Artikel vom 02.08.2010
Brand in MD-11 erst nach Bruchlandung
Erste Ermittlungsergebnisse
© alarabiya.net
Fernsehbilder zeigen die verunglückte Lufthansa-Cargo MD-11
Der Absturz einer MD-11 der Lufthansa Cargo auf dem Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad ist offenbar auf einen Landeunfall zurückzuführen. Die Maschine sei bei der Landung sehr hart auf der Rollbahn aufgeprallt, wodurch das Fahrwerk zerstört worden sei, erklärte der Sicherheitschef der saudi-arabischen Luftfahrtbehörde, Abel Rahman Buchari, am Samstag in Dschiddah.
Daraufhin sei die Maschine ins Rutschen geraten und von der Landebahn abgekommen. "Der Aufprall hat in der Maschine einen Brand ausgelöst", hieß es weiter unter Berufung auf erste Ermittlungsergebnisse. Endgültige Klarheit solle die Auswertung der beiden Flugdatenschreiber bringen.
Zunächst hatten die Behörden mitgeteilt, die Maschine habe kurz vor der Landung Feuer gefangen. Das Flugzeug mit 80 Tonnen Fracht an Bord war am Dienstag abgestürzt. Kapitän und Co-Pilot erlitten Verletzungen, die Ladung wurde weitgehend zerstört.
Lufthansa-Cargo-Sprecher Nils Haupt sagte am Samstag, das Unternehmen könne sich noch nicht zu dem Bericht äußern. Experten von Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik seien für Untersuchungen in Saudi-Arabien.
Die US-amerikanische Verkehrsbehörde NTSB hat ebenfalls ein Ermittlerteam nach Riad geschickt, das die saudi-arabischen Behörden bei der Untersuchung unterstützen soll (NTSB-Bericht).
Problem "Relaxed Stability" - Bereits etliche MD-11-Unfälle
Der Landeunfall von Riad könnte sich damit in eine Serie von MD-11-Landeunfällen einreihen. Die Maschine hat ein relativ kleines Höhenleitwerk. Zudem ist die dreistrahlige Maschine leicht hecklastiger als es Großflugzeuge normalerweise sind. Die spezielle Konstruktion soll den Luftwiderstand verringern und führt dazu, dass die Steuerung des Flugzeugs um die Pitch-Achse ungewöhnlich leichtgängig ist (Stichwort: "Relaxed Stability").
Unter Piloten gilt die Landung bei widrigen Windverhältnissen in der MD-11 als besonders anspruchsvoll. Gefährlich kann dabei vor allem die Tendenz der Maschine sein, nach einem ersten Aufsetzen erneut kurz abzuheben. Übersteuerung bei der Reaktion auf eine plötzliche Änderung des Anstellwinkels wurde bei etlichen MD-11-Zwischenfällen als ursächlich festgestellt.
Erst im März letzten Jahres hatte sich eine FedEx-MD-11 in Tokio bei der Landung überschlagen. Zuvor war 1997 ebenfalls eine MD-11 der FedEx betroffen, die nach einem instabilen Ausschweben erneut von der Bahn abprallte und sich beim zweiten Aufschlag überschlug (NTSB-Bericht).
Wie schon die FedEx-MD-11 in Newark überschlug sich zwei Jahre später in Hongkong eine MD-11 von China Airlines bei der Landung (HKG-CAD-Bericht). Zum Unglückszeitpunkt herrschte am Flugplatz ein Gewittersturm.
Etliche weitere Vorfälle mit zum Teil dramatischen Höhenänderungen und Oszillationen der Maschine und teilweise Toten in der Kabine gab es bei verschiedensten Airlines während des Reiseflugs.
Zudem gab es eine ganze Reihe von mehr oder weniger glimpflich verlaufenen Zwischenfällen bei der Landung. So war beispielsweise die später in Newark verunglückte FedEx-MD-11 bereits 1994 schon einmal bei der Landung in Anchorage mehrfach mit dem Heck auf der Bahn aufgeschlagen, bevor die Crew das Flugzeug stoppen konnte (NTSB-Bericht). 1996 gab es am selben Platz einen weiteren ähnlichen Vorfall mit einer FedEx-MD-11, bei dem die Maschine nach einem versuchten Durchstartemanöver erneut auf der Runway aufschlug (NTSB-Bericht). Auch Maschinen anderer Airlines waren in Landezwischenfälle verwickelt.
Stand: 02.08.2010 - 3:46 PM Uhr
Quelle: AFP, dpa, airliners.de
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