02.2009 - 3:22 PM Uhr

Quelle: dpa, airliners.de

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