Artikel vom 27.12.2009 0

USA weiten Sicherheitsmaßnahmen aus

Weniger Handgepäck, kein Aufstehen, keine Decken

Nach dem vereitelten Terroranschlag auf einen Delta-Airbus-A330 haben die USA auch verschärfte Regelungen für das Verhalten an Bord herausgegeben. Dabei geht es offensichtlich um die Bekämpfung neuer Terror-Strategien, Flugzeuge auch mit kleinen Sprengungen zum Absturz zu bringen.

Sicherheitskontrollen am Flughafen Detroit/Michigan (USA) - © © dpa -

Sicherheitskontrollen am Flughafen Detroit/Michigan (USA)

Nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Verkehrsflugzeug am Freitag werden auch in Deutschland die Kontrollen im Luftverkehr verschärft. Wie das Bundespolizeipräsidium in Potsdam am Samstagabend mitteilte, werde der Vorfall in Detroit zum Anlass genommen, die bestehenden hohen Sicherheitsstandards durch zusätzliche Kontrollmaßnahmen zu ergänzen.

Reisende in die USA wurden gebeten, sich gegebenenfalls auf längere Wartezeiten einzustellen. Die deutschen Sicherheitsbehörden stünden im engen Kontakt mit den Experten der Transportation Security Administration (TSA).

Keine Decken, kein Aufstehen, weniger Handgepäck

Die amerikanischen Luftsicherheitsbehörde hat derweil auch die Airlines auf eine Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen an Bord von Flugzeugen in US-amerikanischem Luftraum hingewiesen. Dabei geht es vor allem um die letzte Flugstunde.

So gibt Air Canada auf ihrer Webseite an, dass sowohl Passagiere als auch Crew eine Stunde vor der Landung nicht mehr aufstehen dürfen. Auf kürzeren Flügen würden die Seatbelt-Signs gar nicht ausgeschaltet.

Decken und Kissen sind in dieser Zeit auch verboten und sollen von den Crews eingesammelt werden. Gleichzeitig dürfen die Passagiere in dieser Zeit auch nicht mehr an ihr Handgepäck. Nach Angaben von British Airways wird auch das Handgepäck eingeschränkt und auf ein Gepäckstück reduziert.

Kleine Bomben in bodennähe gefährlicher

Die neuen TSA-Regelungen für das Verhalten an Bord mögen auf den ersten Blick willkührlich erscheinen. Allerdings hatten sowohl der "Schuhbomber" als auch der Attentäter aus der Delta-Maschine ihren Anschlag offenbar gezielt um die bestehenden Sicherheitsbestimmungen herum geplant. Zudem haben beide Terroristen möglicherweise gezielt einen Sitzplatz über dem Flügel gewählt.

Die Terroristen könnten darauf setzen, dass kleinere Explosionen Flugzeuge in Bodennähe tendenziell mehr gefährden könnten, als in großen Höhen. Im Reiseflug hätte die Crew mehr Zeit und mehr Optionen, ein angeschlagenes Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen. Allerdings benötigt das Zusammensetzen der kleinen Komponenten-Sprengsätze einige Zeit. Zudem müssen die Sprengsätze dann schnell gezündet werden.

Vor dem Anschlag am Freitag hatte sich der Attentäter nach Zeugenaussagen rund 20 Minuten auf der Bordtoilette aufgehalten. Nach der Rückkehr zu seinem Sitzplatz habe er eine Decke über sich ausgebreitet und darunter versucht, ein angeblich in die Unterwäsche eingenähtes Sprengpulver zu entzünden. Der hochexplosive PETN-Sprengstoff sei in einem Kondom gefüllt gewesen, um später mit einer flüssigen Chemikalie zur Explosion gebracht zu werden.

Internationale Sicherheitsdebatten

Der Vorfall löste erneut eine Sicherheitsdebatte aus. Mehrere US-Kongressvertreter kündigten für Januar Anhörungen unter anderem dazu an, wie der Attentäter der Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden entgehen und schließlich den Sprengstoff an Bord der Maschine schmuggeln konnte.

Auch die EU-Kommission untersucht, ob alle Sicherheitsregeln in Europa eingehalten wurden. Es müsse geklärt werden, wie der Nigerianer am Airport Schiphol explosionsfähiges Material mit an Bord der Maschine der Delta Airlines bringen konnte.

Als Konsequenz des werden auch wieder Rufe laut, die herkömmlichen Metalldetektoren an Flughäfen durch sogenannte "Nacktscanner" zu ersetzen. Mit den Millimeter Wave Body-Scannern können Passagiere quasi "bis auf die Haut" durchleuchtet werden, um am Körper verstecke Sprengladungen zu entdecken. Diese Methode ist jedoch äußerst umstritten.

Stand: 27.12.2009 - 11:10 AM Uhr

Quelle: airliners.de mit dpa, AFP

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