Artikel vom 01.06.2009 0

Air-France-A330 über Atlantik vermisst

Wracksuche vor Afrika und Südamerika

Ein Flugzeug der Air France mit 228 Menschen an Bord ist in der Nacht von Sonntag auf Montag auf dem Weg von Rio de Janairo nach Paris verunglückt. Der Airbus A330-200 wird seit dem Morgen über dem Atlantik vermisst. Von Brasilien und Afrika aus laufen Suchoperationen - bislang ohne Ergebnis.

Air France Airbus A330 - © © AirTeamImages.com -

Air France Airbus A330

Der Airbus A330-200 war gestern um 22:00 Uhr UTC (Mitternacht MESZ, 19:00 Uhr Ortszeit) unter der Flugnummer AF 447 in Rio de Janeiro mit dem Ziel Paris Roissy-Charles de Gaulle gestartet. Dort hätte das Unglücksflugzeug um 09.10 Uhr UTC eintreffen sollen.

Um 01.31 Uhr UTC gab es den letzten Kontakt mit der brasilianischen Flugkontrolle. Zu diesem Zeitpunkt verlässt die Maschine langsam den Radarbereich «Cindacta 3», der von der brasilianischen Insel Fernando de Noronha aus kontrolliert wird, und ist rund 565 Kilometer vor der brasilianischen Küste entfernt. Um 01.50 UTC verließ die Maschine in FL350 ohne Hinweise auf Probleme den Radarbereich. Während des Flugs über das offene Meer gibt es keinen Radarkontakt.

Gegen 02.00 Uhr UTC flog die Maschine nach Air-France-Angaben in eine schwere Gewitterfront. Eine automatisch abgesetzte Fehlermeldung des Flugzeugs signalisierte der Air-France-Zentrale um 02.14 Uhr UTC nach Angaben der Airline den Ausfall von elektrischen Systemen sowie - nach unbestätigten Berichten - auch einen rapiden Abfall im Kabinendruck. Die Crew meldete sich zudem nicht wie vorgesehen um 02.30 UTC per Funk beim zuständigen Oceanic Control Center.

Air France alarmierte daraufhin die brasilianischen und afrikanischen Luftfahrtämter. Zivile und militärische Flugsicherungs-Stationen in Südamerika, Afrika, Spanien, Portugal und in Frankreich hätten daraufhin sofort versucht, das Flugzeug zu orten und Kontakt aufzunehmen - allerdings ohne Erfolg.

Absturz wahrscheinlich

Gegen 06.00 Uhr UTC wurden die Sorgen um den Verbleib des Flugzeug zur schrecklichen Gewissheit, als sich die Crew weder bei den Kontrollstellen auf den Azoren noch in Lissabon angemeldet, teilte ein Sprecher der portugiesischen Luftfahrtbehörde mit.

Auch der Luftwaffenstützpunkt in Lajes auf der Azoren-Insel Terceira habe keinen Funkkontakt mit der Maschine gehabt, berichtete die Nachrichtenagentur Lusa. Nach den in Lissabon vorliegenden Informationen habe das Flugzeug auch keinen Kontakt zu den Lotsen auf der Insel Sal aufgenommen, die zur portugiesischen Ex-Kolonie Kap Verde gehört. Andere mögliche Notlandeplätze kommen nicht in Frage.

«Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe», sagte der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon am Mittag in Paris. «Wir verstehen noch nicht, was passiert ist», ergänzte der französische Verkehrs- Staatssekretär Dominique Bussereau. «Die Hypothese einer Entführung scheint ausgeschlossen, denn die Maschine hätte irgendwo landen müssen. Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen.» Es gäbe aber keine Hinweise auf einen Terroranschlag oder eine Entführung.

Wracksuche vor Afrika und Südamerika

Die Suche nach dem Wrack und die Aufklärung der Absturzursache gestalteten sich derweil sehr schwierig, weil nicht klar war, in welchem Seegebiet zwischen den Küsten Brasiliens und Afrikas die Maschine abstürzte.

Die Zone, in der das Flugzeug verschwunden sei, sei dort bis auf wenige Dutzend Seemeilen lokalisiert, sagte Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon am Montagabend auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle vor Journalisten.

Ein französisches Aufklärungsflugzeug nahm von Senegal aus die Suche nach dem Wrack vor der afrikanischen Küste auf. Zudem nahm das französische Verteidigungsministerium Kontakt zum US-Verteidigungsministerium. Satelliten des Pentagon sollen bei der Ortung der Maschine helfen.

Die brasilianische Luftwaffe fliegt zudem seit den frühen Morgenstunden mit insgesamt fünf Militärmaschinen einen Teil der Flugroute ab. Auch drei Schiffe und zwei Hubschrauber sind im Einsatz. Bislang blieb die Suche ergebnislos.

An Bord der Unglücksmaschine waren laut Airline 216 Passagiere und 12 Besatzungsmitglieder. 61 Menschen an Bord waren Franzosen. Zudem stehen 58 Brasilianer auf der Passagierliste. An Bord der Unglücksmaschine waren auch 26 Deutsche, neun Italiener, sechs Schweizer und ein Österreicher. Insgesamt waren Passagiere aus 30 Nationen an Bord.

Ermittlungen zum Unfallhergang beginnen

Air France hat alle vorhandenen Informationen über das Verschwinden der Maschine an das Französische Ermittlungsbüro für Vorfälle in der zivilen Luftfahrt BEA (Bureau for Accident Investigation) sowie die Französische Organisation für technische Ermittlungen von Vorfällen in der zivilen Luftfahrt und an den Flugzeugbauer Airbus übermittelt.

Für Air France wäre der Absturz der Maschine bei einem Tod aller Insassen die schwerste Katastrophe der Unternehmensgeschichte. Die letzten Toten hatte die Gesellschaft beim Absturz einer Concorde bei Paris im Jahr 2000 zu beklagen, als 113 Menschen starben.

Der Airbus A330-200 mit dem Kennzeichen F-GZCP hatte den Flugbetrieb am 18. April 2005 aufgenommen und seitdem 18.870 Flugstunden absolviert. Die letzte größere Wartung fand am 16. April 2009 statt.

Am Flughafen Paris wurde ein Krisenstab eingesetzt und eine Betreuung für Angehörige eingerichtet. Die Fluggesellschaft richtete eine Telefonhotline ein, die vom Ausland aus unter 00.33.1.57.02.10.55 erreicht werden kann.

Stand: 01.06.2009 - 4:22 PM Uhr

Quelle: airliners.de mit AFP, dpa

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