Artikel vom 17.04.2010 0
Luftraum bis Sonntag geschlossen
Aschewolke erreicht Südeuropa
© dpa
Flüge annuliert: Anzeigetafel in München
Isländische Vulkanasche verhindert weiterhin den Luftverkehr in Deutschland und Europa. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen hat den Luftraum über Deutschland bis zunächst Sonntag, 14:00 gesperrt.
Die Sperrung der Flughäfen hatte zunächst bis Samstag um 14.00 Uhr gegolten und war am Vormittag von einem Krisenstab bis Sonntag um 2.00 Uhr, danach bis 8.00 Uhr ausgedehnt worden. Am späten Abend wurde der Termin um weitere sechs Stunden verschoben.
Möglicherweise können auch den ganzen Sonntag keine Verkehrsmaschinen von deutschen Flughäfen abheben. Überflüge sind zum Teil möglich, VFR-Verkehr auch. In einigen Gebieten sei der obere Luftraum prinzipiell offen, je nach der zu beobachtenden und erwarteten Aschebewegung, teilte die Flugsicherung mit.
Eine Eurocontrol-Karte zeigt die aktuell prognostizierte Ausbreitung der Aschewolke (Link zur aktuellen Karte). Auch der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht aktuelle Satelitenbilder (Link zu den DWD-Satelitenbildern).
Die Airlines in Europa fangen derweil an, die flächendeckenden Luftraum-Sperren für den kommerziellen Verkehr in Frage zu stellen. Erste Testflüge weisen angeblich darauf hin, dass die Aschewolke über Mitteleuropa für Flugzeuge ungefährlich sei.
Großwetterlage denkbar ungünstig
Die Wetterbedingungen sind derzeit denkbar ungünstig. Deutschland befinde sich mitten in einem Hochdruckgebiet, das von den Azoren nach Mitteleuropa reiche, sagte Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach auf Anfrage. Die Aschewolke werde daher weder durch Luftbewegungen verteilt, noch durch Regen ausgewaschen.
Die Nordwestströmung, die die Asche momentan von Island nach Mitteleuropa leitet, wird dem Meteorologen zufolge jedoch auch in der nächsten Woche anhalten. Eine neue Bewertung der Großwetterlage werde am späten Nachmittag möglich sein.
Airlines stellen Betrieb ein
Die Deutsche Lufthansa streicht wegen der Sperrungen im europäischen Luftraum ihre Flüge bis Sonntag 14.00 Uhr. Air Berlin streicht bis auf einige innerspanische Verbindungen alle ihre Flüge bis mindestens Sonntag 02.00 Uhr. Der Ferienflieger Condor hat für Samstag alle Flüge aus Deutschland gestrichen.
Ryanair kündigte bereits an, im Norden Deutschlands und in vielen weiteren europäischen Ländern bis mindestens Montag 13.00 Uhr keine Maschinen starten zu lassen.
Die finanziell angeschlagene skandinavische Fluggesellschaft SAS will ab Montag bei einer anhaltenden Einstellung des Luftverkehrs 2500 Beschäftigte ohne Lohn freistellen. Wie das Unternehmen am Samstag in Oslo mitteilte, seien entsprechende Ankündigungen an die Betroffenen des Bodenpersonals in Norwegen übermittelt worden.
Behinderungen bis Südeuropa
Wegen der Aschewolke sind am Samstag mehr als Dreiviertel aller Flüge ausgefallen. Wie die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel mitteilte, fanden nur geschätzte 5000 der für diesen Wochentag üblichen rund 22 000 Flüge statt. In ganz Europa sitzen hunderttausende Flugreisende fest. Die Animation im Video zeigt die Ausbreitung der Aschewolke von Mittwoch bis Freitagmorgen.
Auf ihrem langsamen Weg Richtung Süden beeinträchtigt die Asche seit dem Morgen auch Österreicht, die Schweiz und Italien. Sperrungen gibt es auch in Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und der Slowakei.Nur in Südeuropa wie einigen Teilen Spaniens, im Südbalkan, in Süditalien, Griechenland oder der Türkei blieb der Luftraum offen.
In Nordeuropa, also Skandinavien, Großbritannien, das Baltikum und die BeNeLux-Staaten bleibt der Luftraum bis mindestens Sonntagmorgen gesperrt. Auch die meisten französischen Flughäfen sind weiterhin geschlossen.
Vulkan weiter aktiv
Die für den Flugverkehr erhoffte Entwarnung aus Island blieb derweil bislang aus: Der Gletschervulkan stieß auch am Samstag weiter eine gewaltige Säule mit Rauch und Asche in die Atmosphäre. Wie das Meteorologische Institut in Reykjavik mitteilte, wurden in der Nacht keine Veränderungen der Aktivitäten unter dem Eyjafjalla-Gletscher beobachtet.
Außerdem werde seit Freitagabend auch wieder vermehrt schwarze Asche in die Atmosphäre geblasen, nachdem die Wolke zeitweise fast nur noch aus Wasserdampf bestanden habe.
Die Aschewolke aus dem Vulkan, die seit Mittwoch über Europa wandert kann die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen und die Fenster blind machen, weil sie wie ein Sandstrahl wirkt. Am Freitag waren etwa 60 Prozent der etwa 28 000 Flüge in Europa ausgefallen, in Deutschland etwa 7000 von sonst 10 000. Es handelt sich um den größten Stillstand der zivilen Luftfahrt in der Geschichte.
Quellen für aktuelle Informationen
Link: VAAC London - Grafiken zur aktuell vorhergesagten Ausbreitung der Aschewolke
Link: Eurocontrol - Volcanic Ash Update (rechts oben auf Headline-News klicken)
Hintergründe:
Link: ALPA - Volcanic Ash and Aviation Safety
Link: USGS - Volcano Hazards Program Site
Link: Boeing - Volcanic Ash Avoidance
Stand: 17.04.2010 - 10:25 PM Uhr
Quelle: airliners.de, mit dpa, AFP, ddp
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