Vereinigung Cockpit gibt deutschen Flughäfen gute Noten

18.07.2019 - 12:24 0 Kommentare

Der Flughafencheck der Vereinigung Cockpit zeigt leicht bessere Ergebnisse als im Vorjahr, kein Airport bekommt eine schlechtere Note. Künftig wird die Verhinderung von Runway Incursions mehr Gewicht bekommen.

Übersicht der Ergebnisse des Flughafenchecks 2019 der Vereinigung Cockpit (Screenshot) - © © Vereinigung Cockpit -

Übersicht der Ergebnisse des Flughafenchecks 2019 der Vereinigung Cockpit (Screenshot) © Vereinigung Cockpit

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat die Ergebnisse ihres jährlichen Flughafenchecks vorgelegt. Insgesamt schneiden die deutschen Airports gut ab. Spitzenreiter sind mit der Note 1,6 die Flughäfen Leipzig und München. Weitere Airports, die mit Noten besser als 2,0 glänzen sind Bremen (1,7), Kassel (1,8), Köln/Bonn (1,9), Nürnberg (1,9) und Stuttgart (1,7).

Das Schlusslicht im VC-Ranking bildet Mannheim, der mit einer 3,6 als einziger Airport keine eins oder zwei vor dem Komma aufweisen kann. Hier werden von der Pilotengewerkschaft besonders Anflugtyp und -beleuchtung sowie das Fehlen einer Runway End Safety Area (Resa) negativ bewertet. Die Piste wird von zwei Straßen eingerahmt. Der Airport erklärte dazu in einer Mitteilung, man kompensiere die räumlich bedingten Restriktionen durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die es an anderen Flugplätzen so nicht gibt.

Mannheim ist als Verkehrslandeplatz klassifiziert und damit eine Kategorie unter den Verkehrsflughäfen eingestuft. In der Reaktion des Flugplatzes auf die VC-Untersuchung wird betont, dass Mannheim seit 2017 nach dem höchsten europäischen Sicherheitsstandard zertifiziert sei. Die VC bewerte lediglich die Ausstattung der Flughäfen, nicht jedoch weitere Faktoren wie Verkehrsmenge, individuelle Maßnahmen zur Risikoabwehr oder besonderes Training der an- und abfliegenden Crews.

Weitere Flughäfen, die mit Noten von 2,5 oder mehr vergleichsweise schlecht abgeschnitten haben sind Hamburg (2,8), Hannover (2,5), Heringsdorf (2,9), Memmingen (2,9), Saarbrücken (2,5), Sylt (2,5) und Weeze (2,6). Letzterer hat allerdings mit einer Verbesserung um 0,5 Prozentpunkte den größten Sprung im gesamten Ranking geschafft.

Die Pilotengewerkschaft bewertet nach eigenen Angaben in ihrem Airport-Check nach Kriterien, die teilweise weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus gehen. Da alle bewerteten Flughäfen durch die Behörden zugelassen sind, könnten ungeachtet der VC-Bewertung alle deutschen Flughäfen grundsätzlich als ausreichend sicher angenommen werden, heißt es im Flughafencheck.

© dpa, Daniel Reinhardt Lesen Sie auch: So sicher ist Fliegen Antworten aus dem Cockpit

Dortmund und Berlin-Tegel mit positiven Veränderungen

Aus Sicht der VC sind bauliche Veränderungen in Dortmund und Berlin-Tegel besonders positiv hervorzuheben. In Dortmund seien an den Aufrollpunkten zur Piste "Runway Guard Lights" installiert worden. Diese Vorrichtung besteht aus zwei abwechselnd aufleuchtenden gelb-orangen Lichtern am Rand der Einmündungen zur Startbahn. Damit werden Piloten und andere Verkehrsteilnehmer wie Vorfeldfahrzeuge optisch auf die vor Ihnen liegende Piste hingewiesen. Dortmund hat sich damit im Vorjahresvergleich um 0,1 Prozentpunkte auf die Note 2,3 verbessert.

In Berlin-Tegel sind laut Pilotengewerkschaft neue Windsäcke installiert worden, die nachts beleuchtet und von jedem Pistenende aus sichtbar sind. Piloten erhalten so eine unmittelbare und verzögerungsfreie Windinformation. Zu einer besseren Note für Tegel reicht es dennoch nicht, da dieses Kriterium nur sehr wenig gewichtet wird. Der Airport bleibt bei der Note 2,3.

Die VC sieht insgesamt eine gute Entwicklung für die Flugsicherheit in Deutschland und begrüßt, dass mehr "Local Runway Safety Teams" (LRST) der Flughäfen mit ihren Experten zusammenarbeiten. Laut Pilotenvereinigung sollen in den LRSTs nach den Vorgaben der ICAO alle Beteiligten am Flughafengeschehen sicherheitsrelevante Vorkommnisse erörtern und daraus Maßnahmen zur Verbesserung der Flugsicherheit ableiten.

Köln/Bonn und Weeze beteiligten nun erstmals die Pilotenverterter in diesen Safety Teams, weshalb die beiden Flughäfen im VC-Ranking mit Verbesserungen um 0,3 respektive 0,5 Prozentpunkte im Vorjahresvergleich die größten Gewinner sind.

Runway Incursions künftig im Fokus

Für die kommenden Jahre kündigt die VC an, den Fokus auf "Runway Incursions" zu legen, also auf das unbeabsichtigte Aufrollen auf Pisten, ohne eine Freigabe durch den Tower. Hier gebe es nach wie vor zu viele Zwischenfälle, die mit besserer Ausrüstung vermeidbar wären.

Als Beispiel für bessere Ausrüstung nennt die Pilotenvereinigung "Stopbars" vor Bahn-Einmündungen. Diese Reihen von roten Lichtern werden an Bahn-Einmündungen in den Boden eingelassen und nur bei Erhalt einer Freigabe zum Aufrollen aus die Bahn kurz ausgeschaltet.

Österreich sei in diesem Punkt weiter als Deutschland, heißt es in den Ergebnissen des Flughafenchecks. In Wien oder Salzburg sei es seit Jahren Usus, dass rund um die Uhr an jedem Aufrollpunkt zur Piste beleuchtete Stopbars geschaltet sind. Die Zahl der "Runway Incursions" an diesen beiden Flughäfen sei deutlich niedriger als in Deutschland, weshalb dieses Kriterium ab dem nächsten Flughafencheck anders bewertet werden solle.

Nach Angaben der Vereinigung Cockpit unterzieht ihre Arbeitsgruppe Airport and Ground Environment (AGE) die deutschen Verkehrsflughäfen seit 1978 einem jährlichen Sicherheitscheck. Seit 1996 werden auch Regionalflughäfen in die Untersuchung einbezogen, sofern dort nennenswerter Linienverkehr stattfindet.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Vereinigung Cockpit positioniert sich gegen autonomes Fliegen

Von: hr
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