Artikel vom 14.10.2008
Computer-Fehler führte zu Qantas-Sturzflug
ATSB warnt Airlines
Das australische Air Transport Safety Bureau (ATSB) hat heute in einer Pressekonferenz einen Zwischenbericht zu dem plötzlichen Absacken eines Qantas-Airbus-A330 vorgestellt. Die Maschine war am 7. Oktober auf dem Weg von Singapore nach Perth plötzlich abgesackt, wobei 46 unangeschnallte Passagiere zum Teil schwere Verletzungen davontrugen.Ersten Untersuchungen zufolgen wurde der plötzliche Sturzflug von fehlerhaften Angaben eines "Air Data Inertial Reference Unit" (ADIRU) ausgelöst. Insgesamt drei ADIRUs wandeln bei Maschinen der A330/A340-Familie die von den außen angebrachten Anstellwinkel-Sensoren gemessenen Rohdaten in Anstellwinkel-Informationen für die Flight Control Primary Computer um. Diese Steuercomputer errechnen dann auf Basis dieser Informationen Steuerbefehle für das Fly-by-Wire System der Maschine.
Falsche Anstellwinkel-Daten
Die Analyse der Flugdatenschreiber der betroffenen Maschine zeigt nach Informationen des Air Safety Investigation Direktors Julian Walsh den folgenden Fehlerablauf: Das Flugzeug flog in 37.000 Fuß Höhe mit eingeschaltetem Autopiloten, als ein Fehler im ADIRU Nummer 1 auftrat. Als Folge wurde der Autopilot automatisch abgeschaltet. Ab diesem Moment flog die Maschine laut Zwischenbericht ohne Autopilot weiter.
Allerdings überwacht bei Fly-by-Wire Flugzeugen der Steuercomputer weiterhin die Eingaben der Crew, um beispielsweise potentiell gefährliche Steuereingaben der Piloten zu verhindern.
Durch weiterhin falsche ADIRU-Eingaben errechnete der Steuercomputer zahlreiche fehlerhafte Interpretationen der tatsächlichen Fluglage. So kam es zu falschen Ströhmungsabriss- und Hochgeschwindigkeitswarnungen im Cockpit. Zudem fiel die Fluglageanzeige auf dem linken Primary Flight Display aus. Gleichzeitig wurden der Crew zahlreiche Fehlermeldungen angezeigt.
Zwei Minuten nach dem ersten Fehler generierte die ADIRU nach ATSB-Angaben sehr hohe, zufällige Werte für den angeblichen Anstellwinkel des Flugzeugs. Diese Daten führten dazu, dass der Steuercomputer das Flugzeug mit 8,5 Grad nach unten steuerte, um eine vermeindlich gefährlichen Steuereingabe des Piloten auszugleichen.
Nach 650 Fuß Höhenverlust gelang es der Crew, wieder eine normale Fluglage herzustellen. Auch im folgenden führte der Steuercomputer weitere kleinere Anstellwinkel-Korrekturen durch. Dennoch konnte die Maschine sicher auf dem nächstgelegenen Flugplatz landen.
Hinweis an Fluggesellschaften
Die ATSB erklärte, eng mit Airbus zusammenzuarbeiten. Airbus sei bislang kein ahnlicher Fall bekannt. Der Europäische Flugzeughersteller habe bereits alle betroffenen Fluggesellschaften über die neuen Erkenntnisse informiert und Crew-Checklisten für den Fall dieser Fehlfunktionen zur Verfügung gestellt.
Die Sicherheitsbehörden werden in Zusammenarbeit mit dem Flugzeughersteller nun weitere Tests und Analysen durchführen. Anfang November soll ein erster Report zu veröffentlicht werden.
Weitere Informationen zum Thema:
Stand: 14.10.2008 - 6:19 PM Uhr
Quelle: airliners.de
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