Artikel vom 02.12.2009 0
Luftfahrt-Turbulenzen nach Dubai-Krise?
Internationale Beteiligungen und Konsolidierungspotenzial am Golf
© AirTeamImages.com
Emirates-Flugzeuge in Dubai
Eine Woche nachdem die Staatsholding Dubai World mit ihrer Bitte um Zahlungsaufschub das Vertrauen in den Finanzstandort Dubai erschüttert hat, gehen die Spekulationen über mögliche Auswirkungen der Finanzkrise am Golf weiter. Dubai hat derzeit über 80 Milliarden Dollar Schulden, wovon allein Dubai World 59 Milliarden zu verantworten hat. Die Holding wird nun alle Geschäftsbereiche eingehend prüfen und möglicherweise einen Teil ihrer Aktiva liquidieren müssen.
Dubais große Luftfahrt-Pläne
Während der Staatsfonds um ein Sanierungskonzept ringt, stellt sich auch die Frage, welche Folgen die Finanzprobleme Dubais für die Luftverkehrsbranche haben könnten, denn Dubai World ist auch in den boomenden Luftfahrtaktivitäten des Golf-Emirats eng eingebunden - und Dubai hat in Sachen Luftfahrt große Pläne.
Gleichzeitig mit der Expansionsstrategie der staatlichen Airline Emirates entsteht derzeit mit dem "Dubai World Central International Airport" der größte Flughafen der Welt. Der Flughafenkomplex soll neben dem eigentlichen Flughafen auch Einrichtungen für Logistik, Luftfahrtforschung und -entwicklung, Luftfahrtindustrie sowie Luftfahrtservice- und Wartungsfirmen umfassen. All das muss koordiniert und finanziert werden.
Internationale Aktivitäten in der Luftverkehrsbranche
Zur Dubai World gehört beispielsweise der Finanzinvestor Istithmar World Aviation Holdings (Istithmar), der unter anderem in Dubai Aerospace Enterprises (DAE) investiert. Zu DAE wiederum gehört neben DAE Manufacturing, DAE Airports, DAE University, DAE Engineering und DAE Services auch die Flugleasing- und Finanzierungsgesellschaft DAE Capital, die derzeit nach eigenen Angaben Bestellungen über insgesamt 223 Airbus- und Boeing-Flugzeuge offen hat.
Ob und welche Auswirkungen die Umstrukturierung von Dubai World auf die Luftfahrt-Unternehmen weltweit haben wird, ist bisher nicht absehbar. Die indische Billigfluggesellschaft SpiceJet, an der Istithmar zu 13 Prozent beteiligt ist, hatte noch vor wenigen Tagen erklärt, über mögliche Änderungen an der Investment-Strategie von Istithmar sei ihr nichts bekannt.
Istithmar ist neben DAE übrigens auch beim Businessjet-Betreiber IWA Executive Jets und bei der somalischen Fluggesellschaft Daallo Airlines beteiligt. Aber auch in Europa haben Holdings und Fonds aus Dubai Anteile: DAE ist beispielsweise auch zu 30 Prozent an dem Schweizer MRO-Konzern SR Technics beteiligt und seit März 2008 auch Eigentümer des österreichischen IT-Dienstleisters Flugzeugwerke Aviation Software (f:wz).
Kommt für Emirates eine Fusion mit Etihad?
Emirates sieht sich derweil auch noch nicht von den Finanzproblemen des Emirats betroffen: Dubai werde einen Ausweg finden, sagte Emirates-President Tim Clark gegenüber dem Branchenmagazin "Air Transport World". "Ich bin zuversichtlich, dass dieses [finanzielle Problem] keine Auswirkungen auf die Airline haben wird", erklärte Clark.
Möglicherweise greifen nun die Nachbaremirate Dubai unter die Arme. Abu Dhabi hat bereits Ende letzter Woche Unterstützung zugesichert. Beobachter rechnen jedoch damit, dass Abu Dhabi Bedingungen daran knüpfen wird, die möglicherweise auch die Fluggesellschaft Emirates betreffen könnten. Immerhin, auch Abu Dhabi hat Großes mit seiner Airline vor und plant auch einen Mega-Flughafen.
In den letzten Tagen mutmaßten nun verschiedene Medien, dass Abu Dhabi die Übernahme von Emirates oder deren Zusammenschluss mit Etihad fordern könnte. Emirates Vice Chairman Maurice Flanagan hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass Dubai dem zustimmen würde, berichtet "Bloomberg". Auch Etihad ließ verlauten, dass es derzeit "keine Gespräche" über einen Deal mit Emirates gebe, schreibt die britische Zeitung "The Guardian".
Vielleicht spricht Dubai ja aber auch mit Katar. Auch dort gibt es eine große Airline, eine noch größere Flughafenbaustelle und viele weitere Luftfahrt-Planungen. Es bleibt also abzuwarten, inwieweit sich die Finanzkrise am Golf regional und international auswirken wird. Möglichkeiten für Konsolidierungen gäbe es sicherlich "wie Sand am Golf".
Stand: 02.12.2009 - 3:37 PM Uhr
Quelle: airliners.de
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