Artikel vom 02.07.2009 0
Air-France-A330 nicht in der Luft zerbrochen
BEA veröffentlicht Zwischenbericht
© BEA
Geborgenes Trümmerteil der verunglückten Air France A330
Der Airbus A330 sei offenbar mit dem Bauch zuerst auf dem Meer aufgeschlagen, teilte die französische Flugunfallbehörde BEA am Donnerstag in Le Bourget mit. Die Maschine scheint dabei die Wasseroberfläche "mit einer starken vertikalen Beschleunigung in der Flugbahn" getroffen zu haben, erläuterte Alain Bouillard von der französischen Ermittlungsbehörde. Die Maschine habe das Wasser also mit einer normalen Flugausrichtung mit dem Bauch zuerst berührt und nicht mit der Nase oder den Flügeln.
Ob es sich um den Versuch einer Notwasserung gehandelt haben könnte, ließen die Ermittler offen. Sie verwiesen darauf, dass unter den Trümmern keine einzige aufgeblasene Schwimmweste entdeckt wurde. Bei einer angekündigten Notwasserung hätte dies anders sein müssen. Auch habe die Crew keine Notfallmeldungen abgesetzt.
Trümmer aus allen Bereichen des Flugzeugs geborgen
Seit dem Absturz wurden laut BEA 640 Teile der Maschine gefunden, darunter das Leitwerk am Heck des Flugzeuges. Die Trümmer stammten "aus allen Bereichen des Flugzeugs", erklärten die Ermittler. Mehrere Teile zeigten, dass sie einer "starken vertikalen Beschleunigung" ausgesetzt gewesen seien. "Das könnte Folge des Aufschlags der Maschine auf das Wasser sein."
Auch dass das Leitwerk am Heck noch immer am Rest des Flugzeugs befestigt gewesen und dass es inmitten der anderen Trümmer gefunden worden sei, bestätige, dass die Maschine nicht in der Luft zerstört worden ist. "Das Flugzeug ist ohne technische Probleme abgeflogen", sagte Bouillard. Das Wetter sei schwierig, aber für die Gegend nicht ungewöhnlich gewesen. Die Behörde untersuche auch den Flugverlauf von drei anderen Flugzeugen, die sich zur Unglückszeit in der unmittelbaren Umgebung der Air-France-Maschine befanden.
Insgesamt scheint nach dem Zwischenbericht ausgeschlossen, dass eine Bombe an Bord explodiert oder dass das Flugzeug nach Überlastungen in der Luft auseinandergebrochen ist. "Wir haben weder Brand- noch Sprengstoffspuren gefunden", sagte Bouillard. "Ich habe keine Antwort auf die Frage, ob die Kabine beim Aufprall noch unter Druck stand und ob die Passagiere noch lebten», sagte Bouillard. Alle 51 geborgenen Leichen seien in Brasilien. Die Brasilianer hätten noch keine Ergebnisse der Autopsien übermittelt.
Laut den Ermittlern deutet zudem derzeit auch nichts darauf hin, dass eine Verbindung zwischen dem Unfall und einer Funktionsstörung der Pitot-Sonden gab. Zu Beginn ihrer Untersuchung hatte die Behörde auf unstimmige Geschwindigkeitsmessungen verwiesen, die durch automatisch abgesetzte Meldungen der Maschine belegt sind. Was genau auf dem Flug geschah und zur Katastrophe geführt hat, ist auch nach dem ersten Bericht unklar. Weitere Hinweise zur Aufklärung könnten die Flugschreiber liefern. Diese sind aber nach wie vor nicht geortet.
Suche nach Flugschreiber-Signalen noch bis Ende nächster Woche
Frankreich will derweil die Suche nach Signalen der Flugschreiber am 10. Juli einstellen. Die Lebenszeit der Batterien der Peilsender der Black Boxes nähere sich ihrem Ende, erklärte die BEA.
Nach dem Verstummen der Sender werde eine zweite Such-Phase eingeleitet. Dabei werde der Meeresboden "systematisch" mit Tauchfahrzeugen und Schleppsonaren abgesucht. Für diese auf einen weiteren Monat angelegte zweite Phase werde das französische Meeresforschungsschiff "Pourquoi pas" eingesetzt.
Oceanic-Control-Center in Dakar erwartete Flugzeug nicht
Zum späten Start der Suche gab es bei der heutigen Vorstellung der ersten Untersuchungsergebnisse auch Erklärungen. Die Kontrollstation in Dakar sei nicht ordnungsgemäß über den Flug informiert worden und habe das Flugzeug daher nicht vermisst, als es sich nicht bei der Atlantik-Kontrollstelle meldete.
"Dakar hat keinen Flugplan erhalten, man hat sie in der Adressatenliste vergessen", sagte Bouillard. Dies habe dazu geführt, dass das Verschwinden des Flugzeugs erst Stunden später aufgefallen sei. Normalerweise hätte sich das Flugzeug gegen 02:20 Uhr UTC beim Oceanic-Control-Center in Dakar melden müssen.
Um 01.35 Uhr UTC hatte die Maschine vom Typ A330 zum letzten Mal Kontakt mit einer brasilianischen Kontrollstation. Als der Airbus A330 den von Brasilien überwachten Luftraum verlassen habe, hätten die dortigen Lotsten ihre Kollegen im westafrikanischen Senegal telefonisch verständigen müssen, erläuterte die Behörde. Darauf hätte das Kontrollzentrum im Senegal dann routinemäßig Kontakt mit der Maschine aufnehmen sollen. Beides sei aber nicht passiert. Brasilien widersprach dieser Darstellung am Abend.
Um 02:10 Uhr wurden 24 automatische Notsignale gesendet. Erst um acht Uhr morgens habe die Kontrollstation in Madrid erstmal Alarm ausgelöst, sagte Bouillard. Das erste Suchflugzeug hob dann gegen Mittag in Dakar ab. Der Air-France-Airbus war am 1. Juni auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris verunglückt.
Link: BEA-Untersuchungsbericht...
Stand: 02.07.2009 - 8:05 PM Uhr
Quelle: airliners.de mit dpa, AFP
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