Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Verkaufsschlager Airbus A320neo

29.06.2011 - 11:39 0 Kommentare

Die A320-Familie ist das Brot-und-Butter-Modell für den europäischen Flugzeugbauer Airbus. Mit dem Update A320neo schreibt das Unternehmen die Erfolgsgeschichte weiter. Das Flugzeug ist ein Renner; Konkurrent Boeing kommt unter Druck.

Airbus A320neo - © © Airbus -

Airbus A320neo © Airbus

Spitzenmanager wie Airbus-Chef Tom Enders gestehen nicht gerne Fehleinschätzungen ein. Nach der Luftfahrtausstellung in Le Bourget jedoch schlug sich Enders auf die Brust und bekannte öffentlich: «Ich muss zugeben, dass ich die Marktnachfrage nach der A320neo stark unterschätzt habe.» Ein halbes Jahr nach dem Verkaufsstart hat Airbus mehr als 1000 Aufträge für das Flugzeug in den Büchern. Halb so viele wären auch schon ein Erfolg gewesen. Damit festigt Airbus seine dominierende Position bei den kleinen Großraum-Jets mit einem Gang in der Passagierkabine.

Die A320neo unterscheidet sich von der Standardversion durch verbesserte Triebwerke und gebogene Flügelspitzen («sharklets»). Das ist schon alles. Doch die Auswirkungen sind enorm. Der Treibstoffverbrauch sinkt um 15 Prozent. Das Flugzeug wird deutlich leiser, es spart im Jahr nach Airbus-Angaben 1,4 Millionen Liter Kerosin und damit erhebliche Kosten sowie 3600 Tonnen CO2. «Ich habe noch keine Fluggesellschaft gesehen, die einen Fortschritt von 15 Prozent beim Treibstoffverbrauch ignoriert», sagt Henri Courpron, Chef der Flugzeugleasing-Gesellschaft ILFC. Mit einer unveränderten Treibstoffmenge könnte die A320neo 950 Kilometer weiter fliegen oder zwei Tonnen mehr Ladung transportieren als die Standardversion.

Zu 95 Prozent bleiben die Flugzeuge der Modelle A319, A320 und A321 unverändert. Für das kleinste Modell der Familie, die A318 mit 100 Sitzen, wird neo (new engine option) nicht angeboten. Airbus konzentriert auf die größeren Familienmitglieder, die 124 bis 200 Sitze aufbieten. «Für die Fluggesellschaften ist es günstig, dass Airbus das Familienkonzept fortsetzt», sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. «Es gibt keinen Bruch zwischen dem alten und dem neuen Modell.» Die Piloten können beide Maschinen fliegen, die Techniker sie warten und reparieren, die Ersatzteile sind die gleichen.

Der Markterfolg der A320neo ist eine gute Nachricht für die europäische Flugzeugindustrie, ihre Beschäftigten und Zulieferer. Um die Auswirkungen genau absehen zu können, ist es laut Airbus jedoch noch zu früh. Erst Ende 2015 werden die ersten A320neo an die Fluggesellschaften ausgeliefert, die A319neo und A321neo noch etwas später. Gegenwärtig sucht Airbus 1000 neue Beschäftigte in Deutschland, um die A320-Produktion hochzufahren. Das Airbus-Werk in Hamburg-Finkenwerder ist die wichtigste Fabrik bei der Produktion der kleinen Airbus-Modelle.

Airbus-Konkurrent Boeing muss sich nun überlegen, was er den erfolgreichen neo-Flugzeugen entgegensetzt. Das Konkurrenzmodell Boeing 737 gerät unter Preis- und Marktdruck, meint Schellenberg. Es ebenfalls mit neuen Triebwerken aufzurüsten, ist aus technischen Gründen schwierig. Die Entwicklung eines neuen Flugzeugs jedoch dauert Jahre; Airbus hätte dann erst einmal einen Wettbewerbsvorsprung.

Airbus hat bereits mehr als 7.000 Maschinen der A320-Familie verkauft und rund 4.700 davon ausgeliefert. Für die neo-Modelle erwartet Airbus einen Absatz von 4.000 Flugzeugen in den nächsten 15 Jahren. Auch das bisherige Standardmodell ist noch im Markt und wird gekauft, so hat beispielsweise China gerade eine Kaufvereinbarung für 88 Maschinen aus der A320-Familie abgeschlossen. Fluggesellschaften bestellen es vor allem, wenn sie die Maschinen vor 2016 brauchen.

Von: Eckart Gienke, dpa
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