Artikel vom 04.01.2010 0

JAL erhält weitere Finanzspritzen

Abgabe der internationalen Routen an ANA?

Die finanziell schwer angeschlagene JAL Japan Airlines wird mit weiteren Krediten in der Luft gehalten. Um eine drohende Insolvenz abzuwenden, könnte JAL ihr internationales Geschäft an den Konkurrenten ANA abtreten.

Boeing 747 der ANA und JAL in Tokio-Haneda - © © AirTeamImages.com -

Boeing 747 der ANA und JAL in Tokio-Haneda

Die ums Überleben kämpfende Japan Airlines (JAL) soll mit weiteren Überbrückungskrediten über Wasser gehalten werden. Die staatseigene japanische Entwicklungsbank werde ihre Kreditlinie auf 200 Milliarden Yen (1,5 Mrd Euro) verdoppeln, gab die Regierung am Sonntag bekannt.

Damit solle die laufende Finanzierung der Fluglinie sichergestellt werden, bis zum Ende des Monats Januar ein Restrukturierungsplan ausgearbeitet sei.

Der Beschluss erfolgte am Tag vor Beginn des neuen Börsenjahres, nachdem massive Spekulationen um eine Insolvenz die Aktie der größten Fluglinie Japans kurz vor dem Jahreswechsel um ein Viertel hatten einbrechen lassen. 

Der stellvertretende Regierungschef Naoto Kan, Transportminister Seiji Maehara und andere mit der Sanierung der Fluggesellschaft beauftragte Minister hätten sich bei einem Treffen am Sonntag auf die Verdopplung der Kreditlinie geeinigt, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Die Regierung werde jedoch keine Garantien für die geplanten Überbrückungskredite der Entwicklungsbank übernehmen, bis die staatliche Sanierungsgesellschaft Enterprise Turnaround Initiative Corp. of Japan zum Ende des Monats über ein Finanzierungspaket für die marode Fluglinie entscheidet.

In der Regierung soll es jedoch unterschiedliche Ansichten darüber geben, was mit JAL geschehen soll. Manche Kabinettsmitglieder sollen für ein Insolvenzverfahren sein, während Verkehrsminister Seiji Maehara dies ablehne. Nach seiner Ansicht gibt es auch andere Optionen.

Internationale Verbindungen könnten an ANA abgegeben werden

Das Unternehmen erhielt außerdem Investmentangebote von Delta Air Lines und American Airlines. Delta will Zugang zum Netz der Japaner bekommen und sie aus der Oneworld-Allianz locken, zu der neben British Airways vor allem American Airlines gehört.  Oneworld wiederum will JAL als Partner nicht verlieren und bietet daher ebenfalls Hilfen an.

Die japanische Zeitung «Yomiuri Shimbun» berichtete zudem, Japan Airlines werde möglicherweise das Geschäft mit internationalen Strecken abgeben. Die Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) erwäge, das internationale Geschäft des verschuldeten Konkurrenten zu übernehmen. ANA wolle damit die Überseeverbindungen vor allem nach Europa und in die USA stärken.

JAL hat in vier der vergangenen fünf Jahre einen Verlust eingeflogen. Zuletzt verbuchte die Airline im Geschäftsjahr bis Ende März 2009 ein Minus von 63 Milliarden Yen (rund 470 Millionen Euro). Seit der Luftfahrt-Krise 2001 musste die Regierung bereits mehrfach eingreifen.

JAL legte bereits einen strikten Sanierungsplan vor, sicherte sich zuletzt eine Zwischenfinanzierung und versucht, Mitarbeiter und Pensionäre zu Zugeständnissen zu bewegen.

Nach den neuen Kreditzusagen schossen die JAL-Aktien am Montag, dem ersten Tag des neuen Börsenjahres, um 31 Prozent in die Höhe. Sie gingen mit einem saftigen Aufschlag von 21 Yen beim Kurs von 88 Yen aus dem Markt. So stark legte keine andere Aktie an der asiatischen Leitbörse zu.

Stand: 04.01.2010 - 3:24 PM Uhr

Quelle: dpa, airliners.de

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