Vereinigung Cockpit kritisiert Geschäftsmodell von Norwegian

14.02.2014 - 11:55 0 Kommentare

Nach der europäischen Pilotengewerkschaft hat nun auch die deutsche Vereinigung Cockpit (VC) das Norwegian-Langstrecken-Geschäftsmodell scharf kritisiert. VC appellierte an die Politik, die Pläne zu verhindern.

Ilja Schulz

Ilja Schulz
© Vereinigung Cockpit

Norwegian Boeing 737-800 im Anflug

Norwegian Boeing 737-800 im Anflug
© AirTeamImages.com - Danish Aviation Photo

Die Pilotengwerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die Entscheidung Irlands kritisiert, Norwegian Air International eine dauerhafte Betriebserlaubnis (AOC) zu erteilen. Die Entscheidung der irischen Luftfahrtbehörde werde ernsthafte Sicherheits- und Sozialauswirkungen nach sich ziehen, erklärte VC-Präsident Ilja Schulz. Wettbewerb in der Luftfahrt sei willkommen, aber das Geschäftsmodell von Norwegian sei ein Bilderbuchbeispiel für das Ausflaggen. Es gehe um die Eröffnung der Möglichkeit, Sozial-Dumping zu betreiben und somit Sozialstandards zu untergraben.

"Dieser Versuch verstößt gegen das EU-US-Transportabkommen, welches ausdrückliche Vorkehrungen vorsieht, genau solches zu verhindern“, so Schulz. „Wir fordern deshalb die EU- Kommission auf, solche Praktiken zu unterbinden und auf Einhaltung des Transportabkommens zu bestehen. Wir fordern weiterhin auch das amerikanische Transportministerium auf, Norwegian Air International die Genehmigung für Flüge in die USA zu verweigern.“

Norwegian Air International, ein Tochterunternehmen der Luftfahrtgesellschaft Norwegian Air Shuttle, plant Streckenverbindungen zwischen Europa, Thailand und den USA aufzunehmen. Unter Nutzung des irischen AOC möchte die Airline die Flüge als irische Fluggesellschaft durchführen, ohne je irischen Boden zu berühren, dabei aber trotzdem von den irischen Steuergesetzen profitieren. Die Piloten sollen mit Zeitverträgen in Singapur eingestellt und in Bangkok stationiert werden, während sie de facto in Europa leben können, wo sie weder Steuern noch Sozialabgaben zahlen.

Die Pilotengewerkschaft European Cockpit Association hatte der neuen Langstrecken-Billigfluggesellschaft ebenfalls bereits Sozialdumping sowie die systematische Ausflaggung ihrer Flotte zur Ausnutzung von Lücken in den internationalen Rechtssytemen vorgeworfen.

VC-Pressesprecher Jörg Handwerg betonte: „Die Passagiersicherheit muss an erster Stelle stehen und wir haben größte Bedenken, dass die irischen Behörden eine angemessene Aufsicht über die Sicherheit des Unternehmens gewährleisten können." Die Firmenkonstruktion von NAI erinnere an einen fatalen Unfall in Cork, bei dem eine ähnliche Konstruktion zum Unfall beigetragen habe. Das Beschäftigungsmodell - mit Zeitarbeitsverträgen in Asien - sei für eine offene Meldekultur, die ein elementarer Bestandteil einer jeden Sicherheitskultur ist, äußerst schädlich.

Von: airliners.de mit Vereinigung Cockpit
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